Ölmarktbericht 08/2018

Während eines ansonsten ruhigen Ferienmonates, war die chinesische Einführung eines 25%igen Einfuhrzolles auf amerikanisches Flüssiggas (LNG) – Teil des wachsenden Handelskrieges zwischen diesen zwei Ländern – das wichtigste Gesprächsthema für die, die in ihren Büros zurückgeblieben waren. Flüssiggas (Liquified Natural Gas, LNG) ist einfach nur Erdgas, das zu einer flüssigen Form kondensiert und super-gekühlt wird, so dass es weltweit transportiert werden kann. Natürlich ist es nicht billig Flüssiggas zu transportieren (der Bau eines konventionellen Flüssiggastankers beläuft sich auf ungefähr $ 175 Mill)) und die Betriebskosten sind sehr viel höher als bei einem normalen Öltanker, aber der große Vorteil von Flüssiggas ist, dass es nicht von traditionellen Rohrleitungssystemen abhängig ist um zu seinem Zielmarkt zu gelangen. Dadurch ist Flüssiggas weltweit zugänglicher als konventionelles Erdgas, das eine Rohrleitungsinfrastruktur benötigt.

Die Frage, die sich aber stellt, ist, ob ein Zoll auf amerikanisches Seeflüssiggas, den gewünschten Effekt haben wird und der amerikanischen Wirtschaft Schaden zufügt. Präziser formuliert: Wird die amerikanische Gasindustrie, genau zu dem Zeitpunkt Schaden nehmen, zu dem Trump, im Rahmen seiner „Energiedominanzpolitik“, den Energieexport vorantreiben will. Die wahrscheinlichste Antwort auf beide Fragen ist nein, denn in diesem Moment sind die chinesischen Exportvolumina noch nicht von ausreichender Bedeutung. Die Chinesen kaufen zurzeit ca. 15% der US Flüssiggasexporte (ca. 8 Mill. m3 pro Tag) und sind somit weltweit der 3. größte Käufer von US-Flüssiggas weltweit, nach Mexico (11 Mill m3/Tag) und Süd-Korea (10 Mill. m3/Tag). Ein solches Volumen zu verlieren, wäre sicherlich schmerzhaft für die US Hersteller, aber es sollte keine Krise für ihr laufendes Geschäft bedeuten. Das gesagt, die Investoren, die hinter den 4 neuen Flüssiggasexportanlagen, die in Texas (2x), Georgia und Louisiana stehen (mit dem Ziel, die US-Flüssiggasexportkapazität zu vervierfachen), könnten dies ganz anders sehen.

Dies liegt wahrscheinlich daran, dass es seine Sache ist, Markanteile zu verlieren, aber eine Handelsbeziehung zu verlieren, kann sehr viel schädlicher sein und die US Exporteure werden sehr viel mehr davor auf der Hut sein, dass China sich einfach abwendet und sich neue langfristige Flüssiggaspartner sucht.  So unersättlich ist Chinas Nachfrage nach Gas, dass die USA alles andere als ein zentraler Lieferant für den chinesischen Markt sind und ihre Flüssiggaslieferungen belaufen sich nur auf 6% des gesamten chinesischen Imports (die Gesamtzahl beläuft sich auf 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr). Selbst Präsident Trump würde nicht behaupten, dass das amerikanische Gas besser als irgendein anderes Gas in der Welt ist und viele andere Länder haben bedeutsame Reserven. Länder wie Australien, Qatar und der Iran (frei von Sanktionen mit China zu handeln) haben riesige Gasvorräte und investieren im großen Stil in Flüssiggasexportanlagen und, was vielleicht noch wichtiger ist, liegen näher an China als Amerika.

Trotz dieser Risiken, sieht die Prognose für das amerikanische Flüssiggas weiterhin positiv aus. Die Tatsache, dass Flüssiggas im Moment der größte wachsende Markt im Öl- und Gassektor ist und, dass die USA, obwohl bei weitem nicht dominierend, der größte Exporteur in der Welt ist, bleibt bestehen. Darum sollten die US-Hersteller wenig Probleme haben, alternative Märkte zu finden. Man braucht sich nur den Sturm anzusehen, der sich über Nordstream II zusammenbraut (die Gasleitung von Russland, die die europäische Abhängigkeit von russischem Öl intensiviert und dazu führte, dass Trump erklärte, dass „Deutschland vollständig von Russland kontrolliert wird“), um zu wissen, dass europäische Käufer, sowohl aus politischen als auch wirtschaftlichen Gründen, besonders daran interessiert sind, ihre Gasmischung zu diversifizieren.

Darüber hinaus liegt es in der Natur des Rohstoffhandels, dass Exporte meist ein Ergebnis der globalen Nachfrage und nicht der regionalen sind. Wenn das US-Flüssiggas nicht mehr die chinesischen Küsten erreicht, wird es sich auf anderen Märkten wiederfinden – vielleicht auf jenen, die bisher von Ländern wie Australien und Qatar beliefert wurden, die nun wiederum Wahllieferanten Chinas werden könnten.  Letztendlich wird die Nachfrage nach Flüssiggas nicht verschwinden, sondern sich einfach nur über veränderte Lieferketten reorganisieren. Und es gibt sogar die Möglichkeit, dass US-Hersteller einfach an internationale Rohstoffhändler verkaufen, die dann einfach wieder „in den Markt“ verkaufen, was bedeutet, dass das US- Flüssiggas vielleicht doch wieder in China landet, aber über einen nicht amerikanischen Zwischenhändler. Doch egal wie, so lange  die Flüssiggasnachfrage weiter steigt, werden die US-Hersteller in der Lage sein, einen Markt für ihre Ware zu finden.  Ja, es ist möglich, dass kurzfristig Marktstörungen auftreten, wie zum Beispiel Preisarbitragen (geographische Unterschiede im Preis) durch regionale Knappheit, die umständliche Lieferketten verursacht, aber zu guter Letzt gibt es einen Markt für Flüssiggas und das Produkt, egal ob nun amerikanisch oder nicht, wird immer einen Weg finden diesen Bedarf zu decken.

Es würde Präsident Trump zu viel Ehre andienen, anzunehmen, dass er dies alles ausgearbeitet hat. Die Einführung von Zöllen, ist eine Politik, die leicht über Twitter zu verbreiten ist und entspricht seiner „harten Mann“ Politik. Doch wenn ein großer Handelskrieg zwischen den USA und China ausbrechen sollte, wird es nicht lange dauern, bis umsichtigere Frauen und Männer in Washington erkennen, dass chinesische Zölle auf amerikanisches Flüssiggas, Amerika keine großen Probleme bereiten wird.