Ölmarktbericht September, 2016

Zwei große Sportereignisse – in 2014 die Fußballweltmeisterschaft und in 2016 die Olympiade. Beide wurden in Brasilien veranstaltet und beide sollten die Vitalität, den Reichtum und die (sanfte) Macht des Gastlandes zur Schau stellen. In 2014, am Vorabend der Weltmeisterschaft, schrieb Portland einen begeisterten Bericht über Brasilien und inwieweit dieses Land in allen Aspekten auf dem Weg nach oben ist.  Ein Land, das zwischen 1990 und 2014 unbestritten sowohl ein wirtschaftliches Power-Haus als auch eine Energie Supermacht wurde. Ein jährliches Wachstum des BIP von über 5% bedeutete, dass seine Wirtschaft jetzt eine ähnliche Größe wie die der UK hatte. Das Ölunternehmen Petrobras war das größte staatliche Unternehmen in Südamerika während Vale – ein weiterer Rohstoffgigant – das größte Privatunternehmen des Kontinents war. Und um zu beweisen, dass der soziale Fortschritt mit dem wirtschaftlichen Fortschritt mithalten konnte, wurde das Land direkt und indirekt von zwei Frauen geführt; Dilma Roussef regierte das Land und Maria de Gracias Foster leitete Petrobras.

Was für einen Unterschied zwei Jahre machen. Ohne das wir die sportlichen Vorstellungen des Teams GB berücksichtigen, waren die olympischen Spiele in Rio weit davon entfernt ein Erfolg zu sein; halb fertige Stadien, Korruptionsvorwürfe, eine völlig desinteressierte örtliche Bevölkerung und überall leere Sitze (wie wäre es damit gewesen, Sitze für $ 1, — zu verkaufen nur um die Plätze zu füllen?! Nur ein Vorschlag IOC…). Während die Fußballweltmeisterschaft die Ankunft einer neuen und selbstsicheren Wirtschaftsnation ankündigte, hat die Olympiade in 2016 hervorgehoben, wie weit Brasilien sich in den letzten zwei Jahren zurück entwickelt hat.  Politisch befindet sich das Land in einem chaotischen Zustand (Rousseff selbst wurde der Korruption angeklagt), während die Unternehmensgiganten Vale und Petrobras sich in unterschiedlich verzweifelten Notlagen befinden. Vale pflegt einen Verlust von $ 12 Milliarden aus 2015 und sieht sich gleichzeitig mit einer potentiell firmenvernichtenden Klage von $44 Milliarden nach einer schockierenden Bergwerkskatastrophe, in der 17 Personen tödlich verunglückten, konfrontiert.  Zurück in der Ölwelt, wurde de Gracias Foster schon lange entlassen und Petrobras befindet sich in einem solchen Chaos, dass das Auseinanderbrechen der Firma jetzt unvermeidbar scheint.

Viele seiner Probleme hat sich Petrobras selber durch Geldwäsche und politische Schmiergeldfonds (hauptsächlich für die Repräsentanten Rousseffs Arbeiterpartei) und Schmiergelder (so um $ 4 Milliarden) zugefügt und sind kaum Kennzeichen eines reifen und durchdachten kooperativen Unternehmens. Gleichzeitig führte ein Mangel an finanzieller Besonnenheit dazu, dass die Schulden der Firma in den guten Zeiten zunahmen, während kein Geld für die schlechten Zeiten auf die Seite gelegt wurde (kommt das einem nicht bekannt vor?). Und wenn es wahrscheinlicher ist, dass   50,-$    und nicht 150, – $ die neue Norm für Öl sind, sieht es so aus, als würden diese schlechten Zeiten nicht so bald enden. Denn obwohl ein neuer Besen an der Spitze die finanzielle Inkompetenz und Verfehlungen wegfegen kann, kann er nichts gegen die niedrigen Ölpreise machen.

