Ölmarktbericht 01/2019

Hier sind wir wieder, ein neues Jahr liegt vor uns und es ist mal wieder Zeit für unsere alljährliche Ölpreisvorhersage. Aber vorher wollen wir erstmal 12 Monate zurückschauen und unsere letztjährige Vorhersage betrachten. Damals schrieben wir, dass „ein Preis von $85 am Ende des Jahres 2018 sehr viel wahrscheinlicher wäre als ein Preis von $55“. Was sagen Sie? Ist dies ein Schatten aus der Vergangenheit aus dem Jahre 2014 als Portland sagte, die Preise würden stabil bleiben nur um sie dann um $70 einbrechen zu sehen?!

Oberflächlich betrachtet mag dies vielleicht stimmen, denn der Ölpreis schloss das Jahr mit einem Preis von rund $55 pro Barrel. Aber das erzählt nicht wirklich die ganze Geschichte, denn während die Preise am Ende des Jahres niedrig schlossen, waren sie bis Oktober fast genau im Rahmen unserer Vorhersagen angestiegen – mit einem Höchstpreis von (ja, Sie haben richtig geraten) von $85 pro Barrel. Also hatten wir grundsätzlich nur ein falsches Timing aber hatten es sogar geschafft, die Tatsache anzudeuten, dass, sobald ein Spitzenpreis von $85 erreicht wäre, ein Preisrutsch sehr wahrscheinlich sein könnte („dass darum für jeden Monat in dem die Preise steigen, auch die Wahrscheinlichkeit eines Preisabsturzes steigt“). Das heißt, hinsichtlich der Möglichkeiten bei Vorhersagen, war die unsrige gar nicht mal so schlecht. Doch andererseits, sagte im Jahr 1990 ein weiser alter BP Händler zu einem neuen Portland Gesicht: „Ölpreise vorherzusagen ist der einfache Teil, aber es zeitlich genau zu tun, ist wie man Geld verdient…“

Dieser Preisabsturz im letzten Quartal von 2018 war von einer solchen Geschwindigkeit und einem solchen Ausmaß, dass der Ölmarkt sich jetzt an einer interessanten Kreuzung befindet. Einerseits ist es schwierig sich vorzustellen, dass es zu einem weiteren drastischen Preiseinbruch kommt, da sich der globale Bedarf zur Zeit auf rund 100 Mill. Barrels pro Tag (bpd) beläuft und es keine Zeichen eines Endes des Bedarfszuwachses gibt (Die Preisstabilisierung im Januar scheint sicherlich diese Ansicht zu bestätigen). Aber gleichzeitig sieht die Weltwirtschaftslage unsicherer aus als seit einigen Jahre. Außerdem glauben einige nordamerikanische Kommentatoren, dass die Produktion der amerikanische Schieferölindustrie bald wieder auf Hochtouren laufen wird. Dies ist ironisch, weil nachdem die Schieferölproduzenten 5 Jahre gebraucht haben um sich von dem Preiscrash in 2014 zu erholen, haben sie jetzt das Potential, genau diese exzessiven Volumen herzustellen, die den Preisabsturz stimuliert haben und es auch einfach wieder könnten.

Wenn wir trotzdem eine Vorhersage machen müssen, dann glaubt Portland, dass wir im Jahr 2019 langsam vor sich hinbewegende Preis um eine Mittelmarke von $60 sehen werden. Der Hauptgrund dafür ist der weiterhin ansteigende Ölbedarf, der auch weiterhin sicher zu sein scheint, auch wenn der Rest der globalen Wirtschaft etwas wackelig ist.

Danach bleiben uns nur noch zwei Joker im Ärmel, das bereits erwähnte amerikanische Schieferöl und ein zu allen Zeiten unvorhersehbarer Präsident Trump, von denen beide in der Lage sind, die Ölpreise in jede etwaige Richtung zu drängen. Von diesen beiden ist jedoch wahrscheinlich das Schieferöl einfacher zu kalkulieren, denn der letzte Ölpreisabfall (Q4 2018) brachte den Geldmännern den kalten Schweiß über das Risiko eines Blutbades wie im Jahr 2014 auf die Stirn. Diese Schieferölinvestoren wollen kategorisch keinen länger anhaltenden Preisabfall und reagieren mit verschärften Kreditbedingungen für die Hersteller (von den fast alle stark verschuldet sind). Das heißt, dass, obwohl es ein Potential dafür gibt, dass die Schieferölproduktion „Gung-Ho“ Niveau erreicht, ist es zu Zeit kein akutes Thema, weil es zu teuer ist, zusätzliches Geld (um neue Löcher zu bohren) zu leihen.

Aber vorherzusagen was Präsident Trump zu tun beabsichtigt, ist eine ganz andere Geschichte und seine Entscheidungen werden auch weiterhin einen großen Einfluss auf den weltweiten Ölpreis haben. Vergessen wir nicht, dass es Präsident Trump war, der in 2018 der Welt mitteilte, dass die Sanktionen gegen den Iran wieder ins Leben gerufen werden (die Preise stiegen) nur um dann, ..hm, zu entscheiden, dass China, Indien und Japan (die Hauptabnehmer iranischen Öls) davon ausgenommen werden (der Preis fiel). Darum sind Vorhersagen, wenn es um Donald J Trump geht, wie ein Blick in eine wolkige Wahrsagekugel. Wer weiß schon, ob der 45te Präsident nicht in einem Twitteranfall erklärt, dass Schieferöl so wichtig für die USA sei, dass es Regierungssubventionen erhält? Die Ölproduktion würde das bekommen (wofür sie rein technisch bereit ist) und die Preise würden fallen (was den US-Bürgern gefallen würde). Genauso könnte eine Entscheidung den Handelskrieg zwischen der US und China wieder zu entflammen, wahrscheinlich ein Wahlstimmenfänger sein, aber die Welt ohne Probleme in eine Rezession stürzen und wahrscheinlich den Ölbedarf zum ersten Mal in 10 Jahren drosseln.

Mit Trump an der Macht ist einfach alles möglich und das ist unser Vorbehalt für unsere Ölpreisvorhersage für 2019. Wenn alles beim Alten bleibt und der Präsident seine gesamte Zeit damit verbringt „die Mauer“ zu diskutieren anstatt sich auf die Außenpolitik oder Energieprogramme zu konzentrieren, dann wetten wir eher auf einen Preis von $65-$75 als von $45-$55. Und wenn sich das als falsch erweist, geben wir einfach dem Präsidenten die Schuld!