Ölmarktbericht 07/2018

Außer dem Weltmeisterschaftswahnsinn, gibt es nichts, das uns hier im Portland Buero  mehr verwirrt hat, als die Nachricht, dass Bierlieferungen über den Sommer durch einen Mangel an Kohlendioxid (CO2) gedrosselt werden könnten. Wie bitte? Wollen Sie uns weismachen, dass es einen Mangel genau an dieser einen Sache gibt, von der alle behaupten, dass es zu viel gibt? Entscheiden Sie sich! Und warum betrifft es Bier und Limonade und Co.?

Die Tatsache, dass es tatsächlich eine Kohlendioxidindustrie gibt, ist wahrscheinlich eine Neuigkeit für die meisten Leute. Aber die Tatsache, dass hergestelltes CO2 nicht nur für Getränke verwendet wird (um sie zum Sprudeln zu bringen), sondern auch für Feuerlöscher, Operationsinstrumente, Fruchtverpackungen (eine schützende CO2 Atmosphäre verlängert die Regallebensdauer), zur  Lebensmittelherstellung (inclusive der äußerst wichtigen Crumpetherstellung), Kühlanlagen, zum Kaffeentkoffeinieren und natürlich am wichtigsten, um schaurige Vampirbands der 80ziger mit dem überschwänglichen Gebrauch von Trockeneis zu unterstützen.

Das CO2, das für alle oben aufgeführten Prozesse verwendet wird, ist ein hergestelltes Produkt und kein Restprodukt, das als Ergebnis der Verbrennung von fossilen Brennstoffen entsteht. Trotzdem ist es kein direkt erzeugtes Produkt, sondern es ist ein Nebenprodukt anderer industrieller Prozesse. Der Großteil des in Europa produzierten CO2s (Nordamerika hat im Gegensatz dazu natürliche CO2 Speicher) entsteht während der petrochemischen Herstellung von Ammoniak(-dünger) und wie bei allen petrochemischen Prozessen zeichnet sich im Hintergrund die Öl-und Glasindustrie klar ab. Dies liegt daran, dass der Wasserstoff im Erdgas,   Flüssiggas und Naphtha  mit dem atmosphärischen Stickstoff verbunden wird um NH3 zu machen – die Verbindung, die im allgemeinen als Ammoniak bekannt ist. Daneben ist die am schnellsten wachsende alternative Quelle für die CO2 – Produktion bei der Herstellung von Bioethanol (zum Benzinmischen) zu finden – ein weiteres Produkt, das untrennbar von der Brennstoffindustrie ist.

Der diesjährige Mangel an kommerziellem CO2 wurde sowohl durch geplante als auch durch ungeplante Schließungen zahlreicher Ammoniakfabriken in Europa verursacht. Obwohl es für die Käufer frustrierend ist, sollte dieser etwas chaotische Engpass wenigstens die Menschen überzeugen, dass es keine Kartelle auf dem CO2-Markt gibt. Dies ergibt sich hauptsächlich aus der Tatsache wie CO2 produziert wird (ein Nebenprodukt von etwas anderem), seines relativ niedrigen Wertes (der weltweite CO2 Verkauf beläuft sich auf etwa $2 Milliarden im Vergleich zu $50 Milliarden Ammoniak) und wie er verkauft wird (Vertragsgeschäfte statt Kassamarkt). Dies bedeutet, dass trotz eines Produktengpasses, der Preis für CO2 nicht steigen wird und CO2 Spekulanten keinen Profit aus dieser Situation machen können.

Die Engpässe, die wir dieses Jahr erlebte haben, könnten aber der Anfang für einen Trend der folgenden Jahre sein. Der CO2 Bedarf in Europa bleibt konstant, während die Produktion durch Ammoniakherstellung in den Osten zieht, besonders durch den explodierenden Bedarf an Düngemittel für die Lebensmittelherstellung in Indien, China und Süd-Ost Asien. Damit bleibt die europäische CO2 – Industrie in einer eher prekären Situation und obwohl die Produktion von Bioethanol vielleicht hilft, ist es unwahrscheinlich, dass diese Industrie in Kürze eine volle Rettung darstellen wird, da die europaeischen Regierungen unwillig sind, den Ethanolmischgrenzwert auf 10% (z.B. E10 Benzin) zu erhöhen.

 Trotzdem scheint der Gedanke eines CO2 Mangels komplett absurd, wenn doch aus einer umweltpolitischen Perspektive die Welt einen Überfluss hat. Sicherlich muss es doch eine intelligente Möglichkeit geben, das Abfallprodukt CO2 (z.B. Abgase) für kommerzielle Zwecke zu verwenden. Es gibt schon einige Ideen, inclusive eines Projekts, das prüft, ob CO2 aus der Energiegewinnung durch Wasser geleitet werden kann um Algen zur Biodieselproduktion zu stimulieren. Eine andere versucht die Sequestrierung von CO2 von Fahrzeug zu Fahrzeug. Aber die Wahrheit ist, dass dies kleine Pilotprojekte sind, die viel Zeit brauchen werden um Früchte zu tragen und, dass die CO2 Industrie nicht wichtig genug ist, um größere Investitionen zu rechtfertigen. Die wohl wahrscheinlichste Lösung wird eine Erhöhung der CO2 -Emissionssteuer sein, die dann  die Emittenten auf die harte Art dazu zwingen wird, eine Verwendung für ihr Abfallprodukt zu finden.

Doch in der Zwischenzeit ist die Schule für die Sommerferien aus und Portland würde seinen Lesern vorschlagen, kein Risiko einzugehen, wenn es um kalte sprudelnde Getränke geht, sondern seinem Vorbild (siehe anbei) zu folgen und den Kühlschrank für die Ferien aufzufüllen. Schöne Ferien!