Ölmarktbericht August, 2016

Wenn Sie in Ihren Ferien nicht zum 44zigsten mal Urlaub auf einer regnerischen Insel vor der Westküste vor Schottland machen, ist es wahrscheinlich, dass Sie ein Flugzeug besteigen und irgendwo hinfliegen, wo es warm und sonnig ist (Gratuliere!) Aber wie viel wissen Sie über den Treibstoff, der Sie durch den Himmel transportieren wird? Es wird Sie nicht schneller an ihr Ziel bringen, wenn Sie etwas über Düsentreibstoff wissen, noch wird es Ihnen helfen durch die Sicherheitskontrollen zu kommen, ohne dass Ihr industriel gefertigter Nagelknipser konfisziert wird, aber vielleicht helfen Ihnen einige Brocken Wissen, die Zeit auf dem Flugzeug und im Flughafen zu vertreiben. Also los geht’s.

Flugzeugbenzin wird im allgemeinen als Jet A1 bezeichnet, aber sein technischer Name ist tatsächlich Avtur, was Aviation Turbine Fuel bedeutet. Avtur wurde für den Gebrauch in Strahlturbinen und Turbo-Prop-Flugzeugen entwickelt, was grundsätzlich alle modernen Flugzeuge einer vernünftigen Größe einschließt. Diese Benzinqualität sollte nicht mit Avgas (Aviation Gasoline) gemischt werden, was ein spezieller bleihaltiger Treibstoff ist, der in Einpropellerflugzeugen oder älteren Hubschraubern benutzt wird (neue Hubschrauber neigen dazu auch Avtur zu verwenden). Aber womit Avtur rechtmäßig gemischt werden kann, ist Standardqualitäts-Kerosin (oder Paraffin, wenn Sie noch einen weiteren Namen bevorzugen), weil das, zumindest in Großbritannien, die Benzinqualität ist, die auch in Heizungskesseln und Landhausküchenofen benutzt wird. Wer hätte gedacht, dass ein Aga Ofen und ein Düsenmotor so viel gemeinsam haben.

Wenn man die Verbrennungsqualitäten der drei fossilen Hauptenergieträger betrachtet (Diesel, Kerosin und Benzin), kann man verstehen warum Kerosin für Flugzeuge verwendet wird. Diesel hat den höchsten Siedepunkt dieser drei Qualitäten, aber es ist auch am schwersten brennbar. Während Diesel also ausreichend Energie abgeben würde um einen Antrieb in der Luft zu ermöglichen, würde sein Mangel an Entzündbarkeit keine ausreichende Startenergie produzieren um das Flugzeug abheben zu lassen (es sei denn, man hat natürlich eine 5 Meilen lange Laufbahn!). Benzin dagegen ist hoch entzündlich und bietet ohne Probleme die benötigte Beschleunigungskraft zum Starten, aber seine Energieabgabe ist schwach und der Verbrauch ist schnell, was bedeuten würde, dass das Flugzeug eine unverhältnismäßig große Menge Treibstoff, selbst für die kürzeste Reise, mit sich transportieren müsste. So bleibt nur Kerosin, leichter entzündbar als Diesel (und hat somit die notwendigen explosiven Verbrennungseigenschaften, die für den Take-off benötigt werden), aber gleichzeitig energieeffizienter als Benzin, was bedeutet, dass weniger Treibstoff transportiert werden muss.

Selbst wenn Kerosin relativ energieeffizient ist, ist ein Flugzeug eine (sehr) durstige Bestie. Eine „Standard“ 747 verbrennt jede Sekunde mitten im Flug circa 4 Liter Treibstoff, basierend auf einer Fluggeschwindigkeit von 910 km/h, was einen Verbrauch von 16 Litern pro Kilometer bedeutet. Darum ist es kein Wunder, dass eine 747 eine überzeugende Kapazität hat 220.000 Liter zu transportieren und das gibt ihr immer noch nur eine Reichweite von circa 13.700 Kilometern, nicht genug um nonstop von Australien nach London zu fliegen, aber gleichzeitig fügt es unglaubliche 175 Tonnen zur Nutzlast des Flugzeuges hinzu.

Mit diesem ganzen Treibstoffverbrauch, ist es kein Wunder, dass die Tankaktivitäten an den größten Weltflughäfen atemberaubende Proportionen annehmen. Der gesamte Verbrauch von Flugzeugbenzin in Großbritannien beläuft sich auf beeindruckende 15 Milliarden Litern p.a., aber beachtliche 55% dieses Volumens laufen alleine durch Heathrow, was mehr als mehr als 22 Mill. Liter pro Tag entspricht (und  beweist, dass es zurzeit nur einen Drehkreuz-Flughafen in England gibt). Der gesamte Flugzeugtreibstoff wird via Pipeline nach Heathrow transportiert – entweder direkt von den Raffinerien (Immingham, Fawley and Stanlow) oder via Import Pipelines von der Themse – Flussmündung (mehr als 60% des Flugzeugbenzins in Großbritannien wird heutzutage importiert). Wenn das Avtur erstmal in Heathrow gelandet ist, wird es in Flughafenlageranlagen gelagert (riesige weiße Lagertanks, einfach zu erkennen, aber immer noch 25 Punkte in Ihrem „Ich sehe was, was du nicht siehst“ Buch wert) bevor sie in einem weiteren Netz von 80 Meilen Pipeline weiterverteilt werden. Dieses bemerkenswerte unterirdische „Hydranten- System“ läuft über die gesamte Länge und Breite des Flughafens und hat zahlreiche Tankpunkte und erlaubt den mobilen Tankwagen sich anzukuppeln und Flugzeuge im gesamten Heathrow-Komplex zu betanken.

Und hier endet die Versorgungskette und Ihr Urlaub beginnt. Wer hätte sich die gigantische Industrie vorstellen können, die sich hinter den fröhlichen Typen verbirgt, die in ihren Overalls und mit ihren Kopfhörern auf der Startbahn stehen und versuchen die Aufmerksamkeit der Stewardessen zu wecken, während sie Ihr Flugzeug betanken – und das ist jetzt bereit Sie in sonnigere Zonen zu jetten…. Schöne Ferien!