Ölmarktbericht November, 2017

Senden wir unsere Gedanken zurück in den November 2014 und zu dem jährlichen OPEC Gipfeltreffen in Wien. Während dieses Treffens entschied sich das Kartell mutig, trotz der weltweiten Ölschwemme, bei einem maximalen Produktionsausstoß zu bleiben um ihren Marktanteil zu erhalten. Die Folgen dieser Entscheidung, auf einen sowieso schon basierenden Markt, waren katastrophal für die OPEC Mitglieder und als Folge dieses Treffens fielen sie sofort auf unvorstellbare $6/bbL. Der Rohölpreis der bis dahin bei $80 lag, fiel um weitere $ 35 im folgenden Jahr. Doch sogar danach stimmte die OPEC 12 Monate später, in der gleichen Versammlung, wieder dafür maximale Produktionsmengen beizubehalten und wieder fielen die Preise.

Im November 2016 aber, ohne ein Ende der Niedrigpreise in Sicht, lag die OPEC endlich am Boden und das Kartell gab seine offizielle Politik einer Marktanteilerhaltung auf. Stattdessen gaben sie eine Produktionsobergrenze von 32.5 m Barrels pro Tag (bpd), in einem Versuch die Ölpreise wieder in die Höhe zu zwingen, bekannt. Die OPEC Politik ist natürlich nicht der einzige Faktor, der die Preise rauf und runter treibt, aber es ist eine Tatsache, dass seit der Bekanntmachung im November 2016, die Preise tatsächlich von $45/bbl auf circa $63 zum aktuellen Zeitpunkt gestiegen sind. Was, zu mindestens aus der Sicht der OPEC, bedeutet, dass die Einführung einer Produktionshöchstmenge die richtige Entscheidung war.

Die OPEC Politik wird von den Saudis und ihren Verbündeten (UAE und Kuwait) dominiert. Diese Mitgliedsländer werden im Allgemeinen von den westlichen Betrachtern als „die Guten“ gesehen – grundsätzlich gutartige (für den Westen jedenfalls) Diktaturen, die ihre Bereitschaft gezeigt haben, ihren Ölverkauf nach Europa und in die USA vor den in den Rest der Welt zu priorisieren. Noch wichtiger ist aber die Tatsache, dass die Saudi-Koalition bei weitem die größten Produktionslevel hat und darum die besten Möglichkeiten die OPEC Strategien zu beeinflussen. Saudi-Arabien allein produziert ein Drittel (10m bpd) der Gesamtproduktion des Kartells und ist daher das einzige Mitglied, das die Möglichkeit hat kurzfristig die Produktion deutlich zu erhöhen.

Diese überwältigende Macht führt zu ständigen Konflikten zwischen den Saudis und anderen OPEC Gruppierungen – am meisten mit dem kleinen Iran-Iraq Block. Die zwei Länder haben nicht nur eine völlig unterschiedliche Beziehung zum Westen, aber in dem unruhigen Topf der nahöstlichen Religionen, sehen sich diese zwei schiitischen Länder permanent von dem durch Sunnit Mitglieder (Saudi et al) dominierten OPEC-Rat herabgesetzt. Als Folge dieser gefühlten Ausgrenzung, ignorieren der Iran und der Irak sporadisch die OPEC Politik und betrachten Produktionsobergrenzen als „nicht ihr Problem“ und schießen den Ball lieber wieder zurück nach Saudi-Arabien. Diese Haltung hat sich in letzter Zeit verhärtet, da beide Länder versuchen verlorene Marktanteile wieder zu gewinnen (Iran als eine Folge der Sanktionen und der der Irak durch Krieg) und der Ruf der OPEC als eine Vereinigung, die das eine sagt und was anderes macht, wird oft mit diesen zwei Nationen begründet.

Bisher geht es im Nahen Osten, und lassen Sie uns ehrlich sein, bei der OPEC hauptsächlich um den Nahen Osten. Aber es gibt noch zwei weitere Untergruppen, die berücksichtigt werden müssen. Zunächst die afrikanischen Mitglieder und gäbe es nicht die chronische Korruption in Nigeria und die tiefe Spaltung zwischen dem Nordafrika und den Regionen südlich der Sahara, dann hätten diese Länder vielleicht einen viel größeren Einfluss. Aber so wie es im Moment aussieht, folgen Algerien und Libyen einfach nur den Befehlen ihrer sunnitischen Brüder im Nahen Osten, während Nigerias Ölindustrie so hoffnungslos ineffizient ist (Ölpumpen, die mit einer 50%igen Kapazität arbeiten, 10% des Produktes wird einfach nur als Abfall in der Atmosphäre verbrannt und ein Downstreamsektor, der immer noch 90% seines raffinierten Öls importieren muss), dass es nur 1.7m bpd produziert, obwohl es laut der Produktionshöchstgrenze 2.2m bpd produzieren dürfte. Die verbleibenden afrikanischen Länder (Angola, Äquatorialguinea und Gabun) spielen so gut wie keine Rollen bei den OPEC Entscheidungen, obwohl das sozialistische (aber marktoffene) Angola als der effizienteste afrikanische Mitgliedsstaat betrachtet wird.

Effizienz ist kein Wort, dass oft für die letzte OPEC Gruppierung, die südamerikanischen Länder, benutzt wird. Diese beinhaltet Ecuador, dessen Produktion 25 Sekunden des weltweiten Ölbedarfes entspricht, also beginnt und endet dieser Block tatsächlich mit Venezuela. Erinnern Sie sich daran, dass Venezuela, die älteste ölproduzierende Nation der Welt und immer noch im Besitz der größten globalen Vorräte (330 Milliarden Barrels) ist. Aber hier enden auch schon die guten Nachrichten, denn das Leid dieses speziellen Landes, wie Nigeria, könnte alleine einen Artikel füllen. Es soll also genügen zu sagen, dass Venezuela einen totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch erlebt hat seit die Preise im Jahr 2014 fielen und darum unbedingt einen Preisanstieg sehen will. Doch trotzdem ist es keineswegs bereit einen Produktionseinschnitt in irgendeiner Form zu unterstützen und diese fehlende Bereitschaft „mitzuspielen“, wird vom OPEC-Rat als sehr irritierend empfunden. Doch Irritation ist auch alles, denn die OPEC Mitglieder wissen, dass das venezolanische Öl keine große Bedeutung für den Marktpreis hat, da es überwiegend dafür benutzt wird, Schulden abzuzahlen.

Trotz all dieser Unterschiede ist die OPEC sich immer noch in einem Punkt einig und das ist der Wunsch höhere Preise für ihr Öl zu sehen. In den letzten 3 Jahren hat diese merkwürdige Bruderschaft ihre Öldollarreserven, in einem verzweifelten Versuch riesige finanzielle Löcher zu flicken, ausgegeben (sogar das mächtige Saudi-Arabien musste in einer Größenordnung von $750 Milliarden in seinen königlichen Staatsfonds greifen) und während die meisten OPEC Mitglieder die Aussicht einer Produktionsreduzierung hassen, hassen sie die Aussicht niedrigerer Ölpreise noch mehr.  Und darum einigte sich die OPEC gestern beim “alljährlichen Treffen“ in Wien ihre Produktionseinschränkungen bis Ende 2018 zu verlängern.