Ölmarktbericht Mai, 2015

n einer Welt die mit Öl überflutet ist, stellt sich automatisch die Frage, wohin dies alles führen wird. Der Weltbedarf steigt zwar noch langsam weiter an, aber die Produktion ist in den letzten 3 Jahre in die Höhe geschnellt und die meisten Schätzungen sprechen von einer Überproduktion von circa 3 Mio. Barrels pro Tag (bpd). Das ist ein täglicher Überschuss von 470 Mio. Litern – ein Volumen das streng genommen nicht benötigt wird.

Anfängliche Nutznießer dieses Produktionsüberschusses waren die Agenturen, die das Öl lagerten, da sie die Möglichkeit nutzten, sich durch die niedrigen Preise ein Notfallpolster anzulegen. Anlagen wie „Cushing“ in Oklahoma waren schnell aufgefüllt und der meiste dieses Vorrats gehört der Strategic Petroleum Reserve (SPR) der USA. Auf der anderen Seite der Welt deckten  sich die Chinesen auch mit Öl ein und ihre Notfallvorräte sind im ersten Vierteljahr von 14 Mrd. Liter auf 20 Mrd. angestiegen. 20 Mrd. Liter entsprechen aber nur einem Verbrauch von 20 Tagen in China und mit einem Ziel von 90 Tagen (d.h. 90 Mrd. Liter) wird, es keine Überraschung sein, wenn in der Zukunft eine weitaus größere Menge des Weltüberschusses  in Chinas riesigen inländischen „Tankfarmen“ verschwinden wird.

Eine weiterer logische Bestimmung für den Ölüberschuss ist zu raffinieren. Momentane Raffineriespannen sind (zeitweise) stark, was bedeutet, dass diejenigen, die können, soviel Rohöl wie möglich verarbeiten. Dies erklärt auch warum die weltweite Raffinerie zurzeit auf einem ungehörten Niveau von 90% Auslastung läuft. Aber einfach nur die Raffinerieläufe zu erhöhen, verschiebt das Problem nur weiter nach hinten. Letzten Endes ist ein Überschuss von 3 Mio. bpd Rohöl gleichwertig mit einem (raffinierten) Produktüberschuss, egal ob in einer speziellen Qualität oder in einem bestimmten Gebiet. Eine weitere Lösung zu dem Ölüberfluss wird also immer noch gebraucht und die Öllagerindustrie bietet die Antwort…

Einen Mann im Bus auf dem Weg zur Arbeit würde das Konzept einer ganzen Industrie, die sich nur der Öllagerung verschrieben hat, wahrscheinlich bizarr erscheinen. Und die Idee, dass es wirtschaftlich rentabel sein kann, einfach nur gigantische Öltanks aufzufüllen und das Öl für Monate unberührt zu lassen, scheint genauso absurd. Aber diese scheinbar wirtschaftliche Fantasie ist tatsächlich eine bedeutende wirtschaftliche Realität und wie alles in der Ölwelt, ist diese Lagerung ein Hauptanliegen aller Beteiligten.  Alleine in Europa beläuft sich die Gesamtkapazität von Öllagertankern, die zur Miete zur Verfügung stehen, auf über 60 Mrd. Liter und anbei ist eine Liste von Europas Mega- Lagerterminals. Nur um den Punkt noch einmal zu wiederholen, diese Tankanlagen haben nichts mit der Raffinerie oder Ölherstellung zu tun. Sie sind einfach nur riesige Tanks, die nicht anders machen, als Öl zu lagern.

 Das Phänomen der Öllagerung  lässt sich teilweise durch den Ölgewinnungsprozess und seine Raffinerie erklären lassen – die beide nicht leicht zu unterbrechen sind. Kurzgefasst, das Produkt muss fließen und die Lagerindustrie gewinnt durch diese Dynamik. Diese Situation ist sogar noch besser in einer Terminaufgeldstruktur. Dieses (etwas merkwürdige Wort) beschreibt eine Situation, in der der Kassapreis tiefer als der Terminpreis ist – ein Szenario das oft am Ende eines massiven Ölpreisverfalles zu finden ist (sowie am Ende 2014) und wenn ein allgemeines Vertrauen besteht, dass  sich die Preise  in der nahen Zukunft erholen werden. Tatsächlich wird für Ölfirmen ein Anreiz geschaffen, ihr Öl auf Termin für eine Lieferung zu einem späteren Zeitpunkt anstatt hier und jetzt zu verkaufen. Dies erklärt zumindest teilweise, warum die Öllagerindustrie im Moment boomt, mit nahezu allen europäischen Tankern mit Q1 gefüllt und weiteren 40 VLCCs (besonders große Rohöltransporter) permanent gechartert. Diese segeln nirgendwo hin sondern liegen im Hafen und werden als zusätzliche Lagermöglichkeit genutzt. .. „ Wohin geht’s Kapitän?“ „ Nirgendwohin. Geh wieder in die Koje und kontrolliere den Anker auf dem Weg…..“