Ölmarktbericht Juli, 2021

Es ist eine gelegentliche Tradition dieses Berichts, zu versuchen, große Sportereignisse mit Kraftstoffmärkten in Verbindung zu bringen! So haben wir uns London 2012* (Olympische Spiele), Russland sowohl 2014* (Olympische Winterspiele) als auch 2018* (Fußballweltmeisterschaft), Brasilien ebenfalls zweimal 2014* und 2016* (Fußballweltmeisterschaft und Olympische Spiele) und Südkorea 2018* (Olympische Winterspiele) angesehen. Ohne Zuschauer und mit einem unverständlichen Mangel an Fanfare scheinen die meisten von uns vergessen zu haben, dass Tokio die diesjährigen (verspäteten) Olympischen Spiele ausrichtet – aber wir lassen uns davon nicht abhalten, einen weiteren völlig nutzlosen Bericht über die Welt des Öls und der Energien zu schreiben und wie sie sich in Japan abspielen!

Genau wie das seltsamste olympische Ereignis aller Zeiten (der Keirin im Radfahren – ursprünglich aus Japan und der eine Kerl auf einem Elektrofahrrad an der Spitze) ist die Energieversorgung des japanischen Archipels eine komplexe und taktische Angelegenheit. Vieles davon rührt von der Tatsache her, dass das Land praktisch keine mineralischen Rohstoffe besitzt. Es hat so gut wie keine Kohlereserven, produziert kein Öl und hat nur eine winzige Anzahl von aktiven Gasfeldern. Für die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde ist das eine ungewöhnliche Situation, die zwangsläufig eine sorgfältige Energieplanung erfordert, zusammen mit der strategischen Entwicklung starker internationaler Beziehungen, um eine so große Abhängigkeit von Energieimporten abzumildern.

Japan importiert 3 Mio. Barrel Öl pro Tag (bpd), was etwa 3 % des Weltverbrauchs entspricht und das Land zum viertgrößten Ölimporteur der Welt macht (nach den USA, China und Indien). Die Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten ist absolut (90 % der Importe), wobei die erste Handelsbeziehung mit Saudi-Arabien bereits 1955 vereinbart und formuliert wurde. Diese völlige Abhängigkeit von Ölimporten wird mit Gas – der anderen „Blue Riband“-Energieveranstaltung – wiederholt. Auch hier hat Japan keine nennenswerte Eigenproduktion, sodass jährlich 85 Mio. Tonnen Flüssiggas importiert werden müssen. 20 % der Menge kommt aus dem Nahen Osten, aber diesmal ist es Australien, welches mit einem Anteil von 40 % am japanischen Markt die Goldmedaille gewinnt. Als Inselstaat ohne verbindende Pipelines muss das gesamte japanische Gas per Schiff importiert werden, was das Land zum größten Erdgasimporteur der Welt macht. Es ist auch ein Schlüsselfaktor hinter Japans olympischer Standard-Handelsflotte, mit über 1.000 Öl-, Gas- und Chemikalientankern unter japanischer Flagge, die auf den Weltmeeren unterwegs sind…

Der strategische Gedanke, der hinter einer so starken Schiffsflotte steht, ist zweifelsohne der: „Wenn man das Produkt nicht kontrollieren kann, sollte man besser den Transport kontrollieren“, und ein ähnlicher Gedankengang wurde auch auf Japans Energieproduktionssektor angewandt. Das Land mag zwar knapp an Öl sein, macht dies aber bei der Verarbeitung des Stoffes mit 21 Raffinerien und einer täglichen Gesamtdurchsatzkapazität von 3,5 Mio. bpd (ca. 550 Mio. Liter pro Tag) locker wett. Im Vergleich dazu hat Großbritannien, welches etwa halb so viele Einwohner hat wie Japan (65 Mio. Briten zu 125 Mio. Japanern), nur 6 Raffinerien mit einer Gesamtkapazität von ca. 1 Mio. Litern pro Tag. Ein weiterer Unterschied in der Infrastruktur ist in der Anzahl der Tankstellen in beiden Ländern zu beobachten; während beide Märkte einen erheblichen Rückgang der Anzahl erfahren haben, gibt es in Japan immer noch 29.000 Tankstellen, verglichen mit 8.500 in Großbritannien.
So weit, so (Old-School-)Kraftstoff, aber es sollte auch angemerkt werden, dass es in Japan mittlerweile weit mehr Stromtankstellen für Autos gibt (knapp 50.000) als Tankstellen. Diese aggressive Elektrifizierung des Fuhrparks ist größtenteils das Ergebnis strategischer Veränderungen durch die führenden Autohersteller des Landes (Toyota, Nissan, Honda) und nicht durch irgendwelche grünen Gesetze, die von der japanischen Regierung beschlossen wurden. Tatsächlich liegt Japan in den meisten Umweltdisziplinen weit hinter den europäischen und amerikanischen Staaten zurück. Das Land bezieht immer noch ein Viertel seines Stroms aus (importierter) Kohle und weitere 40 % aus einer Kombination aus Erdgas und Öl. Erneuerbare Energien machen nur 10 % des Energiemixes aus, während die Kernenergie nur noch ein Schatten der Zeit vor Fukushima ist, als sie über ein Drittel des Stroms lieferte (über 50 Atomkraftwerke). Diese Zahl ist nun auf 3 % gesunken, die von den vier verbleibenden Generatoren des Landes erzeugt werden.

Für Japan gibt es also noch keinen Platz auf dem grünen Podium, obwohl es sich wie viele andere Entwicklungsländer zu „Net Zero“ bis 2050 verpflichtet hat. Ihre Strategie für grünes Wachstum hat 12 Sektoren identifiziert, die zu dieser Dekarbonisierungsagenda beitragen können, darunter erneuerbare Energien, Wasserstoffproduktion und Kohlenstoffabscheidung/-recycling. Noch grundlegender ist jedoch die Einbeziehung und der signifikante Fokus auf die Wiederherstellung der Atomindustrie, um die kohlenstoffarmen Ziele zu erreichen. Die Logik, diese emissionsfreie Energiequelle einzubeziehen, ist klar und Portland ist der Meinung, dass dies eine Blaupause für andere Industrienationen sein wird, die sich mit den praktischen Problemen der Dekarbonisierung der von fossilen Brennstoffen abhängigen Volkswirtschaften auseinandersetzen müssen. Genau wie Seb Coe vor den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles ist die Kernenergie zum vergessenen Mann des Energiesektors geworden – abgeschrieben, kritisiert und ungeliebt. Coe schlug im Kolosseum von LA im 1500-Meter-Finale zurück und holte souverän Gold – kann die Atomindustrie das Gleiche tun und den Zweiflern trotzen? Wir werden sehen, aber in der Zwischenzeit genießen Sie die Olympischen Spiele und denken Sie daran, dass der Typ auf dem Elektrofahrrad mit dem Rucksack (warum?!) keine Medaille beim Keirin gewinnen kann…!