Ölmarktbericht Juni, 2017

Wir sind in der Jahresmitte angekommen und das ist keine schlechte Zeit um eine Inventur des Ölmarktes zu vorzunehmen und zu sehen wo wir stehen und einen Blick auf den Rest des Jahres zu werfen. Im Januar haben wir vorhergesagt, dass die Preise im Laufe des Jahres langsam ansteigen würden – dies ist eindeutig nicht geschehen. Stattdessen haben wir gleichbleibende/fallende Preise in einem Bereich zwischen $45-$50 pro Barrel gesehen.

Nicht zum ersten Mal scheint die Welt das US Schieferöl unterschätzt zu haben. Die meisten Beobachter sagten vorher, das Schieferöl, sobald es einen Preis von $60 erreicht, wieder auf den Markt kommen würde. Tatsächlich aber sind die Schieferölhändler mit einer großen Geschwindigkeit und wild entschlossen wieder auf den Markt erschienen, die viele erst für 2018 erwartet haben. Ohne Zweifel ist die Produktion durch die optimistischen Preisvorhersagen aufgeheizt worden, sind aber auch durch die aufgelockerten Krediteinschränkungen und den pro-öl Trump Effekt wieder im vollen Gange.  Jede einzelne Woche in 2017 sah eine Zunahme der sich in Betrieb finden Ölbohrinseln und heute beläuft sich die Gesamtzahl auf 750 – ein 17%iger Anstieg seit Anfang des Jahres (im Januar waren es 630) … tatsächlich wild entschlossen!

Der sich daraus ergebende Ölproduktionsanstieg hat nicht nur OPECs gut beworbenen Produktionseinschränkungen entgegengewirkt, sondern hat sie tatsächlich ausgehebelt und so den Preisabfall kreiert, den wir die letzten Wochen beobachten konnten. Dies hat, wie zu erwarten war, die OPEC in eine Situation gebracht, in der sie sich nur noch am Kopf kratzen kann und sich überlegen muss, was sie nun machen könnte um die Weltölpreise zu beeinflussen. Sogar die begehrte russische Einwilligung bei den Produktionseinschnitten mittzumachen, hatte wenig Effekt und die Tatsache, dass OPECs Mai Treffen (wo weitreichende Einschränkungen bis März 2018 angekündigt wurden) ohne einen Klagelaut an den Märkten vorbeizog, könnte anzeigen, das die OPEC jetzt „einen Riss in der Fassade“ hat.

Oder ist das Problem, das was es schon immer mit der OPEC war; Ankündigungen nicht nur zu machen, sondern auch wirklich in die Tat umzusetzen? Durch den Ausschluss von Nigeria, Libyen und dem Iran von den Produktionseinschnitten (aus diversen und unterschiedlichen Gründen) ist die Produktion tatsächlich nicht gesunken. Und je nachdem wie genau die (freiwilligen) iranischen Daten sind, ist sie vielleicht sogar angestiegen! Also egal wie diszipliniert die Saudis und die Russen Öl vom Markt ferngehalten haben, ist die Weltlieferschwemme weitergegangen und wir sind fast wieder am Anfang, wo die Schieferölhändler und die OPEC einer tödlichen Abwärtsspirale entgegensehen.

Aber was, wenn überhaupt etwas, wird diesen Abwärtstrend aufhalten? Nun dieser Bericht hat immer das Bedürfnis die Leser daran zu erinnern, dass der Ölbedarf weiter ansteigt (schon um 0.75 Mill Barrels pro Tag allein in diesem Jahr) und dass es einen fast einstimmigen Konsens gibt, dass der Ölverbrauch bis zu einer Spitze von ungefähr 100 Mill bpd (zurzeit 91 bpd) in 2025 weiter ansteigen wird. Jedoch bietet dieses Versprechen, einiger weiterer Jahre eines Verbrauchsanstiegs, den konventionellen Ölproduzenten nur wenig Trost, besonders wenn es scheint, dass die Schieferölindustrie das Potential hat, den Marktwert auf einer zweijährlichen Basis zu zerstören. Und aus einer Investitionssicht, sind 5-10 Jahre „Sicherheit“ lange nicht genug um die Millionen und manchmal Milliarden Dollar zu rechtfertigen, die benötigt werden um langfristige konventionelle Exploration zu finanzieren. Berücksichtigt man darüber hinaus noch die zunehmende Beliebtheit von Gas, die zunehmend strengeren weltweiten Umweltbestimmung und elektrische Autos, dann hat man die Zutaten für eine potentielle Flucht von Großinvestitionen in Öl.

 Natürlich werden einige Investoren und Ölfirmen dieses Risiko eingehen. Sie werden sich auf die Tatsache verlassen, dass wenn die Ölschiefer versagt – oder der Ölbedarf nach 2025 noch weiter ansteigt –  sich die konventionellen Ölquellen an den dann höheren Preisen laben werden können. Aber die Kapitalnatur des 21 Jahrhunderts ist, dass es einfache Gewinne sucht und zum jetzigen Zeitpunkt, scheint es eine Anzahl von einfacheren Gewinnmöglichkeiten zu geben, als gerade in Öl zu investieren. Als die Saudis bekannt gaben, dass sie die Absicht haben ein erstes öffentliches Angebot (IPO) für Saudi Aramco (die staatliche Ölfirma) zu machen, lagen die ersten Marktvorhersagen bei einer unvorstellbaren Einschätzung von 2 Trillionen $ (2.5 x die Größe von Apple). Aber im Laufe der Monate, wurde eine sehr viel realistischere Einschätzung gemacht und es wird jetzt ein Wert von ca. $500 Milliarden erwartet. Das ist immer noch ein riesiger Betrag, aber sehen wir den Tatsachen ins Auge, die Ölindustrie wird sich nicht über Nacht in Luft auflösen, aber eine solche große Abwärtskorrektur muss uns etwas über die Zukunft des konventionellen Öls sagen.

Wenn wir uns aber wieder den kurzfristigen Aussichten zuwenden und den Rest des Jahres betrachten, scheint unsere Vorhersage von $65 pro Barrel jetzt unwahrscheinlich. Aber dann muss man sagen, das 25 Jahre in der Ölindustrie einem beibringen, dass das zu Erwartende selten geschieht und wenn, dann nie so wie man es erwartet hat! Ein Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik von entweder China oder Indien, eine künstliche Spritze in ihre Wirtschaft, könnte einen bedeutenden Bedarfsanstieg bedeuten. Und nicht zu vergessen Präsident Trump. Während er seine Ratgeber entlässt und die Twitter-Sphäre zum Schmelzen bringt, verspricht der neu gewählte Präsident immer noch, die Sanktionen gegen den Iran wiedereinzuführen. Und zu guter Letzt sollten wir auch nicht den Krach zwischen Katar und dem restlichen mittleren Osten vergessen, sollte dieser wirklich bösartig werden, könnte der (Aufwärts-) Effekt auf die Ölpreise gigantisch sein…