Ölmarktbericht Januar, 2016

Es sagt einiges über den aktuellen Ölmarkt aus, dass der Flächenbrand zwischen Saudi Arabien und Iran am Anfang des Jahrs nicht mehr als einen kleinen Aufwärtssprung der Preise ausgelöst hat. Genauso wie die verhaltenden Reaktion des Marktes auf den augenscheinlichen Wasserstoffbombentest, der von dem Nord-koreanischen Komiker Führer-cum-Teletubby, Kim Jong-Un durchgeführt wurde. Noch in 2013 hätten solche Vorkommnisse die Preise himmelhoch gejagt, aber der aktuelle Ölmarkt ist so überliefert, dass die Preise nur kurzfristig ansteigen bevor sie ihre endlose Talfahrt fortführen. Die einzig klare Schlussfolgerung kann nur sein – egal wie schlimm die Situation in der Welt ist – geo-politische Bedenken spielen die zweite Geige, wenn es um die Dynamik von Angebot und Nachfrage geht.

Das aktuelle Überangebot ist deutlich dokumentiert, gefracktes Öl flutet die US-Märkte, die OPEC weigert sich ihre Produktion einzudämmen in einem Versuch ihren Marktanteil zu halten und jetzt wartet Irans (4. Größter Ölproduzent in der Welt) reichliche Ölausbeute den Markt noch weiter zu überfluten. Aber gleichzeitig haben wir eine simultane Situation einer verlangsamten Nachfrage. In der Vergangenheit hat Portland diesen globalen Rückgang des Ölbedarfes eher zuversichtlich betrachtet und sie lieber als Verlangsamung in der Nachfrage statt als Bedarfsreduzierung  bezeichnet. Doch jetzt, mit Chinas Wirtschaft auf dem Weg zu einem (kleinen?) Zusammenbruch, stellt sich die Frage, ob wir weiterhin so zuversichtlich sein können, dass der Bedarf bestehen bleiben wird? Die Märkte scheinen ein Nein zu suggerieren, da jeder neue Monat weitere unverblümte Verstöße gegen vorher „vereinbarte“ Mindestölpreise verkündet.

$50…$40…. $30… jeder Tiefstpreis wurde einfach weggefegt und wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir Goldman Sachs’ $20 pro Barrel Vorhersage doch akzeptieren müssen. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass sogar noch hanebüchenere Vorhersagen ($10 von Standard Chartered) jeden Tag wahrscheinlicher werden. Vielleicht sind wir auf dem Weg zurück in die 90ziger Jahre, wenn Rohölpreise Großteils unter $20 lagen und sogar  auf $7 in 1997 fielen.

Nun, das wohl eher dann doch nicht, denn 2016 ist bestimmt nicht 1997. Zunächst einmal hat die Welt heute 1.5 Milliarden mehr Menschen, die ernährt, gewärmt und transportiert werden müssen. Und auch wenn der Bedarf ungleichmäßiger ist, so wächst er doch noch – und ganz bestimmt wächst er in China. Ok, der chinesische Aktienmarkt scheint unter dem Gewicht seiner eigenen unhaltbaren Anforderungen zusammenzubrechen (und kann vielleicht der Vorbote von künftigen wirtschaftlichen Problemen sein), aber es scheint unwahrscheinlich, dass das den momentanen Ölverbrauch beeinflussen wird. Ein Beweis dafür ist, dass der Januar 2016 eine Rekordmenge Öl in Chinas Häfen importiert werden sah. Ein BIP-Wachstum von 6% in China bedeutet, dass es über die nächsten 12 Monate „nur“ eine Wirtschaft in der Größenordnung von Polen erschaffen wird! Dann muss man natürlich auch die Maßnahmen von Chinas Öllagerungsagentur berücksichtigen. Die Regierung nutzt eifrig die Gelegenheit und kauft so viel günstiges Öl wie möglich und hat schon seine Absicht zugegeben, die nationalen Reserven auf 90 Tage zu erhöhen (genauso wie die Länder der EU und der IEA- Internationale Energie Agentur). Obwohl es schwierig ist, akkurate Informationen zu erhalten, liegen die meisten Schätzungen der chinesischen Ölreserven zwischen 20 und 30 Tagen, was bedeutet, dass noch 65 „Tage“ Öl gekauft werden müssen. Basierend auf einem täglichen Verbrauch von ca. 1.5 Milliarden Litern, bedeutet das, dass ein schrittweiser Bedarf von 100 Milliarden Litern unterwegs nach China ist.

Darüberhinaus gibt es das glaubwürdige Argument gegen einen Ölpreis von $20 (oder wenn dieser Preis erreicht wird, dass er nicht lange dort stehen bleibt) und dieses liegt in der Natur der Rohölpreisgestaltung. Wenn wir von „Rohöl“ zu einem Preis von $20 per Barrel sprechen, beziehen wir uns wirklich auf die Benchmark-Öle von Brent und WTI (West Texas Intermediate). Aber diese Bezugsqualitäten machen nur einen kleinen Prozentsatz des weltweiten Öls aus, von dem ein Großteil mit einem Abschlag an diese zwei Qualitäten verkauft wird. Zum Beispiel also bedeutet $20 per Barrel tatsächlich einen Preis von ca. $15 (d.h. einen $5 Nachlass per Barrel) für gefracktes Öl – denn es bedarf eines schwierigen, Tankwagentransport um dieses landumschlossene Öl zu US Raffinerien zu transportieren. Und Himmel bewahre, wenn das Öl aus Alberta kommt, wo der Qualitätsnachlass gigantisch ist (eine niedrige Rohölqualität bedeutet, dass die Raffinerien härter arbeiten müssen um saubere, raffinierte Produkte herzustellen). Vergessen Sie Goldman Sachs und $ 20 – einige der schwereren, auf Bitumen basierenden kanadischen Rohöle werden schon zu reduzierten Preisen von bis zu $ 18 gehandelt, was bedeutet, dass der aktuelle Preis unter $10 per Barrel liegt … Aua!

Solche Tiefstpreise sind natürlich nicht haltbar und die Uhr muss für die Ölproduzenten bei diesen Niedrigwerten langsam ablaufen. Einfach gesagt, irgendetwas muss nachgeben. Ob es die OPEC sein wird, indem sie strenge Produktionsquoten festlegt oder vielleicht die unabhängigen Ölproduzenten, die nicht mehr länger durchhalten können, ist nicht klar. Oder vielleicht werden die Ölkäufer  auch zu dem Schluss kommen, dass die Nachfrage doch nicht so gering ist. Egal wie, diese super niedrigen Ölpreise werden nicht halten und ein Niveau von ca. $ 40-$50 am Ende des Jahres scheint wahrscheinlich.