Ölmarktbericht 08/2019

Der September wird durch Portlands 10-jähriges Jubiläum gekennzeichnet. Vor 10 Jahren kroch Großbritannien gerade aus einer Rezession hervor, die durch die finanzielle Krise in 2008 verursacht worden war. Kein besonders guter Zeitpunkt für ein unbedeutendes Unternehmen auf die Füße zu kommen, indem es Kraftstoffkunden Kraftstoffpreisgarantien anbietet. Aber jetzt, 10 Jahre später, sind wir immer noch hier und um diesen Meilenstein zu markieren, dachten wir einen Blick auf die Schlüsselentwicklungen in der Ölindustrie in den letzten 10 Jahren zu werfen.

Aus allen Ereignissen, von denen Portland in der letzten Dekade Zeuge wurde, war jedoch keines auch nur im Entferntesten so bahnbrechend, wie das amerikanische Schiefer-Fracking. Wir haben uns im Laufe der Jahre mit diesem Thema in zahlreichen Ölmarktberichten beschäftigt, aber nichts Geschriebenes wird wirklich dem Ausmaß der Veränderung der Industrie durch diese Form der Förderung gerecht. Sehen wir uns nur diese einzelne hervorstechende Tatsache in den Bakken Ölfelder in Nord Dakota an. Im Jahr 2010 produzierte Bakken genau Null Ölbarrels, aber in 2014, durch Fracking, produzierte das gleiche Ölfeld 2 Millionen Barrels pro Tag (bpd). Das ist mehr als Shells gesamtes weltweites Portfolio in einem Zeitraum von nur 4 kurzen Jahren…. bemerkenswert!

Der amerikanische Schiefer-Boom destabilisierte die weltweiten Ölmärkte nachhaltig, was während des Preiseinbruchs in 2014-15 am deutlichsten wurde, als die Ölkosten von $ 115 pro Barrel auf einen Tiefpunkt von $25,– fielen. So dramatisch wie diese Preisanpassung auch war, die echte Auswirkung des amerikanischen Schiefers war sein langfristiger Effekt auf das „Ölgleichgewicht der Mächte“. In 2009 produzierte die USA weniger als 6 Mill bpd, aber heute in 2019 sind es bequem über 12 Mill bpd. Nicht nur ist die USA der größte Verbraucher in der Welt (20 Mill bpd), aber es ist jetzt auch der größte Produzent. Darüber hinaus wurden die ausländischen Ölmächte, die sich bis dato auf den amerikanischen Bedarf verlassen konnten, gezwungen neue Märkte für ihre Produktion zu finden.

Zum Glück jedoch, für Länder wie Saudi-Arabien und die anderen OPEC Mitglieder (die Hauptlieferanten des amerikanischen Marktes), hat der fortwährende Bedarf in Asien, ihre reduzierten Exporte in die USA bequem ausgeglichen. Im Jahre 2009 verbrauchte die Welt ungefähr 84 Mill. bpd. Jetzt verbraucht sie 100 Mill bpd, und fast 75% dieses Wachstums kommt aus Asien. Folglich konnte die OPEC ihre Produktion um 39 Mill bpd (im Vergleich zu 34 bpd vor 10 Jahren), trotz des Verlustes des US-Volumen, erhöhen.

Gleichzeitig macht einen das Unglück der afrikanischen Ölindustrie weiterhin sprachlos macht. Während der Ölbedarf des Kontinents weiterhin zwischen 2009 und 2019 deutlich von 3 Mill bpd auf 4 Mill bpd anstieg, fiel seine entsprechende heimische Produktion um 20% (10 Mill bpd auf 8 Mill bpd). Bedauerlicherweise wird dieser Sektor in diesem Teil der Welt weiterhin von Korruption, Sicherheitsproblemen und Schwarzmarkthandel geplagt. Doch das gesagt, fließt in Afrika das Öl wenigstens noch und nicht wie in Venezuela, wo die Produktion tatsächlich fast zu einem Stillstand gekommen ist. Vor 10 Jahren produzierte dieser latein-amerikanische Koloss 3.5 Mill bpd, aber seitdem hat sich die Ölinfrastruktur des Landes aufgelöst und die diesjährige Produktion wird wohl bei nicht mehr als 500.000 bpd liegen.

Der Verlust des südamerikanischen Volumens auf dem globalen Markt, wurde permanent als einer der Hauptgründe für die, trotz der US Überproduktion und einem drohenden US-chinesischen Handelskrieg weiterhin steigenden Ölpreise, übersehen. Doch dies wird für die geplagten Venezueler, die gesehen haben, wir ihr Land auseinanderbricht und die jetzt ungefähr 6 Stunden Elektrizität pro Tag „genießen“, sporadisch laufendes Wasser haben und Geschäfte, die nicht einmal das Lebensnotwendige vorrätig haben,  von wenig Interesse sein. In 2009 lieferten die 3,5 Mill bpd ein jährliches Staatseinkommen (der die gesamte Ölproduktion besitzt) von ungefähr $ 75 Milliarden. 10 Jahre später, (bei einem ungefähr gleichen Ölpreis) mit einer ausgehöhlten Produktion, ist das Einkommen unter $ 10 Milliarden pro Jahr gesunken und die Nation mit weltweit den größten Ölreserven, steht einem wirtschaftlichen Zusammenbruch gegenüber.

Nun lassen Sie uns abschließend die Dinge wieder näher nach Hause für die Verbraucher bringen und die 2 herausragenden Entwicklungen im ölraffinierenden Sektor betrachten. Zunächst gibt es den stetigen Rückgang der europäischen Raffinerien im Angesicht der neueren, größeren und weiter entwickelten Werke in Asien und zweitens die Entwicklung des Biotreibstoffs als Standardbestandteil der Treibstofflieferkette. Statistische Daten zeigen beide dieser Entwicklung ausreichend deutlich. Die europäischen Raffinerien sind von 111 in 2009 auf 90 in 2019 zurück gegangen, während der europäische Verbrauch von Biotreibstoff auf 16 Mill. Tonnen in 2019 im Vergleich zu 9,5 Mill in 2009 angestiegen ist. Während der Rückgang der europäischen Raffinerien im Moment still zu stehen scheint (Überleben des Stärkeren?), wird das unaufhaltsame Wachstum des Biotreibstoffes weitergehen. Fast jeder Industriestaat hat heutzutage eine Gesetzgebung, die einen Anstieg des jährlichen Biotreibstoffverbrauchs vorschreibt. Darüber hinaus hat die Verwendung sogenannter Biotreibstoffe der 2ten und 3ten Generation, die nicht im Wettstreit mit der Nahrungskette stehen, dieser Industrie geholfen, sein bisheriges giftiges Image abzulegen und hat zu einer weiteren allgemeinen Akzeptanz dieser Brennstoffe geführt.

Nächsten Monat werden wir unseren 10 Jahres Rückblick über den Rand des Ölsektors hinaus auf die größere Welt der Energie lenken.  Und wenn Sie denken, dass der Ölmarkt im letzten Jahrzehnt tiefgehende Veränderungen erlebt hat – dann werden Sie sich wundern.