Ölmarktbericht 02/2017

Für jene von uns, die (zu) viele Stunden damit verbringen die “Form” der Ölpreise zu studieren, gibt es eine Quelle, die die anderen in Klarheit und Zuverlässigkeit überbietet. Ja, wir könnten uns an spezielle Agenturen, die über die Preise berichten, wenden (Argus, ICIS, etc), oder an die Ölfirmen selber, aber ihre Information sind ausnahmslos entweder zu sehr auf den Handel fokussiert (d.h. kurzfristig) oder auf die Interessen finanzieller Institutionen und Investoren ausgerichtet.

Im Gegensatz dazu betrachtet die internationale Energie Agentur (International Energy Agency IEA) nicht nur die längerfristigen Energieangelegenheiten, sondern operiert auch außerhalb der persönlichen Interessen der Handelsorganisationen. Ihre offizielle Aufgabe ist nicht Daten bereit zu stellen – das ist ein Nebenprodukt ihrer Hauptaufgabe im Leben – sondern sicher zu stellen, dass in der Welt immer eine zuverlässige Menge Energie zur Verfügung steht. Dieses große Ziel wird dadurch erreicht, dass ihre 29 Mitgliedsstaaten (die USA, Kanada, Japan, Australien und die meisten Länder Europas) angeordnet werden permanent einen Vorrat von 80 Tagen Ölverbrauch zu halten und dieses verordneten Ölreserven garantieren, dass eine gemeinsamer globale Ölreserve von 700 Milliarden Litern zurückgehalten wird – bereit für den Krisenfall.

Darüber hinaus kann die Anwesenheit einer Notreserve auch überheizte Märkte abkühlen. Dies passierte in 2005, als infolge des Hurrikans Katrina, circa 40% der US Raffineriekapazität am Boden lag und die Benzinpreise sich über Nacht verdoppelten. Die IEA reagierte sofort und ordnete eine zeitweise (5 Tage) Freigabe der globalen Reserven an und das Ergebnis war genauso schnell wie es beeindruckend war; die Preise erreichten innerhalb von 48 Stunden wieder ihr altes Niveau. Dieser tiefgreifende Einfluss einer Freigabe von Ölreserven zeigt daher den riesigen Einfluss, den die IEA auf Ölpreise haben könnte, bis zu dem Punkt einer möglichen Marktmanipulation. Aber die Organisation ist sich sehr bewusst über diese Tatsache und Reservefreigaben sind tatsächlich äußerst selten. Es gab neben der Freigabe in Folge des Hurrikans Katrina nur zwei weitere Freigaben seit der Gründung der IEA’s in 1974; eine während des ersten Golfkrieges in 1991 und dann wieder während der Libyenkrise in 2011.

Da Ölkrisen glücklicherweise selten sind, kann sich die Agentur die restliche Zeit darauf konzentrieren, Informationen und Statistiken für alle Energieformen zur Verfügung zu stellen. Ihre Weltenergieprognosen werden, der allgemeinen Meinung nach, als die globale Energiebibel betrachten und werden von Regierungen und internationalen Institutionen als Grundlage für viele energiebezogene Programme benutzt. Aus einer philosophischen Sicht, setzt sich die IEA für ein „rationales Energie- programm“ ein, das ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Enntwicklung mit der Notwendigkeit für eine alternative Energiegeneration schaffen will. Dies kann und führt zu Kritik, dass die Organisation einem ausgetretenen neo-konservativen Kurs anderer multinationaler Unternehmen (IMF, World Bank, etc.) folgt und dass es mit den Ideen der wichtigsten Mitgliedsstaaten (zum Beispiel die Öl- und Gasinteressen der USA) hausieren geht. Die Agentur wird auch beschuldigt das Bedeutungspotential der erneuerbaren Energien herunterzuspielen und Kritiker sind immer schnell zur Hand darauf hinzuweisen, wenn falsche Energiepreisprognosen gemacht wurden.

Doch insgesamt hält sich die IEA an die Tatsachen und Statistiken ohne sie zu verdrehen und ohne einer vorrangigen Agenda außer ihrem „rationalen Energieprogramm“ zu folgen. Sie ist schnell dabei, darauf hinzuweisen, dass die Politiker die Richtung der Energiepolitik entscheiden und dass es die Rolle der Agentur ist, einfach nur zu zeigen wohin diese Richtung uns bringen wird. So anstatt eigene Vorhersagen zu machen, macht die Agentur etwas, was sie „Politik abhängige Prognosen“ nennt. Gleichzeitig sieht sie ihre Aufgabe darin, den Parteiideologen zu zeigen, wie die Realität auf Bodenhöhe aussieht. Wenn die IEA also über erneuerbare Energie, als den einzig glaubwürdigen Weg um die Klimaziele zu erreichen, spricht, muss sie diese Aussage immer noch mit der Tatsache, dass mehr als 90% der weltweiten Energie aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird ausgleichen, und dass deshalb ein vollständiger Wechsel zu erneuerbaren Energiequellen lang, teuer und langsam ist.

Die Agentur hat aber auch oft wirklich recht. Vor 10 Jahren, als die Welt in einen Rausch über den Peak-Oil (die Idee, das die Ölvorräte auslaufen würden) geriet, wies die IEA auf die technischen Entwicklungen bei der Ölförderung hin und stand geschlossen gegen alle verbale Attacken, dass sie die Realität des Peak-Oils ignorieren würden. Wenn wir in die heutige Öl übersättigte Welt vorspulen, scheint es, dass die Weisheit bei der IEA lag. Und zu guter Letzt hat die IEA keine Angst ihre Mitgliedsstaaten herauszufordern, wenn Politiker Erklärungen abgeben, die ihre Grundlagen nicht in der Realität finden. Das aktuellste Beispiel war die Herausforderung von Präsident Trumps Feststellung, dass die USA in Kürze „1000 Jahre sauberer Kohle“ liefern würde. Indem sie dies wiederlegte, beschrieb die IEA die wirtschaftlichen Tatsachen der Realität des globalen Kohlemarktes; fallender Bedarf, Überlieferung, strengere Umweltbestimmungen (außerhalb der USA) und eine Fülle preiswertes Naturgas. Dies alles bedeutet fast sicherlich, dass US Kohlunternehmen ihre Kapazitäten weiter reduzieren werden und dies wird sicherlich dazu führen, dass die amerikanischen Bergleute sich zunehmend von den Versprechen, die ihrer Industrie gemacht wurden, im Stich gelassen fühlen. Wie der Vorsitzende Faith Birol offen sagte: „ Strategien sind wichtig, aber wirtschaftliche Fakten sind hartnäckig“ Ein sehr rationaler Ansatz.