Ölmarktbericht August, 2017

Also in Ordnung, die Sommerferien sind vorbei und der Alltag beginnt mit einer weiteren großen Wahl, diesmal in Deutschland. Nur wenige halten dagegen, dass die immer so beliebte Angela Merkel (die seit 2005 im Amt ist), die weitere Wahl nicht gewinnen wird, und noch weniger nehmen an, dass die Energiepolitik im Mittelpunkt ihrer Wahlkampagne stehen wird. Dies ist verständlich berücksichtigt man die vielen wichtigeren aktuellen Themen, aber es ist schade, denn unter Merkel hat Deutschland einen zunehmend radikalen Weg beschritten.

Das herausstechende Energieproblem Deutschlands – wie ein bestimmter “Staatschef” in 1940 entdeckte – ist, dass das Land außer Kohle nur wenige heimische Energiequellen hat. Obwohl es Rohölproduktion im deutschen Nordseebereich gibt, sind die Volumen winzig (20.000 Barrels pro Tag (Bpd) im Vergleich zu einem Gesamtvolumen von 2.5 Mill. Bpd in der gesamten Nordsee) und sie ist sicherlich in keiner Weise ausreichend um die deutsche Wirtschaftsmaschine am Laufen zu halten. Man sollte also vermuten, dass die lokale Infrastruktur um Rohöl zu verarbeiten (wovon weit über 95% importiert werden) mit 14 deutschen Raffinerien im Vergleich zu 8 französischen und 6 englischen robust ist.

Hinsichtlich Gas, hat Deutschland auch eine heimische Produktion vorzuweisen, aber genauso wie beim Rohöl, ist sie extrem von ausländischer Produktion abhängig und in letzter Zeit wurden bis zu 70% dieses Gases aus Russland importiert. Solche „Abhängigkeit“ von ausländischen Importen bereitet den deutschen Politikern seit vielen Jahre Sorgen und es war zum Teil diese Realpolitik – genauso wie umweltpolitische Ambitionen – die Kanzlerin Merkel dazu brachten, die „Energiewende“ in 2010 einzuführen. Dieser Plan sollte das Land auf den Weg in eine kohlenstoffarme Zukunft führen; mit dem Ziel bis 2050 100% erneuerbare Energie zu verwenden und dabei, natürlich, Deutschlands Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu reduzieren.

Nur 12 Monate nach ihrer Einführung, wurde die Energiewende mit ihrer ersten Herausforderung konfrontiert, dem Fukushima Atomunfall in 2011. Die Reaktion der deutschen Regierung war, höflich ausgedrückt, extrem, da Frau Merkel, nur wenige Tage nach dem Vorfall bekannt gab, umgehend 8 deutsche Atomkraftwerke zu schließen und bis 2022 komplett aus der Atomenergie auszusteigen. Die Grünen – denen die Atomenergie immer ein Dorn im Auge war – waren entzückt und sangen Loblieder auf die Kanzlerin. Alle anderen kratzen sich nur mit einiger Überraschung am Kopf, da man sicherlich alternative Energie benötigte und diese würde nahezu hundertprozentig aus Kohle gewonnen werden. Und so geschah es dann auch; während die Atomenergie reduziert wurde, füllten Kohlekraftwerke die Kluft und die CO2 Emission stieg zunächst um über 10%. Sogar jetzt, mit einer zunehmenden Zuverlässigkeit in der Versorgung durch erneuerbare Energien, verlässt sich Deutschland immer noch zu mehr als 40% auf Kohleenergie.

Aber die Energiewende hielt noch mehr Probleme auf Lager als SPD Mitglieder der Koalition sich in der ungewöhnlichen Situation wiederfanden gegen umweltfreundliche Gesetze zu stimmen, mit der Behauptung, dass die Ausgaben für erneuerbare Energieprojekte auf Kosten der Ausgaben für das Gesundheits- und Sozialwesen gingen. Die Energiewende war auch kein Stimmenfänger bei der Bevölkerung, die, merkwürdigerweise, nicht begeistert war extra 14% für erneuerbare Energie bei ihren Stromrechnungen zu bezahlen. Sie schauten auch neidisch über die Grenze zu ihren französischen Nachbarn, deren Stromrechnungen nur ungefähr halb so hoch wie die Ihrigen sind.

Trotz allem, hat sich “Lady Merkel” nicht von der Energiewende abgewandt und sie marschiert mit beeindruckenden Ergebnissen voran: Im Allgemeinen werden 20% der deutschen Energie durch erneuerbare Quellen gedeckt (10% wenn man die Transportenergie berücksichtigt), mit einem Rekord von 65% erneuerbarer Energie im diesjährigen April. Fast die Gesamtmenge davon wird durch Wind gewonnen, der ohne Frage eine der Erfolgsgeschichten des deutschen erneuerbaren Energiesektors ist und der zurzeit 12% der deutschen Energie erzeugt. Solche Erfolge haben die deutsche Regierung weiter ermutigt. Sie hat jetzt den äußerst ehrgeizigen Plan, den gesamten Stromverbund zu rekonstruieren und dem windgeschlagenen Norden zu ermöglichen seine Windenergie mit der Hilfe von sogenannten „Erneuerbaren Energie Autobahnen“ an den stark energieverbrauchenden Süden zu transferieren.

Solange Frau Merkel also im Amt bleibt sollte keiner erwarten, dass die Energiewende in Kürze verschwindet. Und sogar im unwahrscheinlichen Fall, dass sie die Wahl am 24. September verliert, bedeutet das Ausmaß des Fortschritts des Programmes (… und der öffentlichen Mittel, die schon ausgegeben wurden), dass es für eine andere politische Partei schwierig wäre, es auseinander zu nehmen, selbst wenn sie es wollte. Und damit ist sie Merkels Energieerbe für Deutschland und wahrscheinlich für die Welt. Während die übers Knie gebrochene Entscheidung eines Atomausstiegs vielleicht anfänglich ein Eigentor war, ist Deutschland langfristige Vision der Entwicklung erneuerbarer Energie als Teil eines ausgeglichen Energie-Portfolios, ein Model, dass die meisten Länder übernehmen werden müssen, wenn sie auch nur in die Nähe der Umweltziele des Pariser Klimawandelabkommens kommen woollen.