Ölmarktbericht 01/2017

Und hier sind wir wieder, für ein weiteres Jahr mit Ölreporten und wie immer, werden wir das Jahr 2017 mit einigen Vorhersagen für die nächsten 12 Monate beginnen. Doch bevor wir damit anfangen, betrachten wir zunächst einmal, was wir letztes Jahr um diese Zeit vorhergesagt haben. Im Januar 2016 lungerten die Ölpreise noch bei einem Preis von ungefähr $ 30 per Barrel herum und wir schrieben damals “ dass solche niedrigen Preise auf Dauer nicht tragbar sind“ und dass “ etwas nachgeben werden muss“. Wir sagten weiter, dass “ diese niedrigen Ölpreise nicht halten werden und dass ein Niveau von ca. $40-50 am Ende des Jahres wahrscheinlich sei“. Nun, hier ist ein bisschen Schulterklopfen angebracht, denn das ist so ziemlich genau das, was passiert ist, mit einer Preiserholung Mitte des Jahres im hohen $ 40 Bereich.  Das Preisniveau hielt sich dann auf diesem Niveau bis zu dem berüchtigten OPEC Treffen im November, indem Produktionseinschränkungen (in Verbindung mit Russland) beschlossen wurden und die Preise sprangen dadurch auf die nächste Preisebene, mit einem Jahresendpreis von gerade über $55 per Barrel.

Vorrausschauend auf das Jahr 2017 sieht die Situation weniger klar aus. Schließlich war es letztes Jahr ziemlich eindeutig, dass der massive Preisverfall übertrieben war, Handelspanik auslöste und höchst wahrscheinlich nur von kurzer Dauer war. In einfachen Worten, die einzige offensichtliche Richtung für die Preise war aufwärts und so war diese Vorhersage bestimmt kein Werk eines Genies. Aber auch wenn die wahrscheinliche Preisentwicklung für 2017 nicht so eindeutig ist, sagen wir doch ein weiteres Jahr mit Preisanstiegen vorher. Nichts zu Dramatisches und wahrscheinlich auch nicht mit großer Geschwindigkeit, aber trotzdem ein konstant leichtes Ansteigen der Preise während des ganzen Jahres, und unser Tipp für Dezember 2017 ist ein Preis von $ 65 per Barrel.

Basierend auf der neueren Geschichte, könnte man solche Vorhersagen als leichtsinnig erachten. Durch steigende Preise werden die Schieferölhändler wieder in Markt einsteigen und eine weitere Lieferschwemme (und ein weiterer Preiscrash) werden kreiert werden. Und die Zeichen vor Ort unterstützen diese Theorie, mit Schieferölhändlern, die darauf brennen wieder in Szene zu treten sobald die Preise attraktiv genug sind. Aber egal wie scharf die Schieferölhändler sind wieder zu pumpen, kann man die Tatsache nicht ignorieren, dass viele, die 2014 im Geschäft waren, Pleite gegangen sind, viele ihrer Quellen sind eingemottet worden und viele der Facharbeiter sind in andere Industriezweige abgewandert.

Also wenn die Schieferöler wieder ins Geschäft kommen, werden sie sich mit anderen und schwierigeren Rahmenbedingungen konfrontiert sehen. Zunächst einmal werden sie höhere Gehälter zahlen müssen um wieder Facharbeiter anzulocken. Dann werden sie hart, mit den immer noch cleveren Ölservicefirmen, die versuchen werden so viel wie möglich von den Verlusten der letzten zwei Jahren wieder wettzumachen, verhandeln müssen. Und mit weniger weitverbreiteten Bohraktivitäten als in den frühen Tagen, den Größenvorteilen bei Bohrtummietkosten, werden Matschbohren und Sandpacken nicht existieren. All dies mag die Schieferölunternehmer über die nächsten Monate dazu ermutigen vorsichtig vorzugehen, was bedeuten würde, dass volle Produktionslevel nicht vor Ende des Jahres zu erwarten wären.

Im Zusammenhang mit diesen Tatsachen, dürfen wir aber auch nicht vergessen, was in der konventionellen Ölindustrie (d.h. nicht-Schiefer) seit 2014 passiert ist. Globale Kapitalausgaben sind für fast 3 Jahren in Folge geschrumpft – etwas das bisher in der modernen Ölindustrie noch nie dagewesen ist – und das in einem Sektor, in dem die globale Ölproduktion bereits auf eine jährliche Rate von 4m Barrels pro Tag dezimiert war. Dieses Austrocknen von konventionellen Ölinvestitionen hat sicherlich den kränklichen Zustand der „nicht-Schiefer Ausbeutung“ verschlimmert und eine Beschleunigung Abbaurate auf ein 5m bpd Marke wird jetzt vorhergesagt.

Wenn man all dieses zusammen betrachtet, hat man das Tragwerk für unsere Annahme, dass die nächsten 6-12 Monate einen Ölpreisanstieg bringen werden. Mit Kürzungen der OPEC, die Folgen zeigen werden, konventionellen Öl-Erträgen, die zum Erliegen kommen werden und einer Schieferölindustrie, die vorsichtige Schritte machen wird um wieder in die Überholspur zu kommen, wird es wenig Preisdruck nach unten geben. Aber wenn wir uns tatsächlich in einem Preisbereich von $60+ wiederfinden (dies könnte realistisch im vierten Quartal 2017 passieren), wäre das der Punkt an dem Dinge anfangen ein bisschen mehr „gung-ho“ zu werden- was zu guter Letzt das ist, für das die Ölindustrie berühmt ist! Und wenn die Schieferöler am Ende tatsächlich einen Produktionsüberschuss wie in 2014 schaffen, ohne Zweifel enthusiastisch von der Trump Regierung angestachelt – dann werden sicherlich eine Lieferschwemme und Preiscrash folgen. Aber wir warten mit dieser Vorhersage lieber bis zur gleichen Zeit im nächsten Jahr…