Ölmarktbericht Mai, 2020

In einer normalen Situation hätte man den Ölmarkt im Monat Mai 2020 als unbeständig bezeichnet. Die Preise schwankten jeden Tag wild, oft mit einem Anstieg von über 1 Pence pro Liter (ppl) am Morgen, nur um dann am Tagesende 1 ppl. nachzugeben. Doch der Markt, den wir sowohl im März als auch im April erlebten, war so verrückt, dass der Mai im Vergleich als ein ziemlich ruhiger Monat erschien.

In den Schlagzeilen konnte man lesen, dass die Preise im Mai nicht unter die im April gesehenen, gefallen waren und sogar sich tatsächlich leicht erholt hatten, auf ein Niveau von um $30 pro Barrel. Also würde diese Ruheperiode der unter Druck stehenden Industrie eine Atempause erlauben? Mmmh, so funktioniert der Ölmarkt leider nicht! Man bewegt sich schnell und hart… und die, die zu langsam sind, sterben normalerweise! Es ist daher keine Überraschung, dass Shell und Exxon bereits ein Viertel ihrer Kapitalprojekte storniert haben. Andere Ölgiganten wie Halliburton, Baker Hughes und Schlumberger, die immer in der ersten Reihe bei Markteinbrüchen stehen, haben ähnlich reagiert und ihre Ausgaben in Nordamerika halbiert und ihre Dividenden für Investoren massiv gekürzt (manchmal zum ersten Mal in ihrer Geschichte und im Fall von Schlumberger sogar um über 75%).

Die Schiefergasindustrie, in der die Pleiten in 2019 um 50% zugenommen hatten, schwindet dahin und hat tausende von Arbeitern entlassen und hunderte von Bohrinseln “off hire” genommen.

So schmerzhaft diese Schließungen für die Angestellten und Aktionäre auch sein mögen, die Wehen des privaten Ölgeschäfts betreffen die Gesamtbevölkerung nur selten. Dasselbe kann leider nicht für jene anderen Länder gesagt werden, die total von ihrer Ölindustrie abhängig sind, um ihre Staatsausgaben zu unterstützen. Trotz des saudi-arabischen Schutzpaktes im Februar (als erklärt wurde, dass es überleben und sogar gedeihen würde) bleibt die Tatsache bestehen, dass das Land einen Ölpreis von $80 pro Barrel benötigt um das wachsende nationale Budget zu decken. Der momentane OPEC+ Deal bedeutet, dass das Königreich seine Produktion um 25% kürzte und gleichzeitig ihr Öl ausverkauft (mit Preisen sogar unter dem veröffentlichten Preis) um das russische Eindringen auf die asiatischen Märkte zu bekämpfen.

Diese Situation ist sogar noch schlimmer für die OPEC Mitglieder Iran und Venezuela. Diese sind bereits von den US-Sanktionen geschädigt und sind total abhängig davon, dass ihre Ölexporte ihre Wirtschaften unterstützen. Ein Ölpreis von $30 pro Barrel bedeutet daher eine verheerende wirtschaftliche Situation und als Folge soziale Unruhen. In Afrika war die Ölindustrie in den letzten 10 Jahren einer der wenigen wirtschaftlichen Lichtblicke, die Jobs, wirtschaftliche Stabilität und eine Möglichkeit für Investitionen bot. Bedauerlicherweise ist dieser Geldstrom schnell ausgetrocknet und Länder wie Nigeria und Angola sehen in die Höhe schießender Schulden, verbunden mit jähen Einschnitten ausländischer Investitionen ins Auge.

Sogar in den Industriestaaten wird diese Preisveränderung zu unwiederbringlichen Veränderungen der nationalen und regionalen Wirtschaften führen. Das Nordseeöl, so wie wir es kennen, wird diese niedrigen Preise nicht überleben und das wird den schottischen Wirtschaftsausblick stark beeinflussen. In Kanada sieht es so aus als wären Albertas Ölstrände verhext. Ölproduktion in diesem Teil der Welt hat den fünffachen Nachteil, ein Binnenstaat, teuer in der Produktion zu sein, eine niedrige Qualität zu haben, schwer zu verschiffen ist und, nicht beliebt bei der heimischen Bevölkerung zu sein (Erinnerungen halten sich nur kurz… denn es war das albertinische Öl, das Kanada in seiner schlimmsten finanziellen Krise in 2008-2009 gerettet hat). Da die Preise für Ölsand beständig unter $15 pro Barrel liegen, ist es wahrscheinlich, dass das Produkt unter der Erde bleiben wird, da Bohrbrunnen gekappt werden und Produktionsschließungen stattfinden werden.

Irgendwas muss doch in Kürze nachgeben? Viele der Portland Kunden scheinen so zu denken und haben regelmäßig gefragt, wann sich der Ölpreis erholen wird. In 2014 (der letzte Ölpreiscrash, stimulierten niedrige Ölpreise den Verbrauch, denn eine boomende Wirtschaft sah die Möglichkeit billiges Öl für ein künftiges Wirtschaftswachstum zu kaufen). Aber in einer Welt, die in die Knie gegangen ist, gibt es keinen Platz für billiges Öl, weil es kein Wirtschaftswachstum gibt, dass es aufnehmen kann. Ja, es ist wahr, dass der Bedarf sich vorsichtig erholt ( während die Länder  auf dem Lockdown kriechen), aber solange das Angebot die Nachfrage so deutlich übersteigt, werden die Preise im Keller bleiben und d.h., dass viele Ölproduzenten mit dem Rücken an der Wand stehen werden.  Nur die stärksten, gemeinsten und billigsten werden überleben. Aber mit dieser Industrie in einem Blutbad, wird der Schaden tatsächlich überall sehr unerfreulich sein.