Ölmarktbericht Juni, 2016

Das EU Referendum ist jetzt nur noch wenige Tage entfernt und es stellt sich die Frage, ob der Brexit einen großen Einfluss auf die Ölindustrie hätte? Oberflächlich schiene es naiv zu denken, dass die Ölindustrie unbeschädigt aus einer solchen großen politischen Entscheidung kommen könnte. Doch dann wieder ist Öl die globalste aller Industrien und eine Industrie in der Kontinente, Währungen und Kulturen scheinbar problemlos überwunden werden können….

Viele der pro- und kontra EU Argumente sind offensichtlich finanzieller Natur und natürlich ist eine potentielle Schwächung des Pfundes sicherlich ein Aspekt des Ölmarktes von dem die UK betroffen wäre. Seit 2015 ist der Wert des Pfundes von $1.53 pro Pfund auf (YTD) $ 1.43 gesunken und einige Kommentatoren sagen weitere Verluste in den letzten Tagen vor der Abstimmung am 23.06.2016 vorher. Währungsverluste scheinen nur selten dramatisch zu sein, aber tatsächlich entspricht ein Währungsverlust von 0.1 $ einer 7%tigen  Abwertung, was wiederum einen Ölpreisanstieg von 1.5 Pence pro Liter mit sich zieht. Sie mögen sagen, dass das noch nicht weiter dramatisch ist, aber für ein Speditionsunternehmen bedeutet das einen Kostenanstieg von £40K p.a. – und das ist signifikant in einem Wirtschaftsbereich, in dem die Spannen hauchdünn sind. „Befürworter“ haben dieses Währungsargument als einen guten Grund um in der EU zu bleiben, benutzt; aber ist die momentane Pfundschwäche nicht einfach nur das Ergebnis der allgemeinen Unsicherheit über das Referendum an sich? Ist es nicht wahrscheinlich, dass wenn das Referendum so oder so entschieden ist, das Pfund seinen eigenen natürlichen Wert auf dem Markt finden wird? Und was wir darüber hinaus nicht vergessen sollten ist, dass sowohl unsere produzierende als auch unsere raffinierende Industrie in Pfund arbeiten, aber in Dollar verkauft, d.h. dass sie wahrscheinlich sogar von einem schwächeren Pfund profitieren würden.

Wo sonst noch ist Öl in der Frontlinie der EU-Debatte? Nun, wenn man mit den Herstellern in der Nordsee spricht, werden viele sagen, dass sie Angst vor möglichen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Arbeitskräften haben und einer künftig möglichen Unfähigkeit einfach EU-Bürger einzustellen (und wenn ihnen das weithergeholt vorkommt, fahren Sie einfach mal an einem Wechseltag nach Aberdeen und gehen Sie in einen der Pubs um eine ultimative Kostprobe des „Euro-Englisch Cocktails“ zu bekommen). Der Transportsektor ist aus dem gleichen Grund, die Sorge ausgebildete oder auszubildende LKW-Fahrer „post-Brexit“ zu finden,  sehr beunruhigt. Dies scheint ein glaubwürdiges Argument zu sein, obwohl in diesem Industriezweig Geld spricht und wenn die Preise hoch sind, sind es die Gehälter  auch. Daher muss man vermuten, dass sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber tun werden, was immer notwendig ist um ihre Arbeitsplätze in diesem Bereich zu besetzen, auch wenn die Gesetzgebung diesen Prozess schwieriger macht.

Ein weiteres offensichtliches Beispiel in dessen Zentrum das Öl in der EU-Debatte steht, betrifft die “schottische Frage”, wo es wahrscheinlich scheint, dass ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum stattfindet, sollte Großbritannien die EU verlassen. Sollte das passieren, so wäre der Effekt für die englische Öl- und Gasindustrie sicherlich beachtlich (sogar wenn es nur der Prozess eines weiteren Referendums wäre). Doch trotz dessen wären die Auswirkungen weniger schwerwiegend als die wirtschaftlichen Folgen des Ölpreisverfalles letztes Jahr von $120,– auf $50,–. Auch für die Hauptinvestoren in der Nordsee ist es der Ölpreis und nicht das politische Umfeld, das als Investitionsanreiz fungiert.  Zum Beispiel ist es unwahrscheinlich, dass der größte Investor in der Nordsee (Total – eine französische Firma) glücklich über eine Brexit Entscheidung wäre, aber gleichzeitig scheint es noch unwahrscheinlicher, dass sie ihr massives zehnjähriges UK Investitionsprogramm aus irgendeinem anderen Grund, als einem verlängerten ernsthaftem Ölpreiseinbruch, einstellen würden.

Verschieben wir die Debatte vom “Upstream” zum “Downstream” existieren einige “originellere” Ansichten. Eines dieser Argumente beschäftigt sich mit Emissionen und inwiefern ein Brexit die Rettung für Hersteller von Dieselautos wäre. Die neuen EU Emissionsrichtlinien wären so streng, dass viele Kommentatoren vorhersagen, dass sie der Todesschuss für den Diesel PKW sein. Darum sollte die UK die EU verlassen und es würde uns von diesen Emissionsrichtlinien befreien und eine Heimat für unerwünschte Dieselautos schaffen – diese Marktschwemme würde britische Autopreise gen Süden treiben. Dieses Argument ist wirklich viel zu dünn um ernst genommen zu werden und außerdem wäre der angebliche Preisvorteil nur von kurzer Dauer, weil ein alleiniger britischer Markt für Dieselautos keine anhaltende Massenproduktion aufrechterhalten könnte.

Wenn wir die Industrie im weitesten Sinne betrachten, ist es schwierig zu beurteilen wo der Unterschied zwischen einem Verbleib und einem Brexit liegen würde. Sehen wir den Tatsachen ins Auge, die Sicherheitsrichtlinien für eine gefährliche Branche wie Öl, Gas und die Petrochemie bleiben gleich, egal wer sie verwaltet. Und von einem wirtschaftlichen Standpunkt scheint es mehr als klar, dass die Ölindustrie innerhalb ihrer eigenen wirtschaftlichen Union von Angebot und Nachfrage existiert. Tatsächlich sind Hauptgründe, aus denen die Menschen so auf der Hut vor Öl sind, seine Eigenschaft über nationale Grenzen hinweg zu operieren, seine Undurchsichtigkeit wenn es um Marktstrukturen geht und seine alleinige Befolgung des Preises –  und dies sind genau die gleichen Gründe aus denen der Effekt  auf die Ölindustrie (was immer am 23. Juni herauskommt) so begrenzt sein wird.

Zu guter Letzt, und um den 2 oder 3 E-Mails, die verlangen, dass wir vom Brexit-Zug abspringen, vorzubeugen, ist Portland, die die wilden Behauptungen beider Lager vorhersehbar absonderlich* finden, im EU-Befürworter-Lager aus Gründen, die nichts mit Öl zu tun haben….

*Man erinnert sich permanent an die Argumente der 2014 Schottland Ja/Nein Kampagne, als die jeweiligen Wahlwerber versucht haben, uns glauben zu machen, dass jeder schottische Wähler sich zwischen einem Leben in dem sie jeden Tag die Lotterie gewinnen würden oder totalem wirtschaftlichen Armageddon entschieden!