Ölmarktbericht April, 2020

Es kann manchmal eine Herausforderung sein den Ölmarktbericht zusammenzustellen, besonders in jenen Monaten, in denen nicht wirklich etwas Interessantes auf dem Ölmarkt passiert. Der April 2020 war keiner dieser Monate! Tatsächlich hätte der Ölmarktbericht basierend auf jeden einzelnen Tag im April geschrieben werden können – gab es doch solch einen Tumult und eine Instabilität im Laufe der letzten 30 Tage.  Am Anfang des Monats schmorten die Preise bereits unter $30 pro Barrel, während die zerstörende Kombination eines OPEC Preiskrieges und des Corona Viruses den Markt fest im Griff hatten. Während Präsident Trump am 1. April erklärte, dass niedrige Ölpreise eine willkommene Steuererleichterung für die US-Konsumenten wären, unternahm  er einen Tag später eine scharfe Wendung, als die Senatoren aus Texas, Pennsylvania und Ohio ( alle Kernstaaten in Trumps Wiederwahlkampagne) ihn daran erinnerten, dass nahezu 1 Mill. Ölarbeiter ihre Arbeit verlieren würden. Trumps Reaktion war eine seiner einseitigen „Wahrheiten“, die aus der Hüfte geschossen werden und für eine maximale Wirkung sorgen.

“Es wird ein Ölhandelsabkommen zwischen den Saudis und Russland geben. Produktionseinschnitte von 15 Mill. Barrels pro Tag“ erklärte Trump am 2. April auf Twitter. Die Tatsache das kein solcher Deal zwischen Saudi-Arabien und Russland vereinbart war und die Länder (zu diesem Zeitpunkt) noch nicht einmal in Gesprächen waren, war zunächst unwichtig – so fiebrig ist die momentane Lage auf dem Ölmarkt. Im Laufe einer Stunde stiegen die Ölpreise um noch nie dagewesene $8 pro Barrel (das sind ungefähr 5 Pence pro Liter), aber fielen dann im Laufe der nächsten Stunde wieder um ca. $5 pro Barrel, da der Markt in der Zwischenzeit die Realität eines sogenannten „Deals“ verdaut hatte; es gab nämlich keinen…

Um fair zu sein, muss aber gesagt werden, dass der Präsident wahrscheinlich mehr von Öl versteht als von medizinisch geeigneten Reinigungsmitteln. Also verließ er sich ohne Zweifel darauf, dass der stete Tropfen den Stein in der Welt der Ölpreise tatsächlich höhlt und die OPEC Mitglieder und die Russen wieder zurück an den Verhandlungstisch zwingen würden. Im Februar führte ein Produktionseinschnitt von nur 2 Mill. Barrel am Tag zu einer solchen Unstimmigkeit innerhalb der OPEC, dass es zu einem totalen Zusammenbruch des Kartells führte. Aber jetzt, nur 2 Monate später, waren die Ölpreise so Schwindel erregend gefallen, dass die grundlegende Existenz der globalen Ölindustrie bedroht war. Als Ergebnis kamen die OPEC+ Ölminister via Zoom zusammen (wie auch sonst!?) und ein Produktionseinschnitt von 10 Mill. Barrel wurde vereinbart. Außerdem sollte es eine Verpflichtung der G20 Länder geben (geführt von der Internationalen Energie Agentur), dass sie versuchen würden, ihre Produktion, um weitere 4 Mill. bpd einzuschränken.

Dies ist eine Zeit noch nie dagewesener Ereignisse, und darum ist es vielleicht nicht zu überraschend, dass die OPEC sich auf einen so beträchtlichen und so langen Produktionseinschnitt geeinigt hat (grundsätzlich bis 2022, obwohl die Einschnittsmenge gleichmäßig über die 2 Jahre abnehmen wird). Trotz alledem kann man sich einer gewissen Schadenfreude nicht verwehren, dass die OPEC und Russland es nach ihrem spektakulären Krach über 2 Mill bpd Einschnitte im Februar, jetzt über eine Videokonferenz geschafft haben, sich auf fünfmal so große Einschnitte zu einigen! Aber das war noch nicht alles. Es ist auch noch nie dagewesen, dass die G20 Länder tatsächlich dem weltgrößten Ölkartell beitreten und darunter die USA, die nur im letzten Jahr Druck ausübte, das NOPEC Kongressgesetz wieder einzuführen und die jetzt dafür kämpft, dass die Benzinpreise an den Pumpen wieder steigen! Es sind wirklich merkwürdige Zeiten…

Trotzdem sanken die Ölpreise in der zweiten Aprilhälfte weiter, und es gipfelt darin, dass der Terminpreis für WTI am 20. April ein absurdes Niveau von $37 pro Barrel erreichte (genaueres in unserem BBC Radio Interview vom 21. April. Der erste und eindeutige Grund für diesen Preisfall war die Tatsache, dass die Produktionseinschnitte nicht bis zum 1. Mai in Kraft treten würden, was bedeutete, dass der Aprilüberschuss noch für den gesamten Monat anhielte. Tatsächlich gab es gute Beweise, die vermuten ließen, dass die Lage durch Ölhersteller, die verzweifelt versuchten ihre Produktion bevor die Quoten in Kraft traten zu maximieren, verschlimmert wurde.

Zweitens war die Idee, dass unabhängige wirtschaftliche Unternehmen innerhalb der G20 Nationen über Nacht einbezogen werden, während die OPEC Mitglieder die Werkzeuge haben, um die Produktion einzuschränken (weil ihre Ölfirmen im staatlichen Besitz sind), milde ausgedrückt, fantasievoll. Unternehmer und Aktionäre haben vielleicht etwas dazu zu sagen! Jedoch ist ohne Frage der wichtigste Grund für den anhaltenden Preisfall, dass der Bedarf total und komplett verschwunden war. Es wird geschätzt, dass der Ölbedarf im April um stattliche 30 Mill bpd (minus 30%) sank und es sieht im Mai ähnlich aus. In diesem Licht betrachtet, wird keine Produktionseinschränkung die fallenden Ölpreise aufhalten können und nur eine Bedarfserholung wird diesen Preisschwund stoppen. Wann das sein wird, hängt davon ab, wann die Effekte der Covid-19 Krise verschwinden und zu welchem Zeitpunkt die globale Wirtschaft sich wieder normalisieren wird.