Ölmarktbericht 03/2017

Der Gedanke, dass die Energiepolitik eine Hauptrolle in irgendwelchen Wahlen spielen könnte, ist grundsätzlich abstrus, aber mit den aktuell gesteigerten politischen Nachrichten, ist es noch unwahrscheinlicher. Trotzdem dachten wir, dass es interessant wäre, mit den französischen Wahlen vor der Tür, sich die französische Energiepolitik anzuschauen und zu sehen, wie sie sich mit der englischen vergleicht.

Fangen wir mit Öl an, wo Frankreich, im Gegensatz zu England, keine heimische Produktion hat, sondern tatsächlich der größte Importeur von Rohöl in der EU ist, wobei das meiste Öl aus Russland, Saudi-Arabien und Norwegen kommt. Hinsichtlich Raffinierung hat Frankreich zwar mehr Raffinerien als Großbritannien (8 vs. 6), aber die Gesamtkapazität (1.3 Mill. Barrels pro Tag) ist ungefähr gleich, was bedeutet, dass die britischen Raffinerien etwas größer sind. Weiterhin interessant ist auch, dass alle Raffinerien in England verschiedene Besitzer haben (und nur einer davon ist englisch), während in Frankreich 5 der 8 Raffinerien dem Ölgiganten Total gehören – der die monopolistischste Macht in Frankreichs Downstream-Sektor ist.

Für die “Laissez-faire” Kapitalisten der angelsächsischen Welt ist der Wettbewerbsmangel ein Beispiel des französischen Widerstandes gegen die freie Marktwirtschaft. Während die Engländer ausländisches Geld in der gesamten Ölinfrastruktur willkommen hießen (denken Sie nur an den spanischen Anteil an der dem Regierungspipelinesystem), hat Frankreich weitgehend ausländische Investitionen vermieden.  Für viele Wähler in Frankreich (und für die meisten Politiker, die sie repräsentieren) ist aber die Tatsache, dass ein französisches Unternehmen die Downstream- Ölindustrie dominiert, in hohem Masse sinnvoll – besonders, wenn man ihre totale Abhängigkeit von Rohölimporten berücksichtigt. Die gleiche anti-marktwirtschaftliche Einstellung kann hinsichtlich der Notreserven beobachtet werden (siehe Bericht vom letzten Monat). In Großbritannien besteht die Ölreserve aus Lagermengen von verschiedenen unabhängigen Ölfirmen. Frankreich hat dagegen nur den SAGESS –  eine staatliche Organisation, die die gesamte Menge im Namen der französischen Regierung lagert.

Neben dem Öl findet man jedoch schnell heraus, dass dieser Mangel an Vielfalt ein gemeinsamer Nenner im Energiesektor ist, und wieder im krassen Gegensatz zu dem englischen, deregulierten, stark ausländisch finanzierten Modell steht. In Frankreich produziert das sich im staatlichen Besitz befindliche Versorgungsunternehmen EDF mehr als 80% der Energie des Landes, während in England keiner der Anbieter mehr als einen 35%igen Anteil am Markt hat. Aber auch in diesem Fall, unterstützt die französische Wählerschaft immer tendenziell stärker die nationalen Firmen und es ist daher keine Überraschung, dass ein allgemeiner politscher Konsens besteht, dass die EDF auf weiterhin im staatlichen Besitz bleibt. Nur der Befürworter der freien Marktwirtschaft, Emmanuel Macron, hat seinen Hals während des Wahlkampfes leicht aus dem Sand gestreckt und darauf hingewiesen, dass die EDF mit Schulden in einer Höhe von Euro 37 Milliarden wohl kaum ein effizientes Unternehmen wäre! Aber er ging nicht so weit, eine grundsätzliche Änderung des Besitzermodells der EDF zu fordern.

Genauso wie die EDF den französischen Energiemarkt dominiert, so dominiert ihn eine spezielle Energiequelle – die Atomkraft; die unglaublich 77% der französischen Energie produziert (an zweiter Stelle liege die Ukraine mit 56%). Man sollte meinen, dass diese, in anderen Teilen der Welt regelmäßig verteufelte Energiequelle (man braucht nur nach Deutschland zu schauen, wo Atomkraft in 2011 komplett aufgegeben wurde) in einer heutzutage umweltbewussten Welt zu wenigsten etwas Diskussion führen würde. Nun, rechnen Sie nicht heute oder morgen damit, denn die Franzosen scheinen glücklich damit zu sein, die Atomsucht ihres Landes nicht zu diskutieren und jedes Manifest der Präsidenten gibt dem „n“-Wort eine wohlwollende Erwähnung.

Diese universale Akzeptanz der Atomenergie ist sogar noch überraschender, wenn man berücksichtigt, wie abgeneigt die Franzosen gegen Gas-Fracking sind – diese andere Energiequelle, die sich so viel heftige Gegner schafft. 75% der Bevölkerung sind gegen Fracking und so gibt es wieder einen Konsens des gesamten politischen Spektrums. Alle außer dem Präsidentschaftskandidat Fillon (der sich vage zum Thema Fracking äußert, genauso wie zu dem Thema warum seine Frau £ 750.000 staatlicher Gelder erhalten hat) haben ausdrücklich versprochen, das bestehende Verbot von Öl-und Gas-Fracking bestehen zu lassen. Eine potentielle nukleare Kernschmelze scheint in Ordnung zu sein, aber Steine auseinander zu pusten … certainement pas agréable!

Energie wird daher nur eine winzige Rolle bei den diesjährigen französischen Wahlen spielen und wird wahrscheinlich keine leidenschaftliche politische Debatte entzünden (boom-boom!). Aber mit anhaltenden erdstoßartigen politischen Bewegungen in der Welt, ist dies wahrscheinlich auch zu erwarten. Tatsächlich sind die Franzosen vielleicht ganz dankbar, dass ihre Präsidentschaftskandidaten sich wenigstens hinsichtlich der Energiepolitik im Großen und Ganzen einig sind.