Ölmarktbericht Dezember, 2016

So, nun besitzt der Immobilien- Milliardär, Reality-TV- Star und rundherum Protz, Donald Trump, die Schlüssel zum Weißen Haus. Und so wie es aussieht, ist es schwierig seine wahren Absichten zu erkennen. Aber wenn es um Energie geht, ist Trump eindeutig für Öl und für die heimische Produktion und das könnte die globale Öl- und Gaslandschaft deutlich verändern.

Während seiner Wahlkampagne äußerte  der neue Präsident regelmäßig seinen Wunsch, die Ölsuche, Produktion und den Transport von der Bürokratie zu befreien. Darum sollte die US Ölindustrie eine Periode der Deregulierung, reduzierter umwelttechnischer Auflagen und niedrigerer Steuersätze genießen. Obamas befristete Einstellung von Bohrungen auf Bundesboden wird aufgehoben werden, neue Genehmigungen für die Ölsuche im arktischen Zirkel werden wahrscheinlich bewilligt werden und die seit langem debattierte „Keystone XL Pipeline“ ( transportiert Teer Sand aus Kanada in die USA) wird endlich grünes Licht bekommen. Und mit der wahrscheinlichen Ernennung eines Schiefermiliardärs als US Energieminister, kann man sich leicht vorstellen, dass diese Aktionen mit relativer Leichtigkeit umgesetzt werden.  Dies alles liest sich wie eine Alptraumliste  für Umweltgruppen – schlimmeres wird aber noch kommen, wenn Amerika die Bremse für seine Beteiligung am COP21 zieht (das Paris Klimaabkommen. Dies alles ist jedoch keine Überraschung, wenn man bedenkt, dass Trump den Klimawandel mehrfach als „einfach nur Wetter“ oder als „von den Chinesen erfundenen Schwindel“ bezeichnet hat.

Und die Aussichten für die US Ölindustrie sehen noch rosiger aus, wenn außer der Freigabe der Ölproduktion auch noch das versprochene nationale Infrastrukturprogramm anläuft (allerdings nicht das, das die 2000 Meilen lange Mauer zwischen den USA und Mexiko beinhaltet.). Wie ein so großes öffentliches Bauprogramm von einer Regierung finanziert werden kann, die sich gleichzeitig verpflichtet hat, die Steuern und die $ 16TN Staatsschulden zu reduzieren, ist fraglich, aber weder die Investoren noch die Ölproduzenten werden sich darüber besonders den Kopf zerbrechen und wenn das Projekt beginnt, seien wir ehrlich, bedeuten große Infrastrukturprojekte großes Geld und großen Energieverbrauch.

So gibt es  für jeden Aufschrei der Umweltschützer, einen Jubelschrei der US Ölindustrie. Es werden nicht nur die Einschränkungen der Produktion beseitigt, sondern der Bedarf wird auch steigen…. Und das direkt vor der eigenen Haustür! Aber Wachstum durch Boom- Zeiten führt zu Inflation und die Regierung wird interessiert sein, diese durch höhere Zinssätze abzukühlen. Dies wird es andererseits  für die hochverschuldeten Schieferölproduzenten schwierig machen zu refinanzieren und viele werden vielleicht nicht lange genug überleben um die guten Zeiten zu erleben. Eine andere alternative Ansicht         (wenngleich neo-liberal) ist, dass Trumps Wunsch die internationalen Handelsvereinbarungen zu zerreißen, die weltweite Wirtschaft in eine Rezession zwingen wird und so jegliches US heimisches Wachstum durch einen globalen  Abschwung im globalen Verbrauch aufwiegen wird.

Zu guter Letzt verspricht die Trump Politik international ähnlich unerschrocken zu sein. Der „ heiligen Kuh“, die Saudi Arabien einmal war, wurde mitgeteilt, dass ihr Öl boykottiert wird, es sei denn, das Königreich sendet Truppen in den Kampf gegen die ISIS. Und ein noch heißeres Thema und die Top-Priorität des neuen Präsidenten ist es,  den „katastrophalen (nuklearen) Deal mit dem Iran zu zerlegen. Ganz ehrlich, würde dies die Ölpreise nach oben treiben, vor allem wenn es mit der Wiedereinführung von Sanktionen verbunden wäre. Von einem solchen Schritt würden wiederum die US Produzenten profitieren, aber die US Verbraucher bilden die andere Seite dieser Gleichung und sie – zusammen mit der gesamten US Wirtschaft – würden schlecht auf Preisanstiege reagieren. Dies bedeutet, dass ein völliges außer Kraft setzen des Nuklear-Abkommen mit dem Iran unwahrscheinlich ist – ein weiteres postfaktisches Wahlversprechen, das der Sammlung zugefügt werden kann. Trotzdem sollten wir aber erwarten, dass die USA das Abkommen mit  Adleraugen beobachteten wird und eine genauere Überprüfung an der Basis vornehmen wird, beides ist nicht das Schlechteste.

Die Ölmärkte in 2016 waren schon aufregend genug, aber Trumps Ankunft hat das Niveau nochmal gehoben. Zu sagen, dass es eine faszinierende Kulisse zu dem dieswöchigen entscheidendem Treffen der OPEC bietet, ist eine riesige Untertreibung und es kann keinen Zweifel geben, dass eine aggressive US Ölpolitik große Bestürzung unter gewissen OPEC Mitglieder auslösen wird. Als Ergebnis ist das Treffen in Wien jetzt zu schwierig einzuberufen. Die Empfindungen der US gegenüber dem Iran könnten vielleicht sogar Saudi Arabien ermutigen komplett von einer Reduzierung der Produktion abzusehen, in der Annahme, dass iranische Sanktionen den gleichen (gewünschten) Effekt steigender Preise haben könnten. Ein solcher massiver U-Turn des größten OPEC Mitglieds könnte sogar das Ende dieses Kartells als eine bedeutsame Organisation darstellen. Trump ist sicherlich die unbekannte Karte in diesem Spiel, aber wird er die Trumpfkarte sein?