Ölmarktbericht Oktober, 2019

Zur Feier unseres zehnten Jubiläums, konzentrierten sich unsere 2 letzten Berichte darauf wie sich Öl und Energie in den letzten 10 Jahren verändert haben. Es ist jedoch einfach, darüber zu berichten, was in der Vergangenheit passiert ist, darum werden wir diesen Monat unsere Aufmerksamkeit auf die kommenden 10 Jahre lenken und wie sich Öl und Energie im nächsten Jahrzehnt entwickeln werden.

Beginnen wir mit der Mobilität und der unvermeidlichen Vorhersage, dass Benzin und Dieselautos (Verbrennungsmotoren) verschwinden werden. Bis 2025 wird der Großteil der Personenfahrzeuge, die aus der Produktion kommen, elektrische oder Hybridautos sein (Ford hat sich 2022 als Ziel gesetzt) und bis 2030 wird sich dies durch die Tatsache manifestieren, dass die Mehrheit der Autos elektrisch sein wird. Diese Autos werden keine Teslas oder irgendwelche anderen industriellen Störenfriede sein, sondern werden die normalen Markennamen von Ford, VW, Toyota etc. tragen. Diese Autogiganten wissen, dass sie sich, um zu überleben, anpassen müssen, und haben den Maßstab und ausreichend tiefe Taschen dafür.  Tatsächlich ist eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse der Automobilbranche, dass die Großhersteller heute schon mehr oder weniger bereit sind, den Wechsel zu elektrischen Autos vorzunehmen. Sie befürchten jedoch, eine Ausschlachtung ihrer existierenden Benzin- und Dieselmotoren und darum kann nur eine kontrollierte Einführung von Elektrofahrzeugen   Marktanteile erhalten, Erträge sichern und bestehenden Produktionswerken erlauben, einen optimalen Umstieg auf eine elektrische Produktion vorzunehmen.

Busse werden einem ähnlichen Weg wie Personenfahrzeugen folgen und die meisten städtischen Busse werden bis 2030 elektrisch sein. Bis 2030 werden alle europäischen, nord-amerikanischen und chinesischen Hauptstädte entsprechend emissionsfrei sein. Eine kleine Anzahl städtischer Busse (besonders ältere Modelle), sowie Busse, die außerhalb der Stadtgrenzen operieren, werden entweder Dieselhybrids oder Flüssiggasmodelle (LNG) sein.  Anderseits werden Lastkraftwagen bis 2030 noch nicht elektrisch betrieben werden. Während Busse von den kommunalen Behörden gezwungen werden, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, hat die gestückelte Natur des Transportsektors ein sehr viel langsameres Veränderungstempo zur Folge. Zunächst einmal ist das Beschaffungsmodel für Lastwagen grundsätzlich unterschiedlich zu dem von Autos, wo die Konsumenten grundsätzlich entschieden haben, das Elektroautos cool sind und darum bereit sind, mögliche Betriebsprobleme (kleine Bandbreite, Mangel an Infrastruktur, fraglicher Restwert, etc.) zurückzustellen. Der Kauf eines LKWs bedarf jedoch eines klaren kalkulierten Gedankengangs und bei Kosten von ca. 150.000 €, warum wohl auch nicht?! Kein Spediteur wird ein Fahrzeug in der Hoffnung kaufen, dass der technische und kommerzielle Rahmen bei der Zeit funktionieren wird, wenn die neue Einheit geliefert werden wird. Genau dieses „Huhn und Ei“ Rätsel wird einen bedeutenden Wechsel verlangsamen und stattdessen werden Dieselhybrids und Flüssigerdgastanker den Transportsektor dominieren.

Sowohl die Flugzeug- als auch die Marineindustrie bieten beachtliche Entkarbonisierungschancen, hauptsächlich, weil hier bisher wenig getan wurde (in der Flugzeugindustrie nichts) um den CO2-Fussabdruck zu reduzieren. Elektrische Luftfahrt ist kaum aus der Laborphase und in keiner Weise eine weitreichende Lösung für die 140.000 täglichen Flüge, die für 2030 zu erwarten sind. Darum bleibt es bei Flugzeugen auch weiterhin bei flüssigen Brennstoffen, die auch in der Zukunft den Großteil der existierenden Flüssigbrennstoffinfrastruktur nutzen werden. Doch der Brennstoff wird nicht Kerosin sein, sondern Wasserstoff, der durch Sequestrierung des atmosphärischen CO2s gewonnen wird und von Ölraffinerien hergestellt wird. Die Herausforderung bei dem Schiffsantrieb wird es sein, einen Brennstoff zu finden, der genug Restkraft erzeugt um ein 400.000 Tonnen schweres Schiff mit 18.000 Containern von Rotterdam nach Singapur zu bewegen. Die einzige realisierbare Alternative zum Standardheizöl (der momentane Brennstoff) ist Flüssig Erdgas (LNG) und bis 2030 werden ungefähr 50% aller Schiffe mit diesem Brennstoff mit einem geringerem CO2 Ausstoß betrieben werden. Doch aufgrund der Natur und des Alters der Schifffahrtsflotte, wird die Lieferung von Standardheizoel weitergehen, wenn auch auf einer sich jährlich reduzierenden Skala.

Auch Wasserstoff wird seinen Weg auf den industriellen Energiemarkt finden, aber es existiert das gleiche Problem in der Schwerindustrie wie in der Schifffahrt, dass keine Energiequelle ausreichend Energie für die Produktion von Stahl, Zement, Chemikalien, Steinen, Keramik, etc. (also die gesamte Schwerindustrie, die Teil der EU Emissionshandels ist) produziert. Hier werden die Alternativen zu fossilen Brennstoffen nicht den Anforderungen entsprechen und darum werden zwei Dinge in diesen Industrien geschehen. Entweder werden sie en-masse in Länder abwandern, wo die CO2 Reduktion weniger wichtig ist, als das kurzfristige wirtschaftliche Wachstum oder sie werden gezwungen sein, sich extrem belastenden CO2 Steuern und aufgezwungenen Kohlendioxidabscheidungs- und Speicherungsplänen zu unterwerfen. Dies könnte zur Folge haben, dass viele Industrien in den Staatsbesitz übergehen, in einem Versuch der Regierungen Herstellungskapazitäten zu erhalten.

Die Zukunft der Atomenergie wird ausgeglichen bleiben, aber Windkraft wird seinen bemerkenswerten Aufstieg fortsetzen. Bis 2030 wird 25% der weltweiten Energiegewinnung aus Windkraft gewonnen werden, während weitere 15% aus Sonnenenergie oder einer anderen erneuerbaren Energiequelle kommen. Es wird weder in Europa noch in Nordamerika Kohlekraftwerke geben und auch Gas wird seine globale Macht im Energiemarkt schwinden sehen, aber weiterhin die größte Energiequelle bleiben. Es wird seine dominante Position bei der häuslichen Heizung (zusammen mit einem kleinen Restbetrag Öls in abgelegenen Gegenden) beibehalten, wird weiter in Kraftwerken benutzt werden, die noch nicht vollständig finanziell an Wert verloren haben und es wird auch weiterhin die Back-up-Energiequelle für die Stromnetze der Welt bleiben (weil es die beständige Qualität hat, leicht an und ausgeschaltet werden zu können).  Zu guter Letzt werden belastendende CO2 Steuern und Kohlenstoffausgleiche die Norm für Kunden und Unternehmen werden, während die gesamte CO2 Reduktion drastisch durch die universelle Adaption von intelligenten Stromnetzen reduziert werden wird. Dieses System wird sich auf künstliche Intelligenz verlassen und effizient den Bedarf und die Versorgung in „Echtzeit“ aufeinander abstimmen und damit das Überschussproblem und somit eine (überflüssige) Energiegewinnung vermeiden.

Natürlich wissen wir nicht wirklich, wie 2030 aussehen wird, aber wenn Portland sein 20tes Jubiläum erlebt, werden wir diesen Bericht ausgraben, abstauben und auf seine Richtigkeit untersuchen. Wenn nur die Hälfte von dem, was wir vorhersagen, Realität wird, könnte man dies nicht nur als eine halbwegs gute Vorhersage betrachten, sondern man müsste die 2020iger Jahre dann auch, als ein Jahrzehnt erdbebenähnlicher Veränderungen im Energiesektor betrachten.