In 2014 wurde vieles durch Petrobras´ bahnbrechende Tiefsee-Förderungstechniken, die es möglich machten, bisher unberührte Ölreserven von 60 Milliarden Barrels im West Atlantik zu erreichen, erreicht. Aber diese Technik hat monumentale Kosten und die Kreditaufnahme um die Operationen zu finanzieren, machte den Schuldenberg schnell noch grösser. Das ist alles wunderbar, wenn der Ölpreis $110 per Barrel beträgt, aber während wir in die zweite Hälfte von 2016 schreiten, stellt sich die Frage, was es tatsächlich bringt, reichliche Ölreserven zu haben, die unter 2 km Schichten von Steinsalz liegen und die für die nächsten 10 Jahre teurer abzubauen als zu verkaufen sind. Petrobras Nöte sind aber auch im „downstream“ (raffinierten) Bereich beträchtlich, wo gesetzliche Subventionen jährliche Verluste in einer Größe von $ 10 Milliarden garantieren. Ergänzt man dies mit den Verlusten im upstream Bereich (Erschließung) und der umfangreichen Devaluation der brasilianischen Reais ist es keine Überraschung, dass Petrobras jetzt überflüssige Schulden in einer Höhe von über $ 125 Milliarden, und wenig Hoffnung diese Zahl in den nächsten 5-10 Jahren deutlich zu verringern, hat.

Man könnte einfach argumentieren, dass Petrobras´ Absturz, und einem weiteren Zusammenhang der Brasiliens im Allgemeinen, eine unvermeidbare Folge des globalen Rohstoffbooms war und weder selbstgeschaffen noch selbst zu kontrollieren. Schaut man sich diese Nationen einmal an, die auf Kosten ihres heimischen Mineralienreichtums diniert haben, ohne Anstrengungen zu machen ihre Wirtschaften zu differenzieren, hat man die klassischen Zeichen eines „Rohstofffluches“. Nach dem diese Länder wie Venezuela, Russland, Nigeria und jetzt auch Brasilien einen kurzen, aber beispielslosen Reichtum genossen haben, sind sie jetzt alle mit einem fiskalischen Trauma dieser oder jener Art konfrontiert, mit einer reduzierten wirtschaftlichen Stabilität, weniger Demokratie und einem plötzlichen Stopp ausländischer Investitionen.

In welche Richtung Brasilien von hier marschiert, wird eine interessante Fallstudie sein (außer natürlich, wenn man Brasilianer ist). Doch egal wie unzählig die Probleme des Landes sind, es hat immer noch die beste Chance der Ölländer sie zu überstehen ohne sich in einen totalitären Staat zu verwandeln. Es hat eine ausgeglichenere Wirtschaft als Venezuela, es ist weniger korrupt als Nigeria und ist immer noch attraktiver für Investitionen als Russland. Gleichermaßen haben die Rohstoffe und das Öl im Besonderen, Brasilien zu einer Wirtschaftsmacht gemacht, die das Leben von Millionen von Brasilianern verändert hat. Dies ist gleichermaßen für Wirtschafts-und Umweltexperten eine ungemütliche Wahrheit, von denen viele daran scheiterten, dass das egalitäre Wachstumsmodell, dass von aufeinanderfolgenden brasilianischen Regierungen verfolgt wurde, in Frage zu stellen. Es ist also keine Überraschung, wenn offizielle UN Zahlen zeigen, dass sich das Niveau extremer Armut in Brasilien von 23% in 1990 auf weniger als 8% in 2010 reduziert hat. Aber jetzt, nach 25 Jahren, ist die wirtschaftliche Instabilität und die Zerstörung der Umwelt (Öl, Bergbau und Brandrodung), die dieses Modell kreiert hat, schwierig zu verteidigen, da es keinen Wohlstand mehr schafft, sondern im Gegenteil, das Land weiter in die Schulden treibt. Pra caramba…Brasilien muss einige harte Entscheidungen treffen und mit der Arbeit, die vor ihr liegt, kann man den Verdacht äußern, dass die brasilianische Regierung froh war, das Ende der olympischen Spiele zu sehen.