Ölmarktbericht Oktober, 2016

Ölhändler lieben es zu spekulieren. Das sind nicht immer jene Spekulationen, über die die Presse so gerne spricht, sondern Spekulationen im Sinne des Wortes. Sie spekulieren darüber, ob der Ölbedarf weiter ansteigen wird, ob es ein kalter Winter werden wird, was die Folgen des Brexits sein werden und so weiter. Aber mehr als alles andere, lieben es die Ölhändler über die Aktivitäten der OPEC zu spekulieren, und da im September sonst nicht viel auf dem Ölmarkt passiert ist (die Preise stehen ziemlich stabil bei $45, — pro Barrel), entstanden fieberhafte Diskussionen über die Absichten der OPEC.

Dieser Prozess starte am Anfang des Monates, als ein informelles OPEC Treffen das Zentrum von Gerüchten über ein bevorstehendes Einfrieren der Produktionsmengen wurde. Die Preise stiegen sofort an, aber verloren schnell an Schwung als die offiziellen Bekanntmachungen nach dem Treffen veröffentlicht wurden. Sie waren so vage (OPEC wird eine feste Verpflichtung machen… wird zustimmen…. etwas wird definitiv unternommen werden…. zu einem Zeitpunkt in der Zukunft…), dass es klar war, das ein affirmatives Handeln nicht unmittelbar nahte. Also fielen die Preise wieder und sogar tiefer als zuvor.

Aber Spekulation entstehen meist nicht ohne Grund und mit einem weiteren geplanten “informellen “OPEC Treffen (diesmal mit Russland) am 28. September in Algiers, war die übereinstimmende Meinung, dass eine entschlossene OPEC höchstwahrscheinlich eine Entscheidung über ihre Leistungsmengen treffen wird. Der Hintergrund dafür ist natürlich der weiterhin niedrige Ölpreis und sein zerstörender Effekt auf die OPEC Mitglieder. Die Haushaltspläne dieser Länder, die einen Preis von zwischen $ 75 per Barrel (in Saudi Arabien) und $ 150 per Barrel (in Venezuela) brauchen um ihre Bücher auszugleichen, sind immer wieder aufgeflogen.

Mit durchschnittlichen Produktionskosten von $15-$20 sollte man denken, dass solche Ängste unter den OPEC Mitglieder doch sicherlich unangebracht sind. Länder wie Saudi-Arabien, der Iran und Venezuela haben mit den niedrigsten laufenden Kosten in der Welt und sollten sogar mit einem Preis von $ 50 per Barrel noch recht ansehnlich Gewinne haben. Aber das neue Jahrtausend sah ein massives Ausgabenprogramm in den OPEC Ländern und sogar mit Höchstpreisen von $ 100+, schufen diese Projekte in null Komma nichts ein riesiges Haushaltsungleichgewicht. Mit einem Preis von $ 50 entsteht ein finanzpolitischer Zusammenbruch! Sogar Saudi-Arabien, bei weitem das reichste OPEC Land – scheint zu wackeln. Analysten glauben, dass das nahöstliche Königreich auf seine königlichen Vermögenswerte in einer Größenordnung von $350 Milliarden (von insgesamt $750 Milliarden) zurückgegriffen hat und zum ersten Mal in ihrer Geschichte sind die Saudis auf den Anleihenmarkt gegangen, um weitere Geldmittel aufzubringen.

Es ist relativ sicherer Rückschluss, dass sich die OPEC Mitglieder nichts sehnlicher wünschen, als dass die Ölpreise wieder steigen. Aber was genau kann die OPEC mit niedrigen Preisen machen ohne a) den Rest der Welt aufzuregen und b) erfolgreich sein? Ohne Frage würde eine schonungslose Produktionsreduktion die Preise fast sicherlich in die Höhe treiben. Aber das würde die westlichen (und östlichen) Verbrauchernationen erheblich aufregen, und die OPEC braucht diese, aus anderen Gründen als Öl, auf seiner Seite. Dann gibt es auch noch das kleine Problem des Irans, der unbedingt seine Produktion wieder auf die gleiche Höhe wie vor den Sanktionen bringen will. Dieser würde sicherlich keiner Reduktion zustimmen, genauso wenig wie Libyen, Nigeria, Venezuela oder der Irak – die alle in letzter Zeit schon Produktionsrückgänge verzeichnet haben. Es wäre sehr unwahrscheinlich, dass diese Mitglieder eine Produktionsreduktion als Lösung ihrer eigenen Probleme betrachten würden – es widerspricht trotz allem jeder Intuition eines bankrotten Landes die Produktion des einen Gutes zu reduzieren, das noch Einnahmen bringt.

Die andere Option ist das schon lange diskutierte einfrieren der Produktionsmengen. Kurzfristig würde es wahrscheinlich die Preise in eine $50 -$60 Region treiben, solange es offiziell vereinbart und nicht nur offiziell diskutiert würde. Aber dann? Das Einfrieren der Produktionsmengen würde nur verhindern, dass die Weltangebotsschwemme nicht weiter ansteigt, aber würde nichts an dem grundlegenden Ungleichgewicht zwischen dem bestehenden Überangebot und Nachfrage ändern. Vergessen Sie darüber hinaus nicht (als wenn Sie das könnten!), die ewig drohenden Schatten des Schieferöles. Im Angesicht der fallenden Preise, hat dieser Teil der Industrie beeindruckend reagiert indem er Arbeits- und Maschinenkosten drastisch reduziert hat. Das Ergebnis zeigt, dass die laufenden Kosten der US Schieferölindustrie seit 2014 um erstaunlich 65% gesunken sind und ohne die Sorge um öffentliche Infrastrukturprogramme, können viele Schieferölproduzenten noch recht gut von einem Preis von $50 pro Barrel leben. Wenn das Einfrieren der Produktionsmengen der OPEC Realität werden sollte, wäre das nicht nur ein grünes Licht für noch mehr Schieferölproduzenten um wieder auf den Markt zu drängen?

Dies wäre natürlich genau das, wovor die Saudis immer Angst hatten und genau der Grund, aus dem sie sich bisher unerschütterlich geweigert haben an den OPEC Produktionsmengen herumzubasteln. Warum sollte man seine Leistungen kürzen, wenn die „Cowboys“ in den USA bereit sind diesen Marktanteil zu stehlen. Jedoch scheinen zwei Jahre tränenreicher Verluste sie dazu gebracht zu haben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sie sind nun vielleicht, wenn auch widerwillig, bereit zu akzeptieren, dass egal was immer sie auch machen, die Schieferölproduzenten auf Dauer bestehen bleiben. In Anbetracht dieser Tatsache, sollten wir das Einfrieren der Produktionsmengen als eine Preissteigerungsmethode betrachten um den Preis kurzfristig auf $50-$60 zu treiben. Die wird dem, in seinen Fugen krachenden OPEC Budget, ein bisschen Raum zum Atmen verschaffen und würde dem Kartell natürlich ermöglichen über die nächste Preisregion von $60 – $ 70 zu sprechen. Wenn die Schieferölproduzenten tatsächlich bleiben, dann ist genau dies, das einzige, was die OPEC machen kann, den Markt hoch zu reden und zu versuchen ihre Preise zu legitimieren…