Ölmarktbericht Mai, 2018

Es wäre ungenau die Preise im Mai als schwankend zu beschreiben, denn eine Schwankung neigt dazu Preisbewegungen zu beschreiben, die sich sowohl nach oben als auch nach unten bewegen. Die Brennstoffpreise im Mai hingegen, stiegen nur an… und an… und ein bisschen mehr an! Für einen Großteil des Jahres haben wir einen sich immer mehr verschärfenden Markt erlebt, mit OPEC Produktionseinschränkungen, einer Schieferölindustrie, die immer noch versucht die Folgen der Preiseinbrüche von 2014 abzuschütteln und natürlich ein pausenloser weltweiter Bedarfsanstieg. Aber was den Preis in Mai wirklich hochschnellen ließ, war Donald Trumps Ankündigung, dass die USA aus dem iranischen Atomabkommen aussteigen werden und folglich versuchen würden, die Sanktionen gegen das iranische Öl wiederherzustellen.

Der Iran ist einflussreich, wenn es um die Ölproduktion geht. Er hat nicht nur riesige Reserven (ca. 150 Milliarden Barrels), sondern produziert zurzeit auch 4 Millionen Barrels pro Tag (bpd), was bedeutet, dass die schiitische Republik für ungefähr 4% des weltweiten Öls verantwortlich ist. Unter den alten Sanktionen (zwischen 2012-2015) wurde die iranische Ölproduktion auf 2 Mill. bpd beschränkt und der Großteil dieses Volumen floss direkt nach Indien oder China (von denen keiner an den Sanktionen beteiligt war). Dies ist der zentrale Punkt, an den man sich diesmal erinnern muss, denn trotz der ganzen Schlagzeilen zu dem Thema einer Wiedereinführung eines Ölembargos gegen den Iran, ist es eine Tatsache, dass das Öl, fast garantiert, weiter zu den indischen und chinesischen Kunden fließen wird, was wiederum bedeutet, dass die 4 Mill. bpd nicht vom weltweiten Markt verschwinden, sondern, dass die Produktionsgrundmenge von 2 Mill bpd fast sicherlich beibehalten wird.

Es ist aber auch die europäische Frage zu berücksichtigen. Wir wissen, dass die europäischen Mächte extrem enttäuscht von Präsident Trump sind (was ist neu?!) und seiner im Alleingang getroffenen Entscheidung aus dem iranischen Atomdeal auszusteigen. Es ist daher möglich, dass die Europäer einfach die amerikanische Aktion ignorieren und weiter iranisches Öl kaufen. So ein wagemutiger Schritt ist jedoch noch nie dagewesen und so scheint es wahrscheinlicher, dass ein halbherziger Weg gewählt werden wird, in dem „leichte“ Sanktionen in Kraft treten. Dieser diplomatische Kompromiss wird es ermöglichen, dass ein bisschen Öl fließen wird, aber mit etwas mehr Bürokratie, die die Transaktionen etwas umständlicher machen wird. Sollte dies das Ergebnis des EU Entscheidungsprozesses sein, dann können wir wahrscheinlich erwarten, dass die Produktionsgrundgrenze ansteigen wird – vielleicht auf 3 Mill. bpd, was eine Gesamtnettoreduzierung von 1 Mill bpd entsprechen würde.

Dies würde dann die Frage aufwerfen, ob das Entfernen von nur 1 Mill bpd aus der weltweiten Ölversorgung wirklich die Preise steil nach oben treiben würde? Ist es vielleicht möglich, dass die Märkte überreagiert haben? Leider ist die Antwort wahrscheinlich nein, denn in einem Markt, der sich schon durch ein knappes Angebot auszeichnet, kann eine selbst schmale Reduzierung der Ölkapazität ausreichen, um die Preise in den Himmel zu jagen. Gleichermaßen ist es für das Funktionieren des Ölmarkts irrelevant, ob die Sanktionen gegen den Iran universal angewandt werden oder nicht.

Mit der Ausnahme von China und Indien (wo die staatlichen Institutionen Rohöl kaufen) wird das meiste Öl im Westen von privaten Unternehmen gekauft. Die Trump Administration hat signalisiert, dass diese Firmen ca. 3-6 Monate Zeit haben, die neuen, von den US geführten, Sanktionen einzuhalten oder sie werden selbst mit Sanktionen rechnen müssen. Dies lässt den Ölgiganten (Exxon-Mobil, Shell, BP, Total, ENI et al) kaum eine Wahl als den Wünschen der US zu entsprechen. In einfachen Worten, wenn die Wahl zwischen einem oder dem Einfrieren ihres US -Vermögen und ihrer US- Operationen ist, werden sich die Ölgiganten immer für das Erstere entscheiden. Betrachten wir doch einfach die Maersk (das größte Schifffahrtunternehmen der Welt), die bereits angekündigt haben, dass ihre Schiffe keine iranischen Produkte mehr transportieren werden, hier ist also ein weiterer Markt im Ölkontext, der enger werden wird….

So oder so sehen die aktuellen Omen für die Ölpreise finster aus. Es ist so gerade eben mal möglich, dass sich der weltweite Bedarf angesichts der hohen Preise verlangsamen wird, denn theoretisch sollten hohe Preise ja den Verbrauch verringern. Doch ein vom Preis getriebener Bedarfsrückgang neigt mehr dazu, ein langfristiges Phänomen zu sein, anstatt die Märkte sofort zu betreffen. Außerdem wäre ein kleiner Bedarfsverfall weder genug um den aktuellen weltweiten Rückgang des Rohölangebotes noch um die überwältigenden geopolitischen Spannungen in den ölproduzierenden Schlüsselregionen (Mittlerer Osten, Russland, Venezuela) auszugleichen. Es könnte ein langer Sommer werden, aber aus den falschen Gründen….