Ölmarktbericht 04/2017

Jedes Jahr im Februar treffen sich die Großen und die Guten der Internationalen Ölwelt für die glamouröse “IP” Ölwoche (siehe Bericht Februar 2015). Aber es gibt noch eine weitere alljährliche Ölveranstaltung in England, die sich mit dem „funktionellen Ende“ des Marktes beschäftigt und dessen Besucher aus der Zubehörbranche und dem Transportwesen, aber vor allem auch aus der Ölvertriebsbranche kommen und deren Aufgabe es ist, die riesigen Ölvolumina, die international gehandelt werden, aufzuteilen und sie dann an die Endverbraucher zu liefern. Kurz auch die „FPS“ (Federation of Petroleum Suppliers) Messe genannt, auf der sich die Leute der Ölindustrie treffen, die sich ihre Hände schmutzig machen.

Der Ursprung des flüssigen Ölvertriebs in England begann mit der Nationalisierung von sowohl der Kohle- als auch der Elektrizitätsindustrie am Ende des Zweiten Weltkrieges. Diese duale Nationalisierung bedeutete das sowohl der Einkauf als auch der Verkauf der Kohle von der Regierung kontrolliert wurde und darum suchten viele unabhängig denkende Kohlenhändler nach alternativen Energieformen. Zur ungefähr gleichen Zeit suchten aber auch die mächtigen Ölgiganten nach breiter gefächerten Vertriebskanälen, vor allem für ihr Heizöl, was grundsätzlich als ein Abfallbeiprodukt bei der Herstellung von Benzin betrachtet wurde.

Die Erkenntnis, dass Heizöl an eine neue Generation von Energiehändlern verkauft werden konnte – mit der Absicht einen Anteil des Kohlemarktes zu stellen – stimulierte eine ganz neue Industrie, die dieses Jahr ihre 37. alljährliche Konferenz halten wird. Die Messehallen in Liverpool werden diese Veranstaltung im Mai beherbergen und für die Außenwelt wird diese neue und glänzende Messehalle eine deutliche Aura von Zuversicht schaffen. Doch die heutige Heizölindustrie ist nur ein Schatten der glorreichen Tage in den 70iger und 80iger Jahre, als sich der „Tod des Königs Kohle begab“. Zunächst einmal lies Heizöl die Kohle bei der Schifffahrt völlig in der Versenkung verschwinden und kurz danach ersetzten Diesel- und elektrische Bahnen Dampfzüge. Zu guter Letzt war es das Gaswettrennen, das die Kohle im Bereich der Hausbeheizung erledigte und die Anzahl der landesweiten Kohlenhändler dezimierte. Jedoch war Gas nur in urbanen Ballungszentren erhältlich und deshalb waren noch einige tausende ländliche Haushalte nicht in der Lage sich direkt der zentralen Gasverteilung anzuschließen. Wieder machten die Ölhändler einen Schritt vorwärts mit ihrem neumodischen Kerosin-Heizöl….

Spulen wir zum heutigen Tag vor und es sind dieselben Produkte, die das Rückgrat der meisten Ölvertriebsgesellschaften formen, denn sie liefern mehr als 3 Mill. Liter Heizöl an fast 2 Mill. britischer Haushalte. Das Produkt selber hat sich seit den 70iger Jahren kaum verändert und ist tatsächlich Düsenkraftstoff, aber mit einem niedrigerem Schwefel Anteil (1% Schwefel für Heizöl, 3% Schwefel für die Luftfahrt). Es wird außerdem immer noch an jene Haushalte geliefert, die vom Versorgungsnetz abgekoppelt sind und darum kein Gas benutzten können.

