Ölmarktbericht 10/2018

Es ist immer schwierig, die Markttemperatur einer bestimmten Industrie während ihrer jährlichen Messe oder Konferenz zu messen. Lassen Sie uns jedoch den Tatsachen ins Auge sehen; die Unternehmen, die diese Veranstaltungen besuchen, hatten normalerweise ein erfolgreiches Jahr (wie sonst ließen sich die Kosten und die Zeit für einen Besuch rechtfertigen?) und die meisten Besucher sind relativ entschlossen, das Beste aus diesem Besuch zu machen. Die in diesem Monat abgehaltene jährliche Konferenz der UEIL (Union of the European Lubricants Industrie oder Verein der europäischen Schmiermittelindustrie) in Budapest; machte da keinen Unterschied und die Besucher genossen extravagante Cocktailpartys und einen Galaabend in einem der schönsten Paläste in Ungarn.

Die Schmiermittelindustrie, die sehr viel technischer als andere Teile der Ölindustrie ist, kann sich gelegentlich wie eine gigantische Ingenieurfuzzi Veranstaltung anfühlen. Gespräche drehen sich um Zähflüssigkeit, hydraulische Stabilität und Stockpunkte, während schon einfach nur die Anzahl der verschiedenen Schmiermittelformeln für einen Branchenfremden unergründlich sein können. Die vielen und unterschiedlichen Schmiermittelverwendungszwecke sind zum Teil ein Ergebnis des Herstellungsprozesses, der ungewöhnlicherweise sowohl den oberen als auch den unteren Teil des Fasses während des Raffinerieprozesses benutzt. Synthetische und leichte Schmierstoffe (Die normalerweise eine höhere Spezifikation haben, aber in kleineren Mengen hergestellt werden) fraktionieren früh und durchlaufen einen petrochemischen Prozess um das Endprodukt herzustellen. Am anderen Ende des Spektrums gibt es das Grundöl (niedrige Qualität, aber große Volumen), das auf den Boden des Raffinerieturmes sinkt, viel länger kocht um am Ende als dickflüssiger Schmiermittelsyrup gewonnen zu werden.

Doch ob Schmiermittel nun im high-spec Apparatebau (synthetisch) oder für normale Standardmaschinen eingesetzt werden, sie finden sich immer dort, wo zwei Metallteile miteinander in Kontakt kommen. Schmiermittel sind für jeden Motor, Kolben, jede Turbine, jedes Leistungsgetriebe und jeden mechanischen Lift in der Welt unerlässlich, genauso wie als Hilfsmittel bei medizinischem Zubehör, Gefrieranlagen, Gasdichtungen, Kühlmitteln und als Korrosionsschutz zur Anwendung kommen. Da Schmiermittel nicht zur Energiefreisetzung verbrannt werden, neigt ihr Volumenverbrauch (und ihre Co2 Emission) niedriger im Vergleich zu anderen raffinierten Brennstoffprodukten (Benzin, Diesel, Kerosin) zu sein. Aber durch die deutlich höheren Gewinnmargen als bei Brennstoffen, bleibt die Schmiermittelindustrie auch weiterhin ein großes Geschäft, das durch die üblichen Verdächtigen (Exxon Mobil, Shell, Chevron, BP usw.) dominiert wird. Jedes Jahr werden 35 Mill. Tonnen Schmiermittelprodukte weltweit produziert, und das bedeutet, dass an dem Tag, an dem Sie diesen Bericht lesen, mehr als 110 Mill. Liter Schmiermittel in der Welt verbraucht werden.

Doch trotz ihres Maßstabes sieht sich die Schmiermittelindustrie immer noch mit den gleichen Problemen konfrontiert, wie der gesamte Ölsektor: ein abnehmender Verbrauch der Industrieländer (durch Motor- und Herstellungseffizienz) und der Beginn der Autoelektrifizierung. Natürlich ist das Wachstum in den Entwicklungsländern auch weiterhin sehr stark, mit allein 47% des globalen Schmiermittelverbrauchs in Asien (mit Vergleich zu nur 33% vor 10 Jahren). Doch der Gegenwind gegen diese Industrie nimmt trotz alledem zu, vielleicht nicht in der gleichen  Stärke wie der gegen die Dieselindustrie, aber doch genug um die Schmiermittelindustrie zu Veränderungen zu zwingen, wenn sie weiterhin florieren und gedeihen will.

Saftige 65% aller zurzeit verkauften Ölschmiermittel werden in Verbrennungsmotoren verwendet, aber wenn der elektrische Automotor Realität wird, wird sich der Standardschmiermittelverbrauch drastisch reduzieren. Es ist wahr, dass die Verwendung einiger Schmiermittel durch elektrische Autos einen Zuwachs erleben wird, besonders jene Produkte, die im Zusammenhang mit dem elektrischen Motor, der Hitze und der Leistungsfähigkeit stehen und darum sollte der Bedarf für Kühlstoffe und Getriebe- und Schmieröle lebhaft bleiben. Aber ganz normale Standardöle (die entwickelt wurden, um die Mechanik der Verbrennungsmotoren am Laufen zu halten und die die Kohlenstoffablagerungen wegwaschen) würden quasi arbeitslos in Elektromotoren werden, weil die Anzahl der Verschleißteile drastisch reduziert ist und Materialablagerungen fast nicht vorhanden sind.

Industrieoptimisten betonen das technische Erbe der Branche, die einen Übergang zur Elektrifizierung durch neue und andersartige Produkte erlauben wird. Darüber hinaus weisen sie darauf hin, dass die Schmiermittelindustrie in der Vergangenheit schon Volumenrückgänge erlebt hat und effektiv mit ihnen umgegangen ist. Damals reagierte die Branche schnell, indem sie ihre Lieferungen in neue Regionen (Entwicklungsländer) und neue Marktlücken (Personenkraftwagen) verlegte.

Schaut man jedoch heute in die Portland-Kristallkugel, ist es schwierig zu erkennen, welche neuen Regionen oder Produkte die Schmiermittelindustrie in einer “Nachbenzinwelt” retten könnten. Die unausweichliche Folge der Elektromotoren, gekoppelt mit allgemeinen Verbesserungen der industriellen Prozesse ist, ohne dass noch mehr Menschen die Welt bewohnen, dass in der Zukunft weniger Schmiermittel benutzt werden. Natürlich wird dieser hochtechnische Sektor in der Lage sein, sich anzupassen, aber wenn die elektrische Automatisierung Realität wird, wird sich die Größenordnung der Schmiermittelindustrie sicherlich verkleinern und seine Gestalt wird erheblich spezialisierter sein.