Ölmarktbericht Juli, 2016

Gerade mal eben ist die erste Hälfte des Jahres vorbei und die Tage werden schon kürzer.  Die ersten 6 Monate des Jahres 2016 waren in Bezug auf Öl durchaus bemerkenswert. „Wie bitte? Haben Sie nicht bemerkt, dass sich der Ölpreis in 6 kurzen Monaten verdoppelt hat?!“ Das liegt vielleicht daran, dass der Ölpreis, mit $50 pro Barrel, immer noch vergleichsweise unauffällig im Vergleich zu den Höhenflügen der Vergangenheit erscheint. Aber stellen Sie sich vor, die Hauspreise hätten sich in der gleichen Zeitspanne verdoppelt? Oder Autos? Oder sogar nur der Preis für Brot. Der Volkszorn wäre gewiss geweckt worden und doch hat diese letzte Woge des Ölpreisanstiegs nicht mal ein unzufriedenes Raunen verursacht.

Was geschieht also im Moment? Nun ja, zum Teil haben wir einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage beobachten können und einen Ölmarkt, der (durch seine Erholung) anerkannt hat, dass der Preisverlust des Rohöles in 2014-15 wahrscheinlich übertrieben war. Ignoriert man die üblich albernen Vorhersagen der Banken ($10 pro Barrel), war der Preis von $ 25 pro Barrel wohl tatsächlich ein Preis, der zu niedrig war um lange bestehen zu bleiben. In den USA – begleitet von OPEC Jubel- begannen die Bohrer am Anfang des Jahres Pleite zu gehen und die Produktionszahlen bezeugten dies. Zwischen 2010 und 2015 stieg die US Ölprodukten von 6 Mill. Barrels pro Tag (bpd) auf 9 Mill. bpd an. Aber in der ersten Hälfte dieses Jahres fiel diese Zahl auf 8 Mill, was bedeutet, dass ganze 10% der US-Produktion vom Markt genommen wurden. Gleichzeitig begannen die massiven Lieferstörungen in Nigeria zu greifen, wo geschätzte 500 Tausend bpd (Barrel pro Tag) von nigerianischen Delta Rebellen gestohlen wurden (das entspricht ca. 60% der jährlichen UK Ölproduktion in der Nordsee).

Anderseits und dieser Entwicklung entgegenwirkend, sahen wir einen blitzartigen Anstieg in der iranischen Ölproduktion. Fachleute schätzten, dass es mehr als 12 Monate dauern würde, bis der Iran wieder auf seine vor den Sanktionen erreichten Produktionsmengen von 4 Mill bpd kommt. Tatsächlich aber hat es weniger als 3 Monate gedauert und brachte erstaunliche 1.3 Mill. bpd auf den Markt.  Nimmt man nun die extra 1.3 Mill. Barrels aus dem Iran und zieht die reduzierten Mengen der USA (1m bpd) und Nigeria (0.5m bpd) ab, entsteht ein kleines Ungleichgewicht von -0.2m bpd zwischen Angebot und Nachfrage. Betrachtet man diese Zahl isoliert, wäre sie nicht ausreichend um die Preise nach oben zu treiben, besonders da man sie im Zusammenhang mit einem bereits überschwemmten Markt betrachten muss. Aber verweilen wir hier einen Moment; was ist mit der Nachfrage? Wenn wir nun einen Verbrauchszuwachs von 1 Mill bpd berücksichtigen (zum letzten Mal, der Bedarf nach Öl steigt jedes Jahr…), sieht es mathematisch grundsätzlich anders aus. Angebot und Nachfrage sind zurzeit um ca. negativ 1.2m bpd aus dem Gleichgewicht und das war ausreichend um die Preise am Anfang des Jahres in die Höhe schnellen zu lassen.

Also, was können wir für den Rest des Jahres 2016 und für Anfang 2017 erwarten? Nun, zum jetzigen Zeitpunkt ist die Regel „$25-$50-$75“, was Portland als eine gute Metrik bezeichnen würde und sie ist wirklich einfach. Bei einem Preis von $25 pro Barrel wird Ölausbeutung in den meisten ihrer Formen unrentabel und die Produktion stoppt (und viele Hersteller gehen Pleite). Dadurch wird Ware vom Markt genommen und der Preis beginnt sich zu erholen. Bei einem Preis von $ 50 pro Barrel gleichen sich Angebot und Nachfrage langsam aus und ein Status quo könnte gehalten werden, indem sowohl Hersteller als auch Verbraucher zufrieden wären (Verbraucher natürlich etwas mehr als die Hersteller!)

Aber so funktioniert der Markt nicht, wenn der weltweite Bedarf für ein Produkt ständig steigt. Druck entsteht und die Preise beginnen bis zu einem Punkt weiter zu steigen, an dem es interessant genug ist, seine Produktion wieder zu beschleunigen. Dieser Rückschritt in die Produktion wird natürlich von den Schieferölproduzenten geführt werden, da diese nicht lange brauchen, um ihre Produktion wieder anzuschmeißen. Und zerbrechen Sie sich nicht den Kopf darüber, wer bohren wird, wo doch so viele dieser Unternehmen Bankrott gemacht haben. Niedrige Preise mögen Firmen in den Bankrott treiben, aber sie können keine Technologie in den Bankrott treiben: so sind die Geister schnell wieder da und wenn der Preis richtig ist, werden die Bohrinseln entstaubt werden und Schieferöl wiedererscheinen.

Wenn dies geschieht, werden wir eine weitere Lieferschwemme erleben und die Preise werden schnell wieder in Richtung der $25 Grenze gestoßen werden, so dass der Kreislauf wieder von vorne beginnen kann. Hersteller und Verbraucher sollten eine beachtliche Instabilität in einem Preisbereich von $25 bis $75 für die vorhersehbare Zukunft erwarten. Die Ersteren wären Narren, wenn sie auf die berauschenden Tage von $100 warten würden, aber die Letzteren sollten auch nicht erwarten, dass die Preise auf unter$ 25 fallen oder sogar für längere Zeit auf einem solchen Niveau bleiben werden.