Ölmarktbericht April, 2016

Diesen Monat hatte Portland die Gelegenheit während der alljährlichen kanadischen Ölhändler Konferenz in Montreal über (Sie haben es bestimmt bereits erraten) Ölpreise zu sprechen. Es war keine Überraschung, dass die Globalität des Öls bedeutet, dass Kanadas Downstreamindustrie („Downstream“ ist alles, was mit raffiniertem Öl zu tun hat, während „Upstream“ alles was mit Rohöl zu tun hat ist) von den gleichen Trends, Überlieferung, eine Abkühlung des weltweiten Bedarfs und Spannungen im mittleren Osten, wie der Rest der Welt in Mitleidenschaft gezogen wird. Tatsächlich war es schwierig nicht beeindruckt durch die Tatsache wie viel Gemeinsamkeiten es zwischen dem kanadischen und dem englischen Ölmarkt gibt, zu sein.

Hinsichtlich der Preise ist die kanadische Downstreamindustrie, wie Großbritannien, ein Importmarkt. Dies liegt daran, dass obwohl Kanada sein eigenes Rohöl hat und es an einen großen lokalen Markt liefert, der Ölpreis trotzdem auf einem externen Preisindex basiert, in diesem Fall dem New York Harbour (NYH). Dies bedeutet, dass der Ausgangspreis für das gesamte kanadische Öl, der in der NYH veröffentliche Preis für Benzin, Diesel usw. ist, ganz genauso wie in der UK wo die Preisbasis der Markt in Rotterdam ist. Die Kanada-UK Parallele setzt sich mit der Methodik, wie die „gelandeten“ Kosten berechnet werden, fort. Genauso wie die Ölkosten in England auf dem Rotterdam Preis zzgl. der (oft fiktiven) Versandkosten basieren, kalkuliert sich der Toronto Rack Preis auf dem NYH Preis zzgl. der Versandkosten per Bahn oder durch die Rohrleitungen nach Kanada. Ebenso basieren die Ölpreise in den kanadischen Ostprovinzen (Martimprovinzen) auf dem NYH zzgl. Verschiffungskosten, was ausgesprochen ähnlich zu Schottland ist, wo Preise in Grangemouth, Aberdeen und Inverness auf dem Rotterdam Preis zzgl. der Verschiffungskosten mit kleineren Küstenbooten, die diese Häfen beliefern, basieren. Ohne Frage ignoriert solch eine Preismethodik vollständig die in die augenspringende Tatsache, dass sowohl kanadischen Ostprovinzen als auch Schottland ihre eigenen Raffinerien haben. Aber das ist egal, denn in der Downstreamindustrie regieren alternative Gesetzte gut und die Raffinerien werden niemals unterhalb des regionalen Indexpreises (d.h. NYH und Rotterdam) zzgl. Frachtkosten verkaufen.

Die Struktur und die aktuellen Aussichten, für sowohl die kanadische als auch die englische Ölindustrie, sind ein weiterer Bereich in dem berechtigte Vergleiche gemacht werden können. Die Leiden des Explorationssektors in beiden Ländern sind bekannt und Arbeitsplatzverluste und Projektstornierungen liegen weiterhin an der Tagesordnung. Aber billiges einheimisches Rohöl kurbelt die häuslichen Raffinerien in beiden Länder an; Raffinieren genießt eine seltene und bedeutende Wiedergeburt. Dies ist ein total anderes Bild als das vor so zirka 10 Jahren, als sich die kanadischen Anlagen unaufhaltsam im Niedergang durch teures Rohöl, unhaltbare Spannen und amerikanischen Wettbewerb, befanden. Diese Situation war ein virtuelles Abbild der UK (und Europas), wo primitive Raffinerien aus den 50ziger Jahren ständig Marktanteile an komplexere Raffinerien im Mittleren und Fernen Osten verloren.

Spulen wir jetzt zum heutigen Tag vorwärts und das, was von der raffinierenden Industrie in Kanada und in der UK übrig geblieben ist, scheint relative kerngesund zu sein. Zwischen 2000 und 2015 wurde die Industrie durch eine Reihe von Schließungen von überschüssigen Kapazitäten bereinigt (Oakville, Montreal, Dathmouth in Kanada und Thames, Tees, Milford Haven in Großbritannien) und die, die noch übrig sind genießen jetzt die stark reduzierten Rohstoffpreise (das Ergebnis von Kellerrohölpreisen). Darüber hinaus genossen die verbleibenden Raffinerien auch Zeitverzögerungen zwischen  den fallenden Rohölpreisen und den fallenden Produktpreisen. In Kürze, während Rohöl und Preise für raffinierte Produkte einen großen Wertverlust erfuhren, fiel der Preis für Rohöl sehr viel mehr (als der für Produkte) und das erlaubte den Raffinerien ein bisschen länger an ihren Spannen festzuhalten. Das Ergebnis; in 2015 stiegen die Raffineriespannen in Kanada um 28% und in der UK um 24%.

Die guten Nachrichten filtern weiter nach unten in die Downstreamindustriekette durch, wo Marketingspannen (die aus kommerziellem und Großhandelsverkäufen bestehen) in beiden Länder ein Plus von 12% verzeichnen. Und es sind die unabhängigen Unternehmen, die in beiden Ländern am meisten von diesem Auftriebstrend profitieren und nicht die großen Ölfirmen. Im Gegenteil zum Raffinieren, wo eine Handvoll Großunternehmen verbissen während Dürrejahre durchhielten, wurde die Branche, in der man auf Tuchfühlung gehen muss (d.h. man hat mit Kunden zu tun) schon lange  von den „großen Ölgiganten“ fallengelassen. Tatsächlich verkündete Esso, nur einen Monat vor dieser Konferenz, das sie sich vollständig von dem Besitz von Tankstellen in Kanada zurückziehen will, d.h. sie hat keine Anlagen außerhalb der Raffinerietore mehr. Dies ist ein Trend, den der britische Markt nur zu gut kennt (ganz zu schweigen von Europa und Australien) und er lässt erkennen, wo die Großfirmen den Wert im Ölmarkt sehen. Miteinander auf einer „super power“ Basis Geschäfte zu machen ist in Ordnung, aber sich mit dem „normalen“ Kunden zu beschäftigen ist nicht mehr ihr Ding.

Die Trends der Ölindustrie unterscheiden sich weder in Kanada, noch in der UK oder irgendeinem anderen Land mit einer gewachsenen Petroleum Infrastruktur. Die aktuell niedrigen Ölpreise haben eine komplette Neueinschätzung des einseitigen Ausbeutungsmodells geschaffen, dass in den vergangen Jahren von so vielen großen Ölfirmen geliebt wurde. Im Gegenzug leben die gealterten Raffinerien jetzt wieder auf, obwohl die Angst bestehen bleibt, dass der Sonnenschein von so kurzer Dauer sein wird wie der Sommer in England oder Neufundland.  Und zu guter Letzt kämpfen die Unabhängigen, ohne Anlagen in weder der Upstream- oder Downstreamindustrie, um die Marktvorherrschaft in einem Bereich, der bisher von sehr viel grösser Spielern dominiert wurde. Darum war es nach einem langen Tagungstag und einer noch längeren Nacht an der Bar – umgeben von kanadischen Stimmen mit einem nordamerikanischen oder auch schottischen Akzent in den ein bisschen französisch hier und da eingeworfen wird, leicht zu vergessen wo man in der Welt ist. Aber tatsächlich ist es egal, denn wenn es um Öl geht, sind die Sprache und die Themen überall gleich.