Für die beteiligten Unternehmen, bleibt der Kerosinhandel ein zum verrückt werden saisonales Geschäft, bei dem in kalten Wintern Spitzen von 50% monatlicher Nachfrage erreicht werden, während der Preis in milden Wintern im Keller bleibt (natürlich gut für die Kunden) und die Tankwagen schon mittags alle geparkt sind. Und vergessen wir nicht die wankelmütigen Kunden, die oft schon bei einem Preisunterschied von nur 1p per Liter ihren Lieferanten wechseln. Noch schwieriger ist eine zuverlässige Lieferung. Im Gegensatz zum Rest von Europa (und Nordamerika), das Gasöl (leichtes Heizöl) als Heizöl benutzt, benutzt nur Großbritannien Kerosin zum Heizen, was diese Ölsorte tatsächlich zu einem Randprodukt macht und darum potentiell schwieriger zu beschaffen ist. Mit 3 Mill. Liter pro Jahr, stellt Heizkerosin nur 20% des gesamten Kerosinmarkts in England dar; der Großteil des Volumens (13 Mill. Liter) ist Luftfahrkerosin. Aus diesem Grund ist der Heizölsektor abhängig von Raffinerien, dieses teurere (wegen seines niedrigerem Schwefelanteils) Heizkerosin herzustellen, wenn sie sehr viel einfacher nur Flugzeugbenzin verkaufen könnte. Diese Situation ist sogar noch heikler, wenn man bedenkt, dass 60% des in Großbritannien verbrauchten Flugzeugbenzins importiert wird, was theoretisch bedeutet, dass der Bedarf für in England produziertes Luftfahrtkerosin unbegrenzt ist.

Bis heute hat nur Exxon-Mobil die Produktion von Heizkerosin gestoppt (in 2008) und sich vollständig auf Flugzeugkerosin konzentriert, aber für die anderen britischen Raffinerien und Importeure müssen die Margen für Heizölkerosin eindeutig besser als für Flugzeugkerosin sein, denn warum sonst sollten sie es verkaufen? Schlimmer noch ist die Tatsache, dass das Gasverteilernetz jährlich wächst und dadurch die Anzahl der nicht angeschlossenen Haushalte abnimmt und sich der verfügbare Markt entsprechend verkleinert. Heizölvolumen sind seit 2000 jedes Jahr gesunken ( mit der Ausnahme der Extremwinter in 2010 und 2011) und das bedeutet logischer Weise, dass die Einkaufspreise weiter steigen müssen um den Volumenverlust wett zu machen.

Der Gegenwind gegen das Heizöl ist also schon stark und könnte noch stärker werden, wenn niemand auf die “Stimmungsmusik” achtet, die in Europa vorherrscht. Heizölgesetzgebungen versuchen zunehmend es als Energieprodukt des 21.sten Jahrhunderts zu verdrängen. Dänemark hat Heizöl schon vollständig verboten und andere skandinavische Länder haben angedeutet, dass sie dieser Entscheidung folgen werden. In Großbritannien hat die Regierung Heizöl als Teil der „erneuerbaren Energie Direktive“ schwer benachteiligt, was im besten Fall andeutet, dass Westminster diese Industrie als nichts anders als einen „Minderheitensport“ betrachtet oder schlimmer ist; es ein Zeichen, dass dies eine Industrie ist, deren Ableben die Regierung beschleunigen möchte?

Doch all dies wird wahrscheinlich während der FPS 2017 nicht diskutiert werden, denn es werden neue Tankfahrzeuge zu Show gestellt, die Probleme von ungesalzenen Straßen diskutiert werden und in den Kneipen von Liverpool gefeiert werden. Die Frage wie unabhängig die Kohlenhändler in 70igern im Vergleich zu ihren heutigen Nachfolgern sind, ist vielleicht relevant, aber eine Antwort eilt nicht. Die FPS sind nicht nur lustiges, sondern auch ein pragmatisches Völkchen, die sich ohne Zweifel wenig Sorgen darüber machen, wo ihre Industrie in 10 Jahren sein wird. Tatsächlich haben die meisten von ihnen wahrscheinlich in den nächsten 10 Tagen wichtigere Dinge zu erledigen, als sich Sorgen um die nächste Jahrzehnt zu machen.