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Ölmarktbericht 11/19

Ölmarktbericht 11/2019

Auf den ersten Blick scheinen Millwall FC und Saudi Aramco wenig gemeinsam zu haben. Aber in vieler Sicht, könnte der beliebte Fußballergesang von New Den „keiner mag uns, das ist uns egal“ einfach auf die staatlichen Ölfirmen Saudi-Arabiens angewendet wird…. oder tatsächlich, auf die gesamte Ölindustrie! Am Abend des Börsengangs von Saudi Aramco, haben viele Kommentatoren ihrer Verwunderung darüber kundgetan, dass es ein allgemein verbreitetes Investoreninteresse an einem Unternehmen geben sollte, dass nicht nur das am wenigsten beliebteste Produkt auf diesem Planeten produziert, sondern dessen Zukunft regelmäßig in Frage gestellt wird. Nimmt man dazu noch die Tatsache, dass Aramco unter einer Diktatur mit einem undurchsichtigen Gerichtswesen, die ständig von einer Revolution bedroht ist, operiert, dann kratzen sich viele im Unglauben ihren Kopf.

Eine solche Betrachtungsweise übersieht aber, das mächtige Ausmaß der Ölindustrie, die atemberaubende Rentabilität von Aramco und das Vertrauen der königlich-saudischen Familie, die Unverwüstlichkeit der Firma im Angesicht einer künftig sinkenden Nachfrage zu unterstützen. Zunächst und vor allen Dingen, ist die Ölindustrie noch immer bequem die größte Industrie in der Welt und selbst nach einer Halbierung wäre sie noch immer grösser als (zum Beispiel) die kollektiven globalen Metallmärkte (Eisen, Stahl, Gold, Aluminium, etc.). Betrachtet man nun Aramco selber, ist sie die rentabelste Firma der Welt mit einer 2 bis 3mal so großen Rentabilität, wie ExxonMobil, JP Morgan, Alphabet (Google) und Facebook zusammen. In den ersten 9 Monaten in 2019 (als die Ölpreise relativ niedrig waren), lieferte Saudi Aramco Profite in einer Höhe von $68 Milliarden. Sein nächster Rivale war Apple, der im gleichen Zeitraum „nur“ einen Profit von $35 Milliarden machte. Die Welt sehnt sich vielleicht nach der elektronischen Frucht, aber es scheint, als würde sie das schmutzige Öl mehr brauchen.

Investoren sind sich dieser Tatsachen wohl bewusst und das Interesse an den Aramco Aktienangeboten war entsprechend intensiv, mit unvorstellbaren 25 Anlagebanken, die an diesem Prozess beteiligt waren. Bei einer Firma wie Aramco, spricht das Geld und die Investoren sind wenig sentimental, wenn es sich um gute Ertragsmöglichkeiten handelt.

Aber Aramco ist mehr als eine kurzfristige Möglichkeit Geld zu machen und der Börsengang der Saudis ist sowohl klug als auch mutig. Ja, es ist wohl wahr, dass das Öl in seine letzte Runde im weltweiten Energierennen gegangen ist, aber in so vielen Bereichen ist, und wird es unentbehrlich bleiben. Autos, LKWs und vielleicht sogar Busse können auf alternative Energiequellen umsteigen, aber für Flugzeuge und Schiffe wird dies nicht so leicht sein. Für Plastik, Chemikalien, Düngemittel und pharmazeutische Artikel gibt es wenige Alternativen zu dem intensiven Ölgebrauch. Noch bedeutsamer ist die Tatsache, dass, mit dem Sinken des Ölbedarfes, auch die Investitionen in Ölexplorationen sinken werden, was zu Löchern in der Beziehung zwischen Versorgung und Nachfrage führen wird. Während sich die Nachfrage linear und vorhersehbar entwickelt, wird die Ölversorgung in „großen Stücken“ verschwinden, wenn die Ölfirmen nicht in neue Projekte investieren. Dies wird in großen und sich nachteilig auswirkenden Preisspitzen resultieren, was natürlich von massivem Nutzen für jene Hersteller sein wird, die weiter investieren und produzieren…

Gehen wir einen Schritt weiter mit Saudi Aramco! In einem „last-man standing“ Scenario, würden alle vernünftigen Wetten auf Aramco fallen. Mit durchschnittlichen Ölgewinnungskosten von $ 5-10 pro Barrel, ist es unwahrscheinlich, dass ihre Operationen jemals unrentabel werden, egal wie der Ölpreis ist. Und wenn es auf dem Weg Preisspitzen gibt, werden hohe Dividenden für die Aktienbesitzer abfallen. Außerdem sind niedrige Gewinnungskosten eine Wiederspiegelung der niedrigen Energiekosten, die benötigt werden um saudisches Öl aus der Erde zu gewinnen, was wiederum Aramcos Operationen besonders effizient und umweltfreundlich im Vergleich zum russischen Schweröl oder sogar dem amerikanischen Schieferöl machen. In einer umweltbewussten Zukunft könnte dieser „grüne“ Faktor besonders wichtig für „notwendige“ Rohöleinkäufe sein.

All das bedeutet, dass die Ölgiganten jetzt verzweifelt versuchen, sich neu als Energiefirmen zu erfinden (mit erneuerbaren Lösungen in der Mischung). Aramco hat keinen wirklich Grund irgendetwas anderes zu machen, als das Zeug aus der Erde zu holen und abzuwarten. Währenddessen werden die Mitbewerber wahrscheinlich, aufgrund von sinkendem Bedarf, hoher Produktionskosten und einer aggressiven Umweltpolitik, auf der Strecke bleiben. Die Tatsache, dass der Kronprinz Muhammad bin Salman auf eine $ 2Trn (Trillionen). Bewertung anstatt der aktuellen $1,5Trn wartet, ist einfach nur ein Investionsgeschwätz. Eine Bewertung von $1,5 Trn wird Saudi Aramco immer noch zur Firma mit der größten Markt-Kapitalisierung machen (Apples momentaner Wert ist $1,15trn) und obwohl nur 2-3% der Aktien verfügbar sind, wird dies immer noch $30 Milliarden für die saudische Schatzkammer erzeugen. Noch viel mehr Dollar werden folgen, wenn in 2020 weitere Aktien auf den Markt kommen.

Die Leser können sich ihr eigenes Urteil bilden, ob die saudische Königsfamilie ein vorausschauendes Urteilsvermögen zeigt, oder ob sie einfach nur die glücklichen Herrscher eines Landes ist, das mit reichen Ölreserven gesegnet ist, die in geologisch einfachen Steinformationen lagern. So oder so erlaubt uns Saudi Aramcos Aktienangebot ein Licht darauf zu werfen, wie der Ölsektor in 20 Jahren aussehen könnte, wenn der Ölbedarf gesunken ist und alternative Energiequellen die Vormachtstellung haben. Eine Schlussfolgerung könnte sein, dass die Industrie im Jahre 2040 aus vielen kleinen Mitspielern besteht, die Nischenprodukte liefern, die noch immer aus Rohöl gewonnen werden. Kronprinz bin Salman verlässt sich jedoch auf eine andere Sichtweise, wo ein gigantischer Mitspieler, das dominiert, was noch von der Ölindustrie übrig ist. Am 11. Dezember werden wir sehen, ob die Investoren glauben, dass der fragliche Mitspieler Saudi Aramco ist.