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Ölmarktbericht 9/19

Ölmarktbericht 09/2019

Letzten Monat beschäftigten wir uns mit den Veränderungen der Ölindustrie im Laufe des letzten Jahrzehnts anlässlich Portlands 10jährigem Jubiläums. Diesen Monat werden wir uns weiter mit diesem Thema beschäftigen und einen Blick auf die Energie jenseits des Öls werfen, wo die Entwicklungen genauso bedeutsam waren.

Neben Öl war Kohle die größte Energiequelle des 20 Jahrhunderts, ohne zu erwähnen, dass sie auch die schmutzigste war. Selbst noch in 2005, erreichte Kohle Rekordhöhen, da Länder wie China jeden Monat ein neues Kohlekraftwerk in Auftrag gaben. Seitdem aber, besonders in den letzten 10 Jahren, hat der König Kohle einen Richtungswechsel angesichts neuer wirtschaftlicher und umweltpolitischer Überlegungen erlebt. Dies trifft besonders für den Westen zu und kein anderes Land verdeutlicht diesen Rückgang besser als Großbritannien. Noch in 2014 verließ sich Großbritannien regelmäßig darauf bis zu 40% Kohle für seine Elektrizität zu importieren. Heute belaufen sich diese Zahlen nur selten auf über 5% und regelmäßig treten kohlefreie Tage, Wochen und sogar Monate in Erscheinung. Dieser Trend hat sich in ganz Europa wiederholt und, von noch größerer Bedeutung, in den USA, wo sich der jährliche Kohleverbrauch von 471 Mill Tonnen Öläquivalent (TOE) in 2009 auf 317 Mill. TOE in 2019 reduziert hat.

In China stellt sich das Bild komplizierter dar. Zunächst einmal sind die Zahlen sehr viel grösser, in 2009 wurden 1.685 Mill. TOE verbraucht (dreimal soviel wie in den USA), was 87% der gesamten chinesischen Elektrizitätserzeugung entsprach. 10 Jahre später ist diese Zahl tatsächlich noch höher (1.907 Mill. TOE), was Chinas enormes wirtschaftliches Wachstum in der letzten Dekade wiederspiegelt. Trotzdem nimmt der Kohleanteil an der chinesischen Energieerzeugung ab. Die Zahl liegt heutzutage bei ungefähr 65% (immer noch hoch), aber es wird erwartet, dass sie in den nächsten 5 Jahren auf unter 50% fallen wird, da die katastrophale örtliche Luftqualität, die chinesische Regierung zwingt, auf alternative Energiequellen umzusteigen.

Die zwei Gewinner des rückgängigen Kohleverbrauchs sind Gas und erneuerbare Energiequellen. Gas zum Beispiel kann einen weltweiten Zuwachs bei der Energiegewinnung auf heute 30%, von 20% vor 10 Jahren, verzeichnen. Hinsichtlich der Emissionen ist diese Verschiebung positiv, da Gas nur halb so viel CO2 wie eine vergleichbare Menge Kohle abgibt. Aber für die harten Umweltschützer ist Gas nicht die bevorzugte Energiequelle. Es ist schließlich immer noch ein fossiler Brennstoff und indem wir seinen Verbrauch fördern, unterstützen wir nur weiterhin die Kohlenwasserstoffförderung. Diese Sichtweise macht die große Problematik der Umweltpolitik deutlich, die ein ständiger Balanceakt zwischen Pragmatismus und Idealismus ist. Den Gasverbrauch zu erhöhen, hätte eine sofortige Reduzierung der CO2 Emissionen zur Folge, weil es schmutzigere Energieformen ersetzen würde. Gleichzeitig trägt es aber weiterhin zum CO2 in der Atmosphäre bei! Unternehmen, wie Portland, müssen aber in der Realität handeln anstatt in Ideologien, und darum sehen wir Gas immer noch, als den direktesten Weg in eine Zukunft mit niedrigem Kohlenstoff an, weil es einfach und schnell in die Energielieferkette eingeführt werden kann.

Dies haben die Anti-Gas-Umweltschützer gesagt, womit diese nicht ganz Unrecht hatten, denn einfach nur einen fossilen Brennstoff mit einem anderen zu ersetzen, stellt kaum eine echte Wende dar – ganz zu schweigen von einer Energierevolution. Aber diese Betrachtungsweise übersieht die Tatsache, dass wir neben dem Gaswachstum auch Zeugen eines erstaunlichen Wachstums im Bereich der erneuerbaren Energien werden. Zugegebenermaßen hat der Verbrauch von erneuerbarer Energie auf einem niedrigen Niveau begonnen, aber trotzdem ist das Wachstum in diesem Gebiet quasi exponentiell. In Großbritannien ist der Verbrauch von Windenergie von 2Mill TOE in Jahre 2009 auf 13 Mill TOE in 2019 angestiegen. Und Solarenergie ist von winzigen 4000 TOE auf zurzeit 3 Mill. TOE gewachsen – ein 646-facher Anstieg! In ganz Europa ist der Anteil von erneuerbarer Energie bei der Elektrizitätsgewinnung von weniger als 10% in 2009, auf heute über 20% angestiegen und auch in den USA und in China zeigen die Zahlen einen entsprechenden Trend (9% auf 17% in den USA und 8% auf 20% in China). Ja, es muss berücksichtigt werden, dass erneuerbare Energien häufig bedeutende Startsubventionen erhielten, aber dank dieser (oder trotz dieser), haben sich die erneuerbaren Energien von einer Nischentechnologie gegen den Klimawandel, zu einem der Kernelemente unseres Energiesystems entwickelt. Wenn man vor 10 Jahren gesagt hätte, dass bis 2020 fast 50% der englischen Stromerzeugung häufig erneuerbar wäre, wäre man ausgelacht worden. Aber heute ist es die Realität und das wunderbare an der erneuerbaren Energie ist, dass sobald die anfänglichen Kapitalkosten abgeschrieben sind, die Erzeugung (mehr oder weniger) umsonst ist. Dies, in Verbindung mit Regierungssubventionen und öffentlicher Beliebtheit (ganz zu schweigen von den niedrigen Zinsraten), stellt ein wirklich attraktives Investitionsmodel dar und garantiert praktisch ein weiteres Wachstum in diesem Sektor.

Zu guter Letzt haben wir einen Teil des weltweiten Energiepuzzles, dass sich im Laufe der letzten 10 Jahre kaum verändert hat, aber immer noch Aufmerksamkeit verlangt. Atomenergie hat in den OECD-Ländern in 2009 ca. 10% der Energie gedeckt und ist immer noch auf einem vergleichbaren Niveau. Während die Klimawandeldebatte zunehmend, fast fieberhaft, intensiver wird, mutet die Tatsche, das Atomenergie als zunehmend unwesentlich betrachtet wird, zumindest rätselhaft an.  Hier gibt es eine bekannte und effiziente Energiequelle, die anscheinend abgeschrieben ist, trotz der Tatsache, dass sie genau Null Prozent CO2 abgibt. Portland ist weder ein Spezialist noch ein Cheerleader für die Atomindustrie, aber kann es wirklich vernünftig sein, dieser endlosen Energiequelle den Rücken zu zukehren? Es wird gesagt, dass Atommüll tausende von Jahren braucht um zu zerfallen, aber wenn wir tatsächlich heute einen Klimanotstand haben, sollten wir nicht das „Jetzt“ über ein Problem, dass uns vielleicht, vielleicht aber auch nicht, in der zweiten Hälfte dieses Millenniums betreffen wird, priorisieren?