Ölmarktbericht April, 2019

Während der Osterferien unternahm Portland und 3 Mini-Portlands eine Kurzreise von Hull nach Rotterdam. Nicht etwa um die Schönheit der Tulpenfelder, die beeindruckenden Architektur in Amsterdam oder etwa die Weltklasse Museen zu besichtigen; oh nein, unser Hauptanliegen war natürlich, Rotterdams Europoort!

Die 40 km von Flussmündung des Rheins (Nieuwe Mass) ins Zentrum von Rotterdam sind ein bisschen so, als würde man ein industrielles Wunderland besuchen und man muss es wirklich sehen um es zu glauben, denn keine Beschreibung kann den Dimensionen gerecht werden. Hier liegt Europas größter Containerhafen Seite and Seite mit der Ölverarbeitung, Stahlwerken, Kraftwerken und jeder nur erdenkbaren Transportmöglichkeit. Wenn man landeinwärts fährt, hat man manchmal das Gefühl, dass mehr Lastkähne den Rhein runterschippern als Fahrzeuge auf der Straße sind. Nimmt man dann noch die Frachtzüge, die alle 5 Minuten vorbeifahren dazu, jede Menge Windturbinen, Tunnel, Brücken und wo man hinsieht Betondämme, dann hat man eine der aufregendsten und lebhaftesten industriellen Gegenden in der Welt (Fotos anbei).

Das absolute Herz dieses industriellen Kerngebiets ist Rotterdams Öl- und Petrochemische Industrie. Der Hafen allein hat mehr Raffinerien als ganz Großbritannien und während man an diesen vorbei in die Stadt schippert, kann man links und rechts diese ölverarbeitenden Kathedralen betrachten. Zusätzlich zu den Raffinerien, gibt es fast 40 chemische Anlagen (die über 20% Europas gesamter chemischen Produktion decken) und seit der Entwicklung von alternativen Treibstoffen, gibt es jetzt auch zahlreiche neue Biomasse und Biotreibstoff produzierende Einheiten, die das Öl „ der alten Schule“ komplementieren.

Von seinen Anfängen als “Kammer“ der holländischen Ostindien-Kompanie an, ging es in Rotterdam immer um internationalen Handel, darum erzählt die heimische Produktion nur einen kleinen Teil der Stadtgeschichte. Tatsächlich sind es die Im- und Exporte, die zu Rotterdams lange bestehendem Status als größter europäischer Hafen und 3. größter Hafen der Welt (Shanghai ist Nummer 1 und Singapore 2) beitragen. Im Jahr 2018 wurde eine Gesamtmenge von 470 Mill. Tonnen Waren via 30.000 Schiffsbewegungen (das sind mehr als 8 Schiffe pro Tag) von und nach Rotterdam bewegt. 15% des Gesamtvolumens waren Schüttgüter (circa 70 Mill. Tonnen Kohle, Erz, Getreide und Biomasse) und 35% waren Containerverkehr (um die 40.000 Container werden jeden Tag geladen und gelöscht).

Das Restvolumen war flüssige Cargo (Öl- und Ölprodukte) und für diese Produkte gibt es im Hafen von Rotterdam mehr als 2.000 Lagertanks, die eine sagenhafte Lagermenge von 23 Milliarden Litern haben. Das Öl wird nicht nur für den weltweiten Export gelagert, sondern auch ankommende Volumen warten auf ihren Weitertransport und obwohl große Mengen via Bahn oder LKW weitertransportiert werden, ist die gebräuchlichsten Methode des Weitertransports, der auf den inländischen Wasserwegen. Es gibt jeden Monat in Rotterdam über 7.000 Öltransporte via Binnenschiff, von denen ungefähr 20% den Hafen selbst bedienen, während die Restmenge auf dem Rhein in das Herz von Europa weitergeleitet wird.

Der Umfang dieser Operationen ist nicht nur irrsinnig, sondern auch eine Hommage an die Menschheit und ihre Erfindungen und Innovationen. Team Portland (die Junioren Abteilung) war verständlicher Weise mehr daran interessiert, sich den holländischen Fahrrädern, Kanälen und Pfannkuchen zu zuwenden, aber die Industrie und die Energie des Rotterdamer Hafens sind sicherlich eines der modernen Wunder der Welt. Und wie die meisten Rotterdamer gerne betonen, war es ihre Stadt und nicht etwa Amsterdam, die Holland zu dem internationalen wirtschaftlichen Leistungszentrum gemacht hat, das es heute ist. Und der bleibende Erfolg des Hafens ist grundlegend für den hohen niederländischen Lebensstandard und seinen einzigartigen Wohlstand.

Es ist also nicht überraschend, dass der Rotterdamer Hafen direkt fast 400.000 Jobs bietet, von denen viele gut bezahlte Positionen für Fachkräfte sind. Dies ist ein Beschäftigungserfolg, mit dem wenige entwickelte Städte mithalten können und es trägt dazu bei, dieser Art einer ausgeglichenen Wirtschaft zu schaffen, die die Niederlande von dem Rest Europas unterscheidet. Es wirft aber auch die Frage auf, ob die nahende grüne Revolution genauso viele Arbeitsplätze für Rotterdam bieten kann, wie es der momentane Zustand tut? Man braucht nur eine post-industrielle europäische oder nordamerikanische Stadt zu besuchen um zu sehen, welche sozialen Auswirkungen es auf die Kommunen hat, wenn die typischen „Arbeiterjobs“ im Übergang von alten zu neuen Industrien verschwinden und es wenig alternative Arbeitsangebote gibt. Es ist nicht einfach nur ein Fall, die CO2 Emissionen zu reduzieren, es ist vielmehr ein vorsichtiger Balanceakt sich von fossilen Brennstoffen wegzubewegen, aber gleichzeitig auch Jobs, Kommunen und wirtschaftliche Stabilität zu berücksichtigen.