Ölmarktbericht Februar, 2016

Im März 2015 haben wir uns mit dem kanadischen Teersand und in wieweit diese Industrie unter den niedrigen Ölpreisen leidet, beschäftigt. Im Juni haben wir dann gesehen, wie die Ölpreise der Biotreibstoffindustrie schaden, während sie versuchte mit den superbilligen fossilen Brennstoffen zu konkurrieren. Fast ein Jahr später und nichts hat sich grundlegend geändert – die Preise sind immer noch niedrig und alle Beteiligten operieren mit negativen Handelsspannen.

Trotzdem zeigen beide, die Teersand- und die Biotreibstoffbranche, weiterhin Widerstandsfähigkeit in Zeiten der Not. Die Teersandindustrie hat es erfolgreich geschafft, das Öl weiter durch innovative langfristige Verträge mit US Raffinerie am Laufen zu halten und die Biotreibstoffhersteller haben hohe Preise, die auf ihren erneuerbaren Transporttreibstoffzertifikaten beruhten, genossen. Diese RTFC’s (ein Handelsplan, der den Verkauf von Biotreibstoffen fördert) haben den wirtschaftlichen Albtraum, Biotreibstoffe relativ teuer (50 pence pro Liter) im Vergleich zu normalen Benzin/Diesel zu verkaufen (ca. 20 pence pro Liter), ausgeglichen.

Bedauerlicherweise gibt es für einen anderen betroffenen Sektor, die UK Offshore – Industrie, keine solche „glückliche Rettung“ und die niedrigen Ölpreise verursachen weiterhin ein unaufhörliches Untergangsscenario. Zu einem gewissen Ausmaß, sind die Leiden der Nordsee nur ein Teil des weltweiten Feuersturms, der alle die betrifft, die mit der Ausbeutung von Öl involviert sind. Betrachten wir einige der Zahlen; Schlumberger und Haliburton – die 2 größten Erdöl Servicefirmen – haben in den letzten Monaten weltweit ungefähr 55.000 Mitarbeiter entlassen und weitere Arbeitsplatzkürzungen sind zu erwarten. Die Investitionen der Ölgiganten sind massiv gesunken; Exxon-Mobil hat seine Investitionen um 7.5 Milliarden $ für die nächsten 12 Monate gekürzt, BP um 10 Milliarden Dollar und British Gas um ungefähr denselben Betrag, außerdem Shell um 15 Milliarden $. Und der bisherige Liebling der Offshore Industrie, Brasiliens Petrobras (zurzeit nicht nur mit sinkenden Preisen geschlagen, sondern auch mit Korruptionsskandalen) hat eine gigantische Reduzierung seiner Kapitalausgaben von 32 Milliarden $ angekündigt.

Bedauerlicherweise ist das Problem  in der Nordsee nicht nur, dass sie ein Opfer des weltweiten Preisverfalls ist. Rasch abnehmende Produktion von alternden Ölfeldern und Facharbeiter, die zunehmend das sinkende Schiffe verlassen und in andere Teile der Welt (oder sogar andere Industriezweige) abwandern, fassen die anderen Probleme zusammen. Gleichermaßen, wenn neue Ölfelder entdeckt werden (Alvheim, Johan Svedrup),  sind diese meistens in norwegischen Gewässern. Die Mehrheit der britischen Ölfelder stammen aus den 70iger Jahren, und das bedeutet, dass zunehmend schwierige und innovative (sprich teure) Förderungstechniken benötigt werden um zufriedenstellende Erträge zu erhalten. Es gibt aber nicht genug Innovationen um die Tatsache zu verstecken, dass die Produktion in der UK Nordsee seit den späten 90ziger Jahren rückläufig ist, so dass heute weniger als 1 Mill. Barrels per Tag (bpd) produziert werden (5 Mill. bpd in 1998). Das ist ein großer Produktionsrückgang, der hauptsächlich zu Zeiten eines hohen Ölpreises stattgefunden hat, d.h. der Rückgang begann lange vor der momentanen Krise in der sich die Industrie befindet. Vertretbarerweise kann man also sagen, dass die niedrigen Preise das Ableben eines schon todkranken Patienten nur beschleunigen.

Die Katastrophe in der sich die UK Offshore Industrie befindet, ist auch eine Katastrophe für das UK Finanzamt. In einigen Jahren haben diese robusten Aktiengesellschaften fast 20% aller Körperschaftsteuern eingebracht und seit 1960 hat das über £ 300 Milliarden für den Fiskus eingebracht. In 2010 waren es noch £10 Milliarden, aber in 2016 werden nur noch £ 150 Mill. in Steuern aus der Öl- und Gasindustrie erwartet und ein Einkommensverlust von £ 9.85 Milliarden ist ziemlich belastend für eine Regierung, die immer noch den Traum hat, ihr Defizit zu reduzieren. Diese massive Einkommens- reduzierung hätte darüber hinaus ein riesiges Loch in den Ausgabeplänen der schottischen Regierung gepustet, hätte diese 2014 für die Unabhängigkeit gestimmt – besonders wenn man berücksichtigt, dass das momentane nationale schottische Budget bei circa  40 Milliarden $ liegt. Und dann sind da natürlich noch die Arbeitsplätze. In 2014 hat die UK Öl- und Gasindustrie direkt und indirekt 450.000 Jobs unterhalten. Die neuesten Zahlen zeigen Arbeitsplatzkürzungen von circa 75.000 Stellen im gesamten Offshore Bereich, eine Zahl, die viel höher ist als die, die die UK Stahlindustrie erlitten hat, aber  um diese Neuigkeit  wurde bei weitem nicht so viel Trara gemacht.

Es sind wirklich harte Zeiten für die UK Ölindustrie und mit so kleinen Produktionsmengen im Vergleich zu den großen Jungs ( 13 Mill bpd in den USA, 10 Mill in Saudi Arabien, 9 Mill. in Russland und sogar 1.5 Mill in Norwegen), könnte die Nordseeölproduktion tatsächlich von der Landkarte verschwinden. Dies wäre innenpolitisch eine riesige Neuigkeit, aber die emotionale Wahrheit ist, dass der Verlust des Nordseeöles keinen Unterschied in einer Welt machen würde, dieim Ölüberfluss untergeht. Vielleicht ist der einzige Trost zum jetzigen Zeitpunkt, dass diese Industrie schon öfter niedrige Preise überlebt hat und stärker aus diesen Zeiten wiederhervorgekommen ist. Außerdem ist Aberdeen jetzt ein Weltführer in vielen anderen Gebieten und nicht nur in der Ölgewinnung. Es gibt Zentren hervorragender technischer Exzellenz in allen Bereichen der Offshore-Industrie, sei es nun Windenergie, Kabel, geologische Gutachten, Transport und paradoxerweise die Ausmusterung von Bohrinseln. Tatsache ist, wenn dies der Anfang des Endes der Nordseeölproduktion ist, dann liegen wohl die größten Projekte noch vor uns, denn die Ausmusterung von Ölinseln wird Milliarden Pfund kosten und Jahre dauern. Da es das erste Industrieland ist, das sich mit der mehrfachen Ausmusterung von Ölinseln in einem großen Rahmen beschäftigt, wäre es logisch, diese Expertise in die ganze Welt zu exportieren. Also sollte man die eisenharten Männer und Frauen aus Aberdeen besser noch nicht abschreiben…