Ölmarktbericht Februar, 2018

In der Vergangenheit haben wir energiebezogene olympische Berichte über London 2012, Sochi/Russland 2014 und Rio/Brasil (August 2016) veröffentlicht  und so scheint es nur logisch, dass wir unsere Aufmerksamkeit nach Süd-Korea richten, dem Gastgeber der diesjährigen Winter- Olympiade. Doch bevor wir beginnen, möchten wir darauf als Herausgeber darauf hinweisen, dass dieser Bericht sich nur auf Süd-Korea konzentrieren wird und nicht auf das Teletubbyland des Nordens oder die gesamte koreanische Halbinsel.

Die meisten Menschen wissen wahrscheinlich, dass Süd-Korea – wie ihre nahen Nachbarn Japan – ein Nachkriegswirtschaftswunder ist.  Als BIP Weltranglisten-Neunter ($2,7Bill), ist dieses Land auch der Weltführer in der Technologiebranche, in der Schwerindustrie und bei der Herstellung von sich immer wiederholenden „Teeny Pop“ Ohrwürmern. Es ist also nicht überraschend, für eine solche bedeutende Wirtschaftsmacht, auch ein energieintensiver Staat zu, indem sich der jährliche Verbrauch von Öl, Jahr ein Jahr aus seit 1990, von 1.25 Mill. Barrels pro Tag (bpd) auf heute fast 3 Mill bpd erhöht hat.

Was Süd-Korea von anderen energiehungrigen Staaten unterscheidet ist, dass dieses Land fast keine heimische Produktion hat und darum einer der größten Energieimporteure der Welt ist. Es hat kein Öl, kein Gas und nur kleine Kohlenvorräte von schlechter Qualität.  Außerdem ist es nicht mit klimatischen Bedingungen gesegnet, die sich anbieten um hydroelektrische Energie zu erzeugen. Mehr als 98% des Energieverbrauchs wird durch importierte Produkte gedeckt und das Land hat das höchste Rohölimportniveau pro Kopf in der Welt (8,5 Liter pro Kopf und Tag). Weiterhin ist es der zweitgrößte Erdgasimporteur der Welt (nach Japan) ohne direkten Zugang zu internationalen Pipelines, d.h. alles Gas muss über den Seeweg transportiert werden. Dies führt dazu, dass Süd-Koreas Schifffahrtswege zu den belebtesten der Welt gehören und das hält die Schiffsbauindustrie der Nation ausgelastet.

Was Süd-Korea an heimischen Energiequellen fehlt, macht es mehr als wett durch seine Raffineriemacht. 3 von 10 der weltgrößten Raffinerien sind in Süd-Korea und, obwohl es insgesamt nur 5 Raffinerien hat, sind diese weltführend. Die Größte von allen ist die ULSAN Raffinerie im Südosten des Landes, die 840.000 Barrels pro Ta produziert und darum die zweitgrößte Raffinerie der Welt ist (nach der Jamnagar Raffinerie in Indien= 900.000 bpd). Insgesamt beläuft sich Süd-Koreas Raffinerieproduktion auf 2.8 Mill. bpd und die durchschnittlich verarbeitete Produktionsmenge pro Raffinerie ist 590.000 bdp. Um eine Vergleichsmenge dagegen zu stellen; Großbritanniens gesamte Raffinerieproduktion beläuft sich auf nicht viel mehr als 1 Mill. pro Tag und seine größte Raffinerie (Exxon Fawley) hat eine tägliche Produktion von (nur) 260.000 Barrels.

All diese intensive fossile Ölverarbeitung und sein Verbrauch bedeuten, dass Süd-Korea einer der größten Elektrizitätsverbraucher der Erde ist und damit entsteht ein vorhersehbarer CO2-Fußabdruck. Trotz einer Bevölkerungsgröße, die nur ein ¾ der Größe von Großbritannien ist (51 Mill. vs. 65 Mill.), ist der Elektrizitätsverbrauch 60% größer. Außerdem, vergleichbar zu Deutschlands Erfahrungen, führte der Nuklearunfall in 2011 in Fukushima in Japan dazu, dass die koreanische Regierung ihre Abhängigkeit von nuklearer Energie reduzierte. Als Folge hat sich die Co2 Emission während der letzten 5 Jahre tatsächlich erhöht, obwohl die meisten OECD Nationen (inclusive Süd-Korea) zahlreiche Klimawandelabkommen unterzeichnet haben. Die gesamte südkoreanische CO2 Emission ist 50% höher als die Großbritanniens (585 Mill. Tonnen p.a. vs. 390 Mill.), per Kopf kalkuliert bedeutet das, dass Süd-Korea schlecht im Vergleich zu den meisten Industrieländern dasteht. In Süd-Korea werden 11,58 Tonnen CO2 pro Kopf p.a. ausgestoßen, verglichen mit 8,93 Tonnen in Deutschland (ähnliche industrielle Struktur)  und 5.99 Tonnen in Großbritannien. Tatsächlich sind Süd-Koreas Zahlen nicht weit entfernt von denen der USA – dem weltweiten CO2 Gewinner mit 15,53 Tonnen pro Kopf/p.a.

Mit einer der am weiterentwickelsten industriellen Wirtschaften der Welt, allgemeinem Autobesitz, eisigen Wintertemperaturen (Pyeongchang Olympiade war die bisher kälteste) und heißen Sommern, in denen die Klimaanlagen Überstunden machen, ist es ohne Frage eine große Herausforderung für Süd-Korea seinen CO2 Abdruck zu reduzieren. Das Ziel in 2012 war eine 30ig prozentige Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 und einige Anstrengungen in diese Richtung wurden gemacht. Asiens erstes Emissionshandelsprojekt ist in Süd-Korea basiert und es gibt Investitionen in Energiesparprogramme sowohl wie Steuerprogramme für grüne Energie. Aber der Fortschritt ist langsam und die gigantischen staatlichen Energiemonopole (Korea Gas Corporation, Korean National Oil Company, Korea Electric Power Corporation) haben dieser Situation nicht geholfen. Fast unausweichlich wird das 2012 gesetzte Ziel nicht erreicht werden. All dies erklärt wahrscheinlich warum die arme Elise Christie beim Eisschnelllauf auf der Kurzbahn (wieder) gestürzt ist und warum die GB-Curling -Mannschaft fieberhaft und ohne jeden sichtbaren Erfolg das Eis gefegt haben. Sie waren ohne Zweifel von der mysteriösen Frage abgelenkt, wie eine moderne Wirtschaft ihren Wohlstand und ihr Wachstum erhalten kann, während sie gleichzeitig ihre CO2 Emissionen reduziert.