Ölmarktbericht März, 2018

Es ist nur fair zu sagen, dass die meisten Winter in Großbritannien weder lang noch kalt genug sind um Glückseligkeit bei der Heizölbruderschaft auszulösen. Aber dann und wann gibt es sie, diese Winter, die früh beginnen, wirklich kalt sind und nicht zu enden scheinen … und 2017/18 war genauso ein Winter.

Der letzte richtige kalte Winter in Großbritannien war, bis zu diesem, in 2011/12. Seit dem haben die Heizölhändler über die darauffolgenden Winter in ihr Öl geweint. Betrachten wir Sheffield (das so ziemlich in der Mitte von Großbritannien liegt), wo die Durchschnittstemperaturen zwischen November 2011 und März 2012 bei 3.98 Grad Celsius lagen. In den folgenden 4 Jahren lagen die Durchschnittstemperaturen im gleichen Zeitraum fast 3 Grad Celsius höher, wobei es in 2016/16  keinen einzigen Monat gab, in dem die Temperaturen unter O Grad fielen – eine Arte „Heizöltiefpunkt“. Darum hatte die Saison 2017/18 mit Durchschnittstemperaturen von November bis März von 4,2 Grad Celsius, die Heizölgang vor Freude juchzen lassen. Vergessen Sie das schneebedingte Verkehrschaos und die irritierten Kunden, denken Sie einfach nur an die Volumen!

Und dieser Winter war nicht nur ein Segen für das Vereinigte Königreich. Es war in der gesamten nördlichen Hemisphäre ein kalter Winter und natürlich stellen Europas und Nordamerikas Heizölmärkte den winzigen Markt Großbritanniens im Vergleich in den Schatten. In Europa verlassen sich über 20 Mil. Häuser auf Heizöl, die über 30 Milliarden Liter pro Jahr verbrauchen, die wiederum von über 12.000 Händlern geliefert werden. In Ländern wie Belgien (33%), Deutschland (28%) und Österreich (25%) benutzt eine deutliche Anzahl von Haushalten Heizöl als ihr Hauptheizmaterial. Auf der anderen Seite des Meeres sind die Zahlen kleiner, aber immer noch vergleichsweise groß. In Teilen der Vereinigten Staaten, wie zum Beispiel Neu-England, verlassen sich 20% der Haushalte auf Heizöl und der gesamte US Verbrauch liegt bei ca. 12 Milliarden Litern. Im Vergleich dazu liegt der britische Verbrauch bei 3 Milliarden Litern pro Jahr.

Genaue Verbrauchszahlen für den Winter 2017/18 sind noch nicht veröffentlicht worden, aber die meisten Schätzungen liegen bei einem weltweiten Heizölvolumenaufschwung von ca. 5%. Dieser Anstieg hat nicht nur eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Ölpreise im Aufwind zu halten, sondern hatte auch direkte Auswirkungen auf die Kunden, egal ob sie Heizöl benutzen oder nicht.  Aus der Sicht der Raffinerien ist Heizöl oder Gasöl (in Großbritannien und Japan Kerosin), tatsächlich die gleiche Ölsorte wie Autodiesel, nur billiger herzustellen. Daher drückt ein Anstieg des Heizölbedarfs direkt die Dieselproduktion und/oder treibt die Dieselpreise in die Höhe, was sich natürlich direkt auf jene auswirkt, die Dieselautos fahren, aber auch auf alle, die sich auf Lebensmittel und Verbrauchsgüter verlassen, die von dieselbetriebenen LKWs geliefert werden.

Die Tatsache, dass das diesjährige kalte Wetter so gnädig zu den Heizölhändlern in aller Welt war, wird ohne Zweifel die Stimmung heben, wenn sie zu ihren alljährlichen Partys am Ende der Heizölsaison ziehen (April Bericht 2017 für mehr Details). Aber die Bedächtigeren unter ihnen werden sich der Sturmwolken, die sich sowohl über der lokalen als auch der globalen Industrie zusammenziehen, bewusst sein.  In Amerika werden, obwohl es immer noch 5.7 Millionen Haushalte sind, schon jetzt 3 Millionen weniger Haushalte als vor 10 Jahren mit Heizöl beheizt. In Europa wurden in den nordischen Ländern Heizölverbote eingeführt und die EU Eco Design und Energie Gesetzte verbieten seit 2015 den Verkauf von „Nichtbrennwertboilern“. Dies ist natürlich eine sinnvolle Umweltschutzmaßnahme, aber verringert trotzdem dramatisch den Ölverbrauch per Haushalt, da neue effizientere Boiler sehr viel weniger Brennstoff für die gleiche produzierte Wärmemenge verbrauchen. Auch Großbritannien ist gegen diese Veränderungen nicht immun. Neben dem weitergehenden Eindringen des Ferngases auf den Heizölmarkt, bedeuten die neuen Regulierungen der Regierung für „nachhaltige Häuser“, dass nur wenige (wenn überhaupt) neue Häuser mit heizölbetriebenen Boilern ausgestattet werden. Außerdem ist die momentane langfristige Planung der Regierung hinsichtlich Heizöl, wie sie in der „sauberen Wachstumsstrategie“ beschrieben wird, eine trübe Lektüre für jene, die in der Heizölbranche tätig sind. Im besten Fall betrachten die Regulierungen, die zurzeit diskutiert werden, Heizöl als Notfallsicherung für installierte erneuerbare Energieerzeugung.

Also ist die Heizölwelt in allen Bereichen unter Druck. Und anders als bei anderen Ölsorten (z.B. Benzin), die einen Verbrauchsrückgang im Westen erlebten, nur um dann durch einen Verbrauchszuwachs im Osten gerettet zu werden, wird dies zweifelsohne beim Heizöl  nicht der Fall sein. Japan, das ist wahr, verbraucht noch immer gesunde 14 Milliarden Liter pro Jahr, aber die Modernisierung von Haushalten und die Boilereffizienz, wie überall, hat dazu geführt, dass diese Zahl 50% kleiner ist, als vor 10 Jahren. Und während China in der letzten Zeit der Retter von vielen Rohstoffen war, hat die Regierung angedeutet, dass sie vorzugsweise die Haushalte, die zum großen Teil mit Kohle beheizt werden, direkt auf Gas oder elektrische Heizungen umstellen wird und darum Öl direkt im Ganzen überspringen wird.

Also weitere Katastrophenmeldungen für die Ölhändler? Wahrscheinlich nicht. Diese Branche hat sich im Laufe der Jahre von der Lieferung von Kohlesäcken zu Öllieferungen via Tanklastwagen weiterentwickelt. Sie hat sich in der Vergangenheit an veränderte Marktbedingungen angepasst und wird dies, ohne Zweifel, auch in der Zukunft tun. Und wenn circa 70 Milliarden Liter weltweit verbrauchtes Heizöl ein Rückgang sind (das entspricht ungefähr 3 Millionen Tanklastwagen), ist es immer noch eine ausreichende Menge um die Richtung des Ölmarkts in den kommenden Jahren mit zu beeinflussen. Plus, natürlich, da gibt es noch diesen Winter… „Herr Ober, Champagner, bitte